Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Ein Pilot erzählt

Wie Papst Franziskus in den Himmel kommt

Der Papst fliegt Alitalia. Chefpilot Alberto Colautti war schon zehnmal mit dem Kirchenoberhaupt in der Luft. Er darf einiges über die Wünsche des prominenten Passagiers erzählen - aber nicht alles.

DPA

Papst Franziskus 2016 auf dem Weg nach Krakau

Freitag, 24.11.2017   13:47 Uhr

Als er das erste Mal einen Papst flog, war Alberto Colautti noch nervös. Das war 2011, Benedikt XVI. wollte nach Benin in Afrika. "Da war am Vorabend schon ein wenig Aufregung da", erinnert sich Colautti.

Der 56-Jährige ist Chefpilot bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia und hat bisher zehn Flüge mit einem Papst an Bord absolviert - mehr als jeder andere Pilot der päpstlichen Stammfluglinie.

DPA

Alberto Colautti, Chefpilot der italienischen Fluglinie Alitalia

Auch bei der anstehenden Reise von Papst Franziskus nach Myanmar und Bangladesch, die am Sonntag beginnt, sitzt Colautti im Cockpit. "Es ist ein sehr besonderer Flug. Natürlich ist das ein großes Privileg", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Traditionell fliegt der Papst auf dem Hinweg seiner Auslandsreisen immer mit Alitalia, in einer herkömmlichen und nicht extra umgebauten Maschine. Zurück geht's dann meist mit der Linie jenes Landes, das er gerade besucht hat. Aus Myanmar und Bangladesch kehrt er zurück mit der Staatslinie von Bangladesch, Bimam.

Als Letzter an Bord

Mittlerweile ist Colauttis Nervosität verschwunden, er kennt die Abläufe. Drei bis vier Monate dauere es in der Regel, einen Flug für den Papst zu organisieren. Es gebe nicht viele Unterschiede zu normalen Flügen, sagt Colautti. "Wir garantieren maximale Sicherheit und maximalen Komfort, ob es ein normaler Passagier oder ein Staatsoberhaupt oder ein Papst ist."

Ein bisschen Sonderbehandlung bekommt der "Heilige Vater" natürlich trotzdem. Er muss nicht durch die herkömmliche Sicherheitsschleuse und darf als letzter an Bord, wenn die Maschine schon startklar ist.

Diskretion ist das A und O, deshalb verrät Colautti auch nicht, was Franziskus an Bord isst oder ob er auch Filme guckt. Der Papst sitzt vorne in der Maschine. Genauso wie seine Entourage aus dem Vatikan, darunter meist sein "Außenminister", Kardinal Pietro Parolin, oder sein Pressesprecher. Hinten sitzen die begleitenden Journalisten, die Franziskus stets einzeln mit Handschlag und ein paar Worten begrüßt.

Anders als etwa die Bundesregierung oder der US-Präsident verfügt der Pontifex nicht über ein eigenes Flugzeug. Für ein "volo papale" wird stets eine andere Crew ausgewählt.

Glauben ist keine Voraussetzung

Man müsse dafür nicht katholisch sein, sagt Colautti, der selbst gläubiger Katholik ist und früher Hubschrauberpilot bei der Marine war. Erfahrung hilft offenbar: Bei Alitalia hat er mittlerweile 14.000 Flugstunden absolviert.

Flugangst habe der 80-jährige Franziskus nicht. Aber in der Vatikan-Entourage gebe es den ein oder anderen, dem es mulmig werden könne, sagt Colautti, der auch Training gegen Flugangst anbietet.

Für Alitalia sind die päpstlichen Flüge ein Imagegewinn und die Fluggesellschaft vermarktet sich damit, zum Beispiel auf YouTube, wie das folgende Video über Franziskus' Besuch in Kuba zeigt:

Doch trotz allem strauchelt die Airline seit Jahren und musste dieses Jahr sogar Insolvenz anmelden. Derzeit fliegt sie mit einem Brückenkredit der italienischen Regierung. Ob er befürchte, dass der Flug nach Myanmar der letzte mit dem Papst sein könnte? Colautti lacht und sagt: "Wir fliegen weiter, ich bin sehr optimistisch."

Annette Reuther/dpa/lov

Sagen Sie Ihre Meinung!

Verwandte Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP