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KarriereSPIEGEL

Gerechte Löhne

Firmen sind auf Lohntransparenz schlecht vorbereitet

Seit diesem Jahr müssen Firmen ihren Arbeitnehmern verraten, wie viel ihre Kollegen für die gleiche Arbeit verdienen. Doch viele Unternehmen wissen nicht einmal, ob das Gesetz für sie überhaupt gilt.

imago / Westend61
Montag, 09.04.2018   08:53 Uhr

Die Verunsicherung über das Entgelttransparenzgesetz (ETG) ist groß - ausgerechnet bei denen, die es umsetzen sollen. Das Ifo-Institut hat die Personalverwantwortlichen von 1000 deutschen Unternehmen befragt, und gut ein Viertel wusste nicht einmal, ob das eigene Unternehmen betroffen ist.

Das ETG verpflichtet Arbeitgeber, ihren Mitarbeitern unter bestimmten Bedingungen mitzuteilen, ob Kollegen des anderen Geschlechts für die gleiche Arbeit besser entlohnt werden. Es zielt darauf ab, den Geschlechterunterschied bei den Gehältern zu verringern.

Das Gesetz war im vergangenen Jahr in Kraft getreten, die Unternehmen hatten bis zum Januar Zeit, sich auf mögliche Anfragen vorzubereiten.

Die Umfrage, deren Ergebnis dem SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt, wurde im Herbst 2017 durchgeführt. In einem Zeitraum also, in dem viele Firmen nach der Vorstellung des Gesetzgebers mitten in den Vorbereitungen hätten stecken sollen. Denn für eine konkrete Auskunft ist entscheidend, dass der Arbeitgeber nachvollziehbar definiert, welche Mitarbeiter überhaupt in ihrem Aufgabenzuschnitt vergleichbar sind. Das Gesetz schreibt die Entgelttransparenz nur Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern vor.

Ungeeignetes Gesetz?

Generell hält ein großer Anteil der Personaler das ETG für ungeeignet, um Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen zu reduzieren, nämlich 42 Prozent. Nur 13 Prozent glauben, es eigne sich zu diesem Zweck. 45 Prozent machten dazu keine Angabe - was man teilweise auch als Zeichen von Verunsicherung sehen kann.

Transparenz beim Gehalt

Jeder Arbeitnehmer kann sich mit seiner Anfrage nach dem ETG aufschlüsseln lassen, wie mögliche Unterschiede zustande kommen. Deshalb wurden die Personalverantwortlichen auch gefragt, wie groß die Lohnunterschiede in ihren Firmen sind, und welche Faktoren zu Unterschieden führen.

Demnach ist die Lohnungleichheit im Handel am ausgeprägtesten, am geringsten ist sie in der Dienstleistungsbranche. Beeinflusst wird sie nach Angaben der Befragten von der Berufserfahrung, der Arbeitsleistung, Betriebszugehörigkeit, dem Verhandlungsgeschick und der Schulbildung, und zwar in dieser Reihenfolge.

Die Befragung des Ifo-Instituts ist Teil der vierteljährlichen Flexindex-Erhebung. Dabei fragen Ifo und der Personaldienstleister Randstad, wie die Personalverantwortlichen in Deutschland die Instrumente zur flexiblen Gestaltung von Arbeit handhaben, zum Beispiel Überstunden, Arbeitszeitkonten, Fristverträge, Minijobs oder Zeitarbeit.

mamk

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