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KarriereSPIEGEL

Gerichtsurteil

Angestellte müssen ihrem Chef die Handynummer nicht verraten

Ein Gesundheitsamt mahnte Mitarbeiter ab, weil sie ihre private Mobilfunknummer nicht preisgeben wollten. Das Landesarbeitsgericht in Erfurt entschied nun zugunsten der Arbeitnehmer.

DPA

Justitia

Donnerstag, 17.05.2018   18:10 Uhr

Angestellte des kommunalen Gesundheitsamtes im Landkreis Greiz hatten ihre privaten Festnetznummern für Bereitschaftsdienste hinterlegt, nicht aber ihre Handynummern. Der Arbeitgeber mahnte die Beschäftigten deshalb ab, sie klagten dagegen. Das Landesarbeitsgericht Thüringen hat nun am Mittwoch zugunsten der Mitarbeiter entschieden: Der Arbeitgeber muss die Abmahnungen aus den Personalakten entfernen (Aktenzeichen 6 Sa 442/17 und 6 Sa 444/17).

Arbeitnehmer müssten ihre private Mobilfunknummer grundsätzlich nicht bei ihrem Arbeitgeber angeben. Dieser habe nur in Ausnahmefällen das Recht, diese zu erfahren, heißt es im Urteil. Damit bestätigt das Landesarbeitsgericht in Erfurt eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Gera aus dem Jahr 2017 und verdeutlicht, wie wichtig der Datenschutz auch im Berufsleben ist.

In dem konkreten Fall sollten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an Werktagen nach dem Zufallsprinzip von Rettungskräften auf dem Handy angerufen werden können. Den Angestellten ging das zu weit.

Zu Recht, wie nun Richter Michael Holthaus entschied. Ein Arbeitgeber könne seinen Mitarbeiter fast immer und überall erreichen, wenn er dessen Handynummer kenne. Der Beschäftigte könne dann nicht mehr wirklich zur Ruhe kommen. Ein solcher "erheblicher Eingriff in Persönlichkeitsrechte" sei beispielsweise hinnehmbar, wenn sich die Arbeit des Angestellten nicht anders sinnvoll organisieren ließe. In den vorliegenden Fällen sei das jedoch nicht so gewesen.

Gegen das Urteil hat das Landesarbeitsgericht keine Revision beim Bundesarbeitsgericht zugelassen.

lor/dpa

insgesamt 30 Beiträge
cosmose 17.05.2018
1.
Witzig... In meinem Bekanntenkreis kenne ich nicht mal jemanden, der überhaupt noch ein Festnetztelefon zu Hause hat. Natürlich hat mein Arbeitgeber meine Handynummer, anders bin ich gar nicht zu erreichen.
Witzig... In meinem Bekanntenkreis kenne ich nicht mal jemanden, der überhaupt noch ein Festnetztelefon zu Hause hat. Natürlich hat mein Arbeitgeber meine Handynummer, anders bin ich gar nicht zu erreichen.
RenRlp 17.05.2018
2. Ohne Urteil
Ich persönlich benötige dazu kein Urteil. Hab ich Feierabend, bin ich raus aus dem Betrieb. Auch als Führungskraft. Möchte mein AG mich dennoch kontaktieren, hat er mir jede einzelne Stunde, die mein Handy auf Bereitschaft [...]
Ich persönlich benötige dazu kein Urteil. Hab ich Feierabend, bin ich raus aus dem Betrieb. Auch als Führungskraft. Möchte mein AG mich dennoch kontaktieren, hat er mir jede einzelne Stunde, die mein Handy auf Bereitschaft ist, zu bezahlen. Will er nicht. Mir soll es recht sein. Seit 15 Jahren im selben Betrieb, hatte ich deswegen nie Probleme. Falls es doch mal wer wagt mich anzurufen, wird er ordentlich gebügelt, auf das es nie wieder vorkommt. Denn natürlich ist meine Nummer hinterlegt. Für ECHTE Notfälle. Bei einem Globalplayer kann und darf es die aber nicht geben.
aktiverbeobachter 18.05.2018
3. Richtig so
Wenn mein AG mich auch in meiner arbeitsfreien Zeit erreichen möchte, dann muss er mir dazu auch die notwendige Hard- und Software, sprich Diensthandy o.ä., zur Verfügung stellen. Selbstverständlich bin ich nicht bereit meine [...]
Wenn mein AG mich auch in meiner arbeitsfreien Zeit erreichen möchte, dann muss er mir dazu auch die notwendige Hard- und Software, sprich Diensthandy o.ä., zur Verfügung stellen. Selbstverständlich bin ich nicht bereit meine private Handynummer meinem AG zu geben.
sammilch 18.05.2018
4. Kommentar
@Cosmose: Die müssen Sie Ihrem Chef nicht mitteilen, wenn es nicht nötig ist. In einem meiner Überbückungsjobs habe ich den Fehler gemacht, meine Handynummer dem Chef zu geben - bzw. er entnahm diese der Bewerbung. In einem [...]
@Cosmose: Die müssen Sie Ihrem Chef nicht mitteilen, wenn es nicht nötig ist. In einem meiner Überbückungsjobs habe ich den Fehler gemacht, meine Handynummer dem Chef zu geben - bzw. er entnahm diese der Bewerbung. In einem laufendem Restaurantbetrieb wurde ich gerne mal für 1-2 Stunden Arbeit rangeklingelt, wenn der Chef sich mit der Dienstplanplaung vertan hatte. Kurz vor der Kündigung ging ich dann nicht mehr ran, mir wurde mit Abmahnung gedroht. Da dieses nicht rechtsmäßig war (die Überstunden wurden auch nicht bezahlt), ließ ich es drauf ankommen. Das Arbeitsgericht behandelte den Fall -zu meinen Gunsten- in weniger als einer viertel Stunde. Schon damals wurde festgestellt, dass dieses Unterbrechen der Freizeit nicht rechtens ist.
Vournet 18.05.2018
5.
Das trifft sicher auf die meisten jüngeren Arbeitnehmer zu. Gerade bei Älteren kann es aber durchaus vorkommen, dass sie nur ein Festnetztelefon und kein Handy besitzen. Was man nicht hat, kann man nicht angeben und [...]
Zitat von cosmoseWitzig... In meinem Bekanntenkreis kenne ich nicht mal jemanden, der überhaupt noch ein Festnetztelefon zu Hause hat. Natürlich hat mein Arbeitgeber meine Handynummer, anders bin ich gar nicht zu erreichen.
Das trifft sicher auf die meisten jüngeren Arbeitnehmer zu. Gerade bei Älteren kann es aber durchaus vorkommen, dass sie nur ein Festnetztelefon und kein Handy besitzen. Was man nicht hat, kann man nicht angeben und außerdem muss das Handy auch nicht ständig eingeschaltet sein. Wäre das Urteil anders ausgefallen: Wäre das dann eine Pflicht für die Mitarbeiter, sich ein privates Handy anzuschaffen und dieses ständig betriebsbereit zu halten? Meiner Meinung nach sollte der Arbeitgeber den Mitarbeitern zumindest ein Diensthandy stellen und im Arbeitsvertrag entsprechende Vereinbarungen treffen, wenn er sie immer und überall erreichen will.

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