Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Studie zu Homeoffice

Väter nehmen sich nicht mehr Zeit für ihre Kinder, selbst wenn sie es können

Väter machen Überstunden, Mütter auch - doch die kümmern sich auch noch um die Kinder. Eine Studie zeigt: Homeoffice und flexible Arbeitszeiten belasten Eltern. Und sie verstärken das Ungleichgewicht.

DPA

Mann mit Kinderwagen

Von
Dienstag, 05.03.2019   05:04 Uhr

Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind groß: Während Väter ihre Kinder pro Arbeitswoche durchschnittlich gut acht Stunden betreuen, sind es bei Müttern 21 Stunden. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Die Wissenschaftlerin Yvonne Lott untersuchte, ob sich dieses Ungleichgewicht ändert, wenn sich Eltern ihre Arbeit flexibler selbst einteilen können. Und sie ging der Frage nach, ob Mütter und Väter auch anderweitig profitieren, weil sie sich dann zum Beispiel mehr Zeit für Erholung oder Schlaf nehmen.

Lott analysierte dazu die Arbeitszeitmodelle von Eltern in Hinblick auf die Betreuungszeit für ihre Kinder, ihre Freizeitaktivitäten und ihren Schlaf - und kam zu eindeutigen Ergebnissen.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die Studie wurde von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde sie von der Wissenschaftlerin Yvonne Lott, Expertin für Gender und Arbeitszeit am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI), das zur Stiftung gehört. Veröffentlicht wurde sie unter dem Titel "Weniger Arbeit, mehr Freizeit? Wofür Mütter und Väter flexible Arbeitsarrangements nutzen" in der Reihe "WSI Report".
Wie wurden die Daten erhoben?
Lott hat für die Studie die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 1999 bis 2016 verwendet. Für das SOEP wurden in diesem Zeitraum mehrere Tausend Haushalte wiederholt befragt, die Ergebnisse sind repräsentativ. Flexible Arbeitszeitmodelle wurden laut Lott seit 2003 erfasst, Homeoffice erstmals 1999. Berücksichtigt wurden nur die Daten abhängig beschäftigter Mütter und Väter im Alter von 18 bis 65 Jahren, die mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt zusammenleben.

Mütter und Väter arbeiten demnach durchweg mehr, wenn sie Homeoffice machen oder ihre Arbeitszeit selbst bestimmen können. Mehr Zeit für Kinderbetreuung wenden hingegen nur die Frauen auf. An Freizeit und Schlaf sparen beide.

Noch deutlicher sind die Unterschiede bei flexiblen Arbeitszeiten.

Mehr Zeit für Erholung, also etwa für Schlaf oder Sport, nehmen sich Beschäftigte mit Kindern im Haushalt generell nicht, auch wenn sie es könnten: "Einen Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter", schreibt Lott.

Mit verantwortlich für das Ungleichgewicht seien die Erwartungen in den Betrieben. Vätern werde oft noch die Ernährerrolle zugeschrieben. Für sie sei es schwerer, flexible Arbeitszeiten für außerberufliche Verpflichtungen einzusetzen.

Frauen würden laut Genderforscherin Lott hingegen widersprüchliche Erwartungen vermittelt: Zum einen sollen sie als Mutter für die Kinder präsent sein, zum anderen "richtig arbeiten". Daraus könne eine Doppelbelastung resultieren, wie sie die Studie nahelege.

Ungleichheit auch am Wochenende

Der sogenannte Gender Care Gap, also der Umstand, dass Frauen mehr Sorgearbeit wie Haushalt und Kinderbetreuung übernehmen, bleibt auch am Wochenende bestehen. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung untersucht. Die Studie wird am Mittwoch im "DIW Wochenbericht" veröffentlicht und liegt dem SPIEGEL bereits vor.

Demnach leisten Frauen auch sonntags durchschnittlich 1,5 Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer. In Haushalten mit Kindern sei der Gender Care Gap besonders ausgeprägt. Grundlage für die Untersuchung ist ebenfalls das Sozio-Oekonomische Panel.

In Paarhaushalten mit Kindern bis sechs Jahre verbringen Frauen sonntags mit Hausarbeit und Kinderbetreuung demnach knapp vier Stunden mehr als ihr männlicher Partner. Sind Kinder zwischen 7 und 18 Jahren im Haus, beträgt der Unterschied immerhin noch zwei Stunden und 48 Minuten. Bei heterosexuellen Paaren ohne Kinder machen Frauen 36 Minuten mehr Hausarbeit.

Die Studienautorin Claire Samtleben schreibt, "das Argument, die ungleiche Belastung durch die höhere Erwerbstätigkeit des Mannes sei der Grund für eine ungleiche Aufteilung der Hausarbeit, ist somit zumindest für erwerbsfreie Tage wenig überzeugend."

Sowohl Lott als auch Samtleben empfehlen Maßnahmen gegen das Ungleichgewicht wie etwa die Ausweitung der Partnermonate im Elterngeld.

insgesamt 83 Beiträge
RalfHenrichs 05.03.2019
1. Die Frage ist,
wie groß der Anteil der Alleinerziehenden in dieser Studie ist. Angenommen (was nicht der Fall ist, ich weiß, aber angenommen) bei Kindern mit zwei Elternteilen würden sich die Erziehungsaufgaben gleich verteilen. Es gibt dann [...]
wie groß der Anteil der Alleinerziehenden in dieser Studie ist. Angenommen (was nicht der Fall ist, ich weiß, aber angenommen) bei Kindern mit zwei Elternteilen würden sich die Erziehungsaufgaben gleich verteilen. Es gibt dann aber deutlich mehr (was ja der Fall ist) alleinerziehende Frauen als Männer, dann ist der Anteil der Erziehungszeiten bei Frauen deutlich größer als bei Männer. Will sagen: die Alleinerziehenden müsste herausgerechnet werden, um zu korrekten Ergebnissen zu kommen. Dass es mehr alleinerziehende Frauen als Männer gibt und warum es dies gibt, ist dann ein weiteres Problem.
juri. 05.03.2019
2. Nur mal ein ketzerischer Gedanke:
Wie sieht's denn hier mit Ost-West-Gefälle aus, gaben die Panel-Daten das auch her?
Wie sieht's denn hier mit Ost-West-Gefälle aus, gaben die Panel-Daten das auch her?
abgelehnt 05.03.2019
3. Studie?
Es braucht also eine Studie dafür um zu erkennen, dass jemand der im HomeOffice oder bei flexiblen Arbeitszeiten mehr Zeit, als die Verglrichsgruppe, in die Arbeit investiert, dementsprechend weniger Zeit für andere Dinge hat? [...]
Es braucht also eine Studie dafür um zu erkennen, dass jemand der im HomeOffice oder bei flexiblen Arbeitszeiten mehr Zeit, als die Verglrichsgruppe, in die Arbeit investiert, dementsprechend weniger Zeit für andere Dinge hat? Wurde wenigstens berücksichtigt, dass Männer i.d.R schon länger arbeiten? Es ist ein Unterschied ob ich an 6 Arbeitsstunden noch eine Stunde dran hänge oder an 8 Arbeitsstunden..
chillitilli 05.03.2019
4. Viele / im Durchschnitt!
Könnt ihr das denn nicht korrekt als Durchschnitt einer Schätzung schreiben? Das ist sicherlich bei weitem nicht in jedem Haushalt so. Nicht alle Väter nehmen sich keine Mehrzeit für ihre Kinder.
Könnt ihr das denn nicht korrekt als Durchschnitt einer Schätzung schreiben? Das ist sicherlich bei weitem nicht in jedem Haushalt so. Nicht alle Väter nehmen sich keine Mehrzeit für ihre Kinder.
hansgustor 05.03.2019
5. Teilzeit
Wurden die Arbeitszeiten normalisiert? Ansonsten verzerrt Teilzeit-Arbeit die Statistik.
Wurden die Arbeitszeiten normalisiert? Ansonsten verzerrt Teilzeit-Arbeit die Statistik.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP