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KarriereSPIEGEL

Gender-Pay-Gap

Gleicher Lohn für Frauen? Aber nicht hier

Frauen verdienen weniger als Männer, das ist bekannt. Die Lücke beim Gehalt hängt aber auch vom Arbeitsort ab. Eine neue Studie zeigt, welche Bundesländer besonders gut abschneiden - und welche besonders schlecht.

Getty Images

Kirchheim unter Teck, Baden-Württemberg

Von
Donnerstag, 14.03.2019   14:06 Uhr

Frauen in Süddeutschland sind vom Gender-Pay-Gap im Beruf deutlich stärker betroffen als in anderen Regionen. Der Gehaltsrückstand gegenüber Männern ist in Bayern und Baden-Württemberg deutlich größer als etwa in den ostdeutschen Bundesländern. Das zeigt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach verdienen Frauen in Baden-Württemberg im Schnitt 22,7 Prozent weniger als Männer, in Bayern sind es 21,9 Prozent. Dagegen beträgt der Unterschied in Brandenburg nur 14,9 Prozent und in Sachsen-Anhalt 15,5 Prozent.

Im Schnitt für das gesamte Bundesgebiet liegt der Gender-Pay-Gap bei 21 Prozent. Frauen erhielten demnach im vergangenen Jahr im Mittel 17,09 Euro brutto je Stunde, Männer 21,60 Euro.

Die Autoren der Studie führen zwei Hauptgründe für ihre Ergebnisse an:

"Bei den Löhnen hinken die sozialen Berufe, in denen Frauen deutlich überrepräsentiert sind, oft hinterher", sagt Malte Lübker, Experte für Tarif- und Einkommensanalysen am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. In den technischen Berufen, in denen höhere Löhne gezahlt würden, betrage der Männeranteil dagegen oft 90 Prozent oder mehr.

"Teilzeit und längere Elternzeiten werden in den Betrieben häufig abgestraft, da sie als Signal für geringeres Arbeitsengagement gelten", sagt die WSI-Arbeitszeitforscherin Yvonne Lott. Das betreffe Frauen deutlich stärker, da diese häufiger die Hausarbeit und Pflege von Angehörigen übernehmen. "Etwas verkürzt gesagt: Eine Mutter auf einer Teilzeit-Stelle macht seltener Karriere. Und es gibt auch Unternehmen, die Teilzeitarbeit schlechter bezahlen als vergleichbare Vollzeitjobs, obwohl das illegal ist."

Berücksichtigt man in der Rechnung, dass Frauen schlechter bezahlte Stellen haben und wesentlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, dann liegt der Gender-Pay-Gap bei sechs Prozent.

Einzelheiten zur Studie

Wer hat die Studie durchgeführt?
Es handelt sich um eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. Die Stiftung gilt als gewerkschaftsnah und befasst sich häufig mit Wirtschaftsthemen aus Arbeitnehmersicht. Anlass der Auswertung ist der Equal Pay Day am 18. März 2019.
Welche Daten wurden erhoben?
Für die Studie wurden die Angaben von über 300.000 Beschäftigten ausgewertet, die sich im Online-Portal Lohnspiegel.de angemeldet haben. Das Portal ist ein nichtkommerzielles Angebot der Böckler-Stiftung, auf dem Nutzer ihr Gehalt vergleichen können. Um Unterschiede bei der Arbeitszeit auszugleichen, beziehen sich alle Daten der Auswertung auf Vollzeitstellen.
Sind die Daten repräsentativ?
Nein. Die Autoren sagen selbst: "Die Umfrage ist nicht-repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die tatsächlich gezahlten Entgelte." Für einzelne Bundesländer (Bremen und das Saarland) waren die Fallzahlen so niedrig, dass keine eigenen Regionaldaten ausgewertet wurden.

Beide Faktoren erklären, warum wirtschaftlich starke Bundesländer wie Baden-Württemberg und Bayern die größeren Gehaltslücken haben: "In beiden Ländern ist das verarbeitende Gewerbe, insbesondere die Automobilindustrie, stark verankert und bietet gut bezahlte Jobs - in denen ganz überwiegend Männer arbeiten", heißt es in der Untersuchung.

In Ostdeutschland dagegen fehlen oftmals die großen Industriebetriebe und damit auch die traditionellen Berufsperspektiven für Männer. Weil obendrein das Lohnniveau auch noch unter dem im Westen liege, ließen sich die niedrigeren Werte beim Gender-Pay-Gap nicht mit besonders fairen Frauen-Löhnen erklären, "sondern mit dem großen Abstand der ostdeutschen Männer gegenüber den Männern im Westen".

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Außerdem mache sich in Ostdeutschland bemerkbar, dass eine volle Berufstätigkeit von Müttern viel weiter verbreitet sei als im Westen. Dazu trage auch das bessere Angebot in der Kinderbetreuung bei.

insgesamt 83 Beiträge
der_mick 14.03.2019
1. Frauen verdienen nicht weniger als Männer
Es ist langsam wirklich müßig diesen Unsinn immer und immer wieder klarstellen zu müssen. Nein, Frauen verdienen nicht weniger als ihre männlichen Kollegen. Es gibt keine Gender Paygap! Bitte informieren Sie sich dazu,denn [...]
Es ist langsam wirklich müßig diesen Unsinn immer und immer wieder klarstellen zu müssen. Nein, Frauen verdienen nicht weniger als ihre männlichen Kollegen. Es gibt keine Gender Paygap! Bitte informieren Sie sich dazu,denn über das Thema wurde nun schon wirklich ausreichend informiert.
berndscherdel 14.03.2019
2. Woran liegts?
Habe ich das jetzt richtig verstanden: Es ist nicht die Schuld "der Männer", dass der Gap so groß ist, sondern "der Frauen". Einfach die "richtigen" Berufe wählen und Vollzeit arbeiten gehen. Dann [...]
Habe ich das jetzt richtig verstanden: Es ist nicht die Schuld "der Männer", dass der Gap so groß ist, sondern "der Frauen". Einfach die "richtigen" Berufe wählen und Vollzeit arbeiten gehen. Dann klappt das auch mit der "Gleichheit". Nein - ich bin nicht der Meinung, dass das die richtige Herangehensweise ist. In einer Ehe darf es ruhig einen Unterschied im Gehalt geben - das sollten die Eheleute unter sich ausmachen. Und klar ist auch, dass in der Ehe das gesamte Einkommen (inklusive Alterssicherung) auch beiden zu gleichen Teilen zusteht. Damit steht der Gender Pay Gap zwar auf dem Papier, aber beide sollten damit glücklich sein.
faz-leser 14.03.2019
3. Und ewig grüßt das Murmeltier ...
Jedes Jahr die selben Zahlen. Frauen verdienen in vergleichbaren Jobs rund 6 % weniger als Männer. Das ist ungerecht und gehört dringend abgeschafft. Die übrigen 15 % Einkommensunterschied - die auch hier wieder einmal zu [...]
Jedes Jahr die selben Zahlen. Frauen verdienen in vergleichbaren Jobs rund 6 % weniger als Männer. Das ist ungerecht und gehört dringend abgeschafft. Die übrigen 15 % Einkommensunterschied - die auch hier wieder einmal zu Unrecht als Lohnunterschied bezeichnet werden - sind auf persönliche Entscheidungen und Lebensmodelle von Frauen, Männern und Familien zurück zu führen. Derlei Entscheidungen zu kritisieren, steht der Gesellschaft nicht zu, denn derlei Entscheidungen sind Privatsache. Wann endet endlich diese Art der Bevormundung von Frauen und Familien? Wenn eine Frau nicht Vollzeit, sondern nur Teilzeit arbeiten will, sollte die Gesellschaft das so akzeptieren und sich nicht darüber echauffieren, dass dies vermeintlich ungerecht sei. Die Lebensmodelle von Frauen, Männern und Familien sind deren Privatsache und sollten nicht zum Gegenstand einer dogmatischen Frauenpolitik gemacht werden.
der_mick 14.03.2019
4. Nur Frauen einstellen
Würde es sowas wie ein Gender Paygap wirklich geben, würden die Firmen nur noch Frauen einstellen um die Lohnkosten niedrig zu halten. Ein interessantes Beispiel der letzten Tage: Bei einer internen Untersuchung der Lohne bei [...]
Würde es sowas wie ein Gender Paygap wirklich geben, würden die Firmen nur noch Frauen einstellen um die Lohnkosten niedrig zu halten. Ein interessantes Beispiel der letzten Tage: Bei einer internen Untersuchung der Lohne bei Google, sollte festgestellt werden, um wie viel die Männer mehr verdienen als ihre weiblichen Kollegen. Sie können sich sicher vorstellen, wie groß die Überraschung war, als festgestellt wurde, dass die Männer weniger erhielten als die Frauen! Hier der Artikel aus der NY Times: https://www.nytimes.com/2019/03/04/technology/google-gender-pay-gap.html
teekesselchen 14.03.2019
5.
das mit den 21% beim Gender-Pay-Gap ist Blödsinn! Bezieht man nämlich mit ein, das Frauen viel häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten als Männer, ist es nicht verwunderlich, dass Frauen weniger verdienen. Auch [...]
das mit den 21% beim Gender-Pay-Gap ist Blödsinn! Bezieht man nämlich mit ein, das Frauen viel häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten als Männer, ist es nicht verwunderlich, dass Frauen weniger verdienen. Auch machen Frauen viel häufiger Teilzeit als Männer die viel häufiger Vollzeit arbeiten. Sollen die Frauen die Teilzeit arbeiten genauso viel verdienen wie Männer die Vollzeit arbeiten? Nein? Wenn man die zwei Punkte Teilzeit/Vollzeit, schlechter bezahlte Berufen mal in Relation setzt, dann liegt der Gender-Pay-Gap nur noch bei ca. 7%! Vergleiche hier ein Artikel bei telepolis: https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html?seite=2
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