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Gender Pay Gap

Ja, Frauen in deutschen Vorständen verdienen mehr als Männer. Aber...

Eine Unternehmensberatung will herausgefunden haben: Frauen verdienen in deutschen Vorständen mehr als ihre männlichen Kollegen. In der Rechnung fehlen allerdings einige Zahlen.

Getty Images / Tom Merton

Beschwerlicher Aufstieg (Symbolbild)

Donnerstag, 27.09.2018   20:54 Uhr

Frauen in Vorständen börsennotierter Unternehmen in Deutschland verdienen laut einer neuen Studie im Durchschnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Mit 2,1 Millionen Euro übertraf ihre Direktvergütung im Jahr 2017 die der männlichen Vorstandsmitglieder um 300.000 Euro, hat das Beratungsunternehmen EY in einer Auswertung für Dax, MDax, SDax und TecDax errechnet. Aber wesentliche Aspekte bleiben dabei unberücksichtigt.

Die Vergütung der Frauen habe die der Männer bereits das dritte Jahr in Folge übertroffen; von einer eindrucksvollen "Aufholjagd der Frauen" ist in der Mitteilung die Rede. Im Leitindex Dax hätten weibliche Vorstandsmitglieder ihr Gehalt seit 2013 um 15 Prozent steigern können, teilt EY mit. Männer dagegen mussten sich den Angaben zufolge mit einem Plus von vier Prozent begnügen.

Eine vergleichbare Entwicklung gab es der Berechnung zufolge im MDax. Im Index der mittelgroßen Werte erhielten weibliche Vorstände 2017 mit durchschnittlich 1,56 Millionen Euro ein um sechs Prozent höheres Einkommen als Männer (1,47 Millionen Euro).

Das Fazit von EY-Sprecher Jens Massmann: "In den Vorstandsetagen der Dax- und MDax-Unternehmen ist die Lohnlücke geschlossen und die Gleichberechtigung bei der Vergütung bereits Realität." Einer der Gründe sei die gute Verhandlungsposition von Frauen. So stünden besonders größere Unternehmen unter Druck, Frauen in ihre Vorstände zu holen.

Wer sich die Zahlen genauer ansieht, stellt allerdings fest, dass es zwischen Frauen und Männern in Vorstandsetagen weiter deutliche Unterschiede gibt - oft zum Nachteil der weiblichen Führungskräfte. So relativiert sich zum Beispiel ihr Gehaltsvorsprung über alle Unternehmen aus Dax, MDax, SDax und TecDax, wenn man berücksichtigt, wie die Zahlen berechnet wurden.

Männliche CEOs wurden herausgerechnet

Für die Berechnung des Barometers seien aus Gründen der Vergleichbarkeit die männlichen CEOs herausgerechnet worden, da es kaum weibliche CEOs gebe und sich die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden deutlich von denen der übrigen Vorstandsmitglieder abheben, heißt es in der Mitteilung von EY.

"So verdiente etwa im Dax, wo noch immer keine Frau den Vorstandsvorsitz hat, ein CEO im Jahr 2017 im Durchschnitt rund 5,6 Millionen Euro", schreibt EY. Zum Vergleich: Die anderen Vorstandsmitglieder hätten eine Gesamtdirektvergütung von durchschnittlich rund drei Millionen Euro erhalten.

Frauen sind in deutschen Vorständen zudem immer noch sehr deutlich in der Minderheit: EY wertete die Gesamtdirektvergütung im Jahr 2017 (ohne CEOs) von 348 Männern aus - und 37 Frauen. Im Dax war das Verhältnis 126 zu 20, im MDax 101 zu 8, wie aus der EY-Mitteilung hervorgeht.

Jobsharing in Führungspositionen: Ein Fall für zwei

Zudem haben Frauen in bestimmten Unternehmen durchaus noch finanziell das Nachsehen: Im SDax verdienen Frauen in Vorständen der Berechnung zufolge im Schnitt 702.000 Euro - und damit etwa ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen. Die liegen bei einem Verdienst von 856.000 Euro. Im TecDax liegen die Männer mit 984.000 Euro sogar um ein Drittel vor den Frauen (665.000 Euro).

Im Dax haben die Frauen tatsächlich deutliche Gehaltsverbesserungen erzielt und liegen gegenüber den Männern nun leicht vorn. Den Angaben zufolge lag der Vorsprung 2017 bei einem Prozent. Allerdings: Im Jahr 2013 verdiente ein männliches Vorstandsmitglied im Dax laut EY noch zehn Prozent mehr als ein weiblicher Vorstand, der Gehaltsabstand war also deutlich größer.

lie/fok/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 11 Beiträge
Gmorker 27.09.2018
1. Minderheit
Vorstandsmitglieder börsennotierter Unternehmen stellen insgesamt eine verschwindende Minderheit innerhalb der Gesaltbevölkerung dar, wieso ist das also für irgendwas wichtig? Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und [...]
Vorstandsmitglieder börsennotierter Unternehmen stellen insgesamt eine verschwindende Minderheit innerhalb der Gesaltbevölkerung dar, wieso ist das also für irgendwas wichtig? Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Gleichbezahlung muss in der breiten Masse anfangen und nicht bei Vorstandsmitgliedern, denn die breite Masse wird niemals Vorstandsmitglied sein, vollkommen egal ob sie Mann oder Frau sind.
yossariania 27.09.2018
2. Da
haben Sie aber etwas gründlich missverstanden. Es geht nicht darum irgendetwas für die breite Masse zu verändern, geschweige denn zu verbessern. Es geht darum "ein Zeichen zu setzen".
Zitat von GmorkerVorstandsmitglieder börsennotierter Unternehmen stellen insgesamt eine verschwindende Minderheit innerhalb der Gesaltbevölkerung dar, wieso ist das also für irgendwas wichtig? Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und Gleichbezahlung muss in der breiten Masse anfangen und nicht bei Vorstandsmitgliedern, denn die breite Masse wird niemals Vorstandsmitglied sein, vollkommen egal ob sie Mann oder Frau sind.
haben Sie aber etwas gründlich missverstanden. Es geht nicht darum irgendetwas für die breite Masse zu verändern, geschweige denn zu verbessern. Es geht darum "ein Zeichen zu setzen".
yves1981 27.09.2018
3.
Diese ganzen Vergleiche haben sowieso null Aussagekraft, weil Menschen unterschiedlich viel Leisten, auch wenn sie auf dem Papier den gleichen Job haben.
Diese ganzen Vergleiche haben sowieso null Aussagekraft, weil Menschen unterschiedlich viel Leisten, auch wenn sie auf dem Papier den gleichen Job haben.
RedEric 28.09.2018
4. Öffentlicher Dienst
Beim GenderGap wird auch der öffentliche Dienst herausgerechnet, weil bei diesem die Geschlechter gleich bezahlt werden...
Beim GenderGap wird auch der öffentliche Dienst herausgerechnet, weil bei diesem die Geschlechter gleich bezahlt werden...
Sundown 28.09.2018
5.
Es geht also doch: da wird eine Statistik hinterfragt, geprüft und das Ergebnis bewertet. Leider nur, weil es nicht in die politische Agenda passt. Am besten gefällt mir der Schluss: weibliche Vorstände im Dax verdienen [...]
Es geht also doch: da wird eine Statistik hinterfragt, geprüft und das Ergebnis bewertet. Leider nur, weil es nicht in die politische Agenda passt. Am besten gefällt mir der Schluss: weibliche Vorstände im Dax verdienen mehr, als die männlichen, aber vor 5 Jahren war der Abstand größer, als Männer mehr verdienten. Alberner und entlarvender geht es wirklich nicht mehr. Nur zur Sicherheit: Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts ist ein Nogo. Strukturelle Unterschiede (z.B. aufgrund der Lohnhöhen in unterschiedlichen Branchen oder aufgrund unterschiedlicher Arbeitszeitmodelle) lassen sich aber nicht mit den bisherigen Ansätzen (Quote z.B., praktischerweise nur in höchsten Ebenen) lösen. Bei denen geht es nur um Pfründe für eine winzige Elite. Es wäre schön, wenn sich saubere statistische Arbeit auch beim Trommelfeuer über GenderPayGap durchsetzen könnte, leider wäre das Thema dann wohl beerdigt.

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