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KarriereSPIEGEL

Rat der Karriereberaterin

Das Großraumbüro stresst mich - was kann ich tun?

Ein aufdringliches Parfüm, laute Telefonate, Dönergeruch: Viele Mitarbeiter fühlen sich im Großraum gestört. Doch dagegen lässt sich etwas tun - hier sind die besten Tipps.

DPA

Großraumbüro von Facebook in Kalifornien (Archivbild 2012)

Von
Dienstag, 18.09.2018   12:14 Uhr

Das Problem:

Claudias Unternehmen befindet sich in einer "Transformation", wie sie schreibt. Die Büros wurden zum Großraum umgestaltet. Nun sitzt sie mit zahlreichen Kollegen zusammen und kann sich nicht mehr konzentrieren. Sie hat das Gefühl, als introvertierter Mensch mache ihr das mehr aus als ihren "lauteren" Kollegen.

Zur Autorin

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Haben Sie viel oder wenig Auslauf? Manche moderne Büros ähneln Legebatterien. Es ist dort vielleicht nicht ganz so eng, aber ähnlich grau und trist. Dabei bringt der Trend zum Großraumbüro Unternehmen überhaupt keinen Nutzen. Eine Studie der Harvard University zeigt, dass die direkte Kommunikation sogar abnimmt, die Zahl der gesprochenen Worte sinkt, das E-Mail-Aufkommen steigt.

Was aber können Mitarbeiter tun, wenn sie in einer Umgebung arbeiten müssen, die alles andere als zum Wohlfühlen ist? Zunächst gilt es zu verstehen: Was kann ich beeinflussen? Oft ist das mehr als zunächst gedacht.

Claudia könnte sich überlegen, was sie gemeinsam mit den Kollegen bewegen kann, und zwar wortwörtlich: Lassen sich Schreibtische verschieben und anders anordnen - und stiftet der Chef ein Budget für den Einkauf im Möbelhaus?

Ein Workshop zum Thema könnte sich lohnen, schließlich will auch die Unternehmensleitung leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter. Bei dieser Gelegenheit können Sie Ihre eigenen Bedürfnisse anbringen, und zwar ohne falsche Rücksicht.

Es gehören alle Karten auf den Tisch. Es nützt nichts, wenn jemand jeden Morgen unter dem Aftershave eines Kollegen leidet, aber aus Höflichkeit dazu schweigt. Auch den mittäglichen Dönergeruch muss niemand ertragen, wenn das Brötchen auch auf der Terrasse verspeist werden kann.

Ein Zettel mit allem, was wichtig ist

Am besten schreibt jeder auf einen Zettel, was ihm wichtig ist, bevor die Themen in größerer Runde besprochen werden. Dabei muss die Regel gelten, dass über die Bedürfnisse anderer nicht geurteilt wird. Bedürfnisse sind Bedürfnisse, sie brauchen weder Diskurs noch Diskussion. Und sie sind niemals lächerlich.

Der eine kann eben das Schmatzen des Nachbarn nicht ertragen und der andere zuckt zusammen, wenn jemand laut ins Telefon spricht. 50 bis 100 Zentimeter beträgt die übliche Zone für körperlichen Wohlfühlabstand, aber mancher braucht mehr.

Small Talk im Großraum findet der eine toll und der andere belastend. Wer konzentriert arbeiten möchte, mag Störungen oft gar nicht. Da half früher die gute alte Bürotür und das Schild "Bitte nicht stören". Heute tut es vielleicht eine rote Fahne auf dem Schreibtisch, die symbolisiert: "Ich will in Ruhe arbeiten." Wichtig ist, dass Kollegen die Zeichen deuten können.

Wenn das Parfüm der Chefin nervt

Eine meiner Kundinnen litt entsetzlich unter einem Parfüm der Chefin, weil es sie an eine traumatische Situation erinnerte. Das alles gehört aufgeschrieben. Danach gilt es, kreative Ideen zu entwickeln, die alle Bedürfnisse berücksichtigen.

Auch das funktioniert im Brainwriting oft besser als im offenen Austausch: Jeder schreibt Lösungen auf und danach erst werden sie diskutiert. Vielleicht lassen sich Einzelbüros einrichten, in die man sich zurückziehen kann? Ist ein Arbeitsplatztausch denkbar? Helfen Sitzsäcke oder Stehtische?

Fitnessfreunde bringen ihre eigene Yogamatte mit zum Training. Warum nicht auch eine mobile Stellwand ins Büro schleppen? Einer muss ja den Anfang machen, dann ziehen andere nach.

Menschen gewöhnen sich schnell an beengte Verhältnisse und andere schlechte Arbeitsbedingungen. Irgendwann nehmen sie nicht mehr wahr, wo sie da eigentlich arbeiten. Das ist ein bekannter Effekt namens "erlernte Hilflosigkeit". Obwohl man sich befreien könnte, verweilt man in der "Käfighaltung".

Doch da Sie gerade erst umgezogen sind, Claudia, haben Sie es noch in der Hand, einem Gewöhnungseffekt entgegenzuwirken. Packen Sie es an.

insgesamt 30 Beiträge
fatherted98 18.09.2018
1. Regeln...
...einfach Regeln beachten....gegessen wird draußen....Lautstärke ist zu senken......Parfüm ist nur in Maßen erlaubt.....gewaschen werden muss sich vor Arbeitsantritt....ist eigentlich ganz einfach....
...einfach Regeln beachten....gegessen wird draußen....Lautstärke ist zu senken......Parfüm ist nur in Maßen erlaubt.....gewaschen werden muss sich vor Arbeitsantritt....ist eigentlich ganz einfach....
chb_74 18.09.2018
2. Abhilfe ist recht einfach
Die beschriebenen Lösungen klingen wieder ganz toll, so richtige Beraterkonzepte. Die Realität ist in Unternehmen: ein solcher Umbau hat viel Geld gekostet und wurde von "ganz oben", ggf. sogar einer Konzernmutter, [...]
Die beschriebenen Lösungen klingen wieder ganz toll, so richtige Beraterkonzepte. Die Realität ist in Unternehmen: ein solcher Umbau hat viel Geld gekostet und wurde von "ganz oben", ggf. sogar einer Konzernmutter, durchgedrückt, weil dort Leute dafür bezahlt werden, solchen Trends hinterherzulaufen (im Glauben, man sei jetzt "modern"). Da wird hinterher nichts meh geändert, ausser im Fall der Verletzung der Arbeitsplatzrichtlinie. Es gibt also in der Praxis meist genau 2 Möglichkeiten: 1. Ertragen oder 2. Kündigen.
biber01 18.09.2018
3. Grossraumbüros
sind echt stressig. Muss seit einigen Jahren in einem arbeiten. 60 Plätze in Reihen. 30 Leute fragen eine Hotline ab, die andere Hälfte führt eher selten Kundengespräche. Bin glücklicherweise nicht in der Hotlinegruppe. [...]
sind echt stressig. Muss seit einigen Jahren in einem arbeiten. 60 Plätze in Reihen. 30 Leute fragen eine Hotline ab, die andere Hälfte führt eher selten Kundengespräche. Bin glücklicherweise nicht in der Hotlinegruppe. Trotzden sehr anstrengend u. nervig in dieser Halle.
ulrics 18.09.2018
4. Gefährdungsbeurteilung Psychische Belastung
Das ist Stichwort, was Großraumalbträume von vornherein verhindert.
Das ist Stichwort, was Großraumalbträume von vornherein verhindert.
Walther Kempinski 18.09.2018
5. Lachflash
Und was macht man mit einem Mitarbeiter der so laut lacht, dass die Wände wackeln? Man kann niemandem das Lachen verbieten. Und die ewige Frage, wer die Gewalt über die Klimaanlage hat. Jemand der leicht friert oder jemand der [...]
Und was macht man mit einem Mitarbeiter der so laut lacht, dass die Wände wackeln? Man kann niemandem das Lachen verbieten. Und die ewige Frage, wer die Gewalt über die Klimaanlage hat. Jemand der leicht friert oder jemand der leicht schwitzt. Und das Krankheitsrisiko neben dem Lärm steigt zudem auch Großraumbüro ist Murks und dient nur dazu Kosten zu sparen.

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