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KarriereSPIEGEL

Trend auf dem Wohnungsmarkt

Die Hausmeister sind zurück

Lange wurden sie weggespart, nun holen Wohnungsunternehmen sie zurück: Hausmeister wie Jens Krüger sehen wieder öfter nach dem Rechten. Auf Kontrollgang mit einem Berliner.

DPA

Jens Krüger arbeitet als Hausmeister in Prenzlauer Berg

Freitag, 06.04.2018   17:19 Uhr

Der Montag ist für Jens Krüger oft für die Tonne. "Wochenende ist Ikea-Zeit, Montag geht es dann los", sagt Krüger, Hausmeister in Berlin-Prenzlauer Berg. Er findet auf seiner Tour montags ausrangierte Möbel, wo sie nicht hingehören: an den Eingängen der Wohnblöcke, an den Müllplätzen dazwischen.

Hausmeister - das klingt ein wenig veraltet, nach letztem Jahrhundert. Und in gewisser Weise kehren viele Wohnungsunternehmen genau dorthin gerade zurück. Jahrelang wurden Hausmeisterstellen wegrationalisiert. Nun sind sie wieder gefragt. Denn den Mietern fehlte oft jemand, der regelmäßig nach dem Rechten sieht.

Genau das tut nun Jens Krüger. Sein Tag läuft jeden Tag nach Plan. Er marschiert sein Revier entlang: die Gubitzstraße runter, weiter über die Sodke-, Trachtenbrodt- und Sültstraße. Für 750 Wohnungen in beigen Wohnblöcken aus den Zwanzigerjahren ist er zuständig, eine Bauhaus-inspirierte Siedlung der Berliner Moderne mit roten, gelben und blauen Fensterrahmen. Seit zehn Jahren zählt sie zum Unesco-Weltkulturerbe.

Unterwegs in Sicherheitsschuhen

In jedem Aufgang schaut der Hausmeister einmal pro Woche vorbei, steigt in Sicherheitsschuhen das ockergetünchte Treppenhaus empor, schlendert auf seinem Kontrollgang über den niedrigen Dachboden, vorbei an der Wäsche der Mieter, um im nächsten Treppenhaus wieder hinabzusteigen. Ein Blick auf den Boden unter den Heizungsrohren: "Keine Pfützen, alles dicht."

Was zu tun ist, ergibt sich aus der Situation: Ein neues Licht im Hausflur einsetzen, Türschließer einstellen, Schlösser austauschen. "Was er selber machen kann, macht er selber", sagt Krüger über Krüger, der mal Installateur gelernt hat. Ist Größeres zu reparieren, zieht der 55-Jährige aus der Seitentasche seiner dunklen Arbeitshose ein Tablet, tippt sich mit dem Gummistift durch ein Menü und meldet den Schaden direkt einer Firma.

Die einst landeseigenen Häuser, die Krüger betreut, gehören heute der Deutschen Wohnen, dem mit 160.000 Wohnungen zweitgrößten Anbieter in Deutschland. 100.000 davon liegen in Berlin, was das börsennotierte Unternehmen zum größten Vermieter der Hauptstadt macht - und zum Ziel von Kritik im angespannten Wohnungsmarkt. Immer wieder wird der Konzern wegen Mieterhöhungen angegriffen. Auch mit seinem juristischen Kampf gegen den Mietspiegel macht er sich wenig Freunde in den Häusern.

Vom Sperrmüll bis zur klemmenden Tür

Einem Mieterwunsch jedoch kommt die Deutsche Wohnen nach: Seit dem vorvergangenen Jahr baut das Unternehmen den eigenen Hausmeisterservice wieder aus. 180 Kollegen wurden bereits eingestellt. Ende dieses Jahres sollen alle Wohnanlagen wieder einen eigenen Hausmeister haben.

"Die Mieter haben gesagt: Wir wollen unsere Hausmeister wieder", berichtet Deutsche Wohnen-Sprecher Marko Rosteck. Eine Umfrage unter den Bewohnern habe ergeben: Die Ursache für Ärger liege fast immer vor Ort - vom Sperrmüll bis zur klemmenden Tür. Die Konzerntochter Facilita sorgt deshalb für die Rückkehr der Hausmeister.

Nicht nur in Berlin zeichnet sich dieser Trend ab. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen spricht von einem bundesweiten Phänomen. "Viele Unternehmen sagen: Es ist für uns wichtig zu hören, was im Quartier passiert", erklärt Sprecherin Katharina Burkardt. "Der Hausmeister wird für sie wieder ein bisschen zum Sensor."

Sozialer Hausmeister als Vertrauensperson

Die TAG Immobilien AG - mit mehr als 80.000 Wohnungen sechstgrößter Vermieter in Deutschland - hat ebenfalls die Zahl der Hausmeister aufgestockt, zunehmend mit eigenem Personal, weil das die Kosten senke. Auch kommunale Vermieter wie etwa die Berliner Gesobau haben die Rückkehr der Hausmeister verkündet. Und die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft führte gar den "sozialen Hausmeister" als Vertrauensperson und Helfer ein, ein Pilotprojekt mit Förderung vom Land Sachsen.

So weit geht es bei Jens Krüger im Prenzlauer Berg nicht, auch wenn er "seine Mieter" mittlerweile ziemlich gut kennt und viel von ihnen erzählen kann: Zum Beispiel von der Hauseingangstür, die ab 22.00 Uhr zu verriegeln ist. "Die Älteren, die DDR-Mieter, die schließen schon ab. Aber die Jüngeren - die treten die Tür ein, weil sie das Schlüsselloch nicht finden." Zu ihm selbst seien sie aber in der Regel nett, die Älteren und die Jüngeren freuen sich offenbar über ihren Hausmeister Jens Krüger.

Video: Ein Mann für alle Fälle - Hausmeister in Köln

Foto: SPIEGEL TV

Von Burkhard Fraune/dpa/mae

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