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KarriereSPIEGEL

Rat vom Jobcoach

Ich werde bei der Beförderung übergangen

Immer fleißig, immer Top-Leistung - trotzdem geht die Karriere nicht voran. Florian grübelt, was er falsch macht. Der Jobcoach stellt ihm erst mal eine ganz grundsätzliche Frage.

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Angestellter im Büro

Eine Kolumne von
Donnerstag, 23.11.2017   12:26 Uhr

Florian, 36, fragt:

Ich arbeite seit neun Jahren bei einem Konsumgüterhersteller in der Marktforschung. Aufgrund meiner sehr guten Kenntnisse der Methoden und des Lebensmittelmarktes wurden mir in den vergangenen Jahren viele wichtige Projekte übertragen. Meine Leistungen wurden fast immer als überdurchschnittlich beurteilt. Darum kann ich mir nicht erklären, weshalb ich bereits zweimal bei der Besetzung einer Teamleiter-Stelle übergangen wurde. Jetzt wurde mir ein jüngerer Kollege aus einer anderen Marketingabteilung vorgezogen, der viel weniger Fachkompetenz besitzt als ich. Was läuft hier falsch, und wie kann ich mich besser verkaufen?

Hallo Florian,

so wie Sie Ihre Situation beschreiben, erscheinen Sie sehr aufgabenorientiert. Erlauben Sie mir die Frage: Warum wollen Sie eine Führungsrolle übernehmen? Viele Führungskräfte streben Status, Gehalt und Privilegien an und übersehen dabei, dass sich ihre Aufgaben stark verändern. Überprüfen Sie Ihre Motive. Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Sie täglich Mitarbeitergespräche führen, Meetings leiten und die unvermeidlichen administrativen Dinge erledigen müssten.

Im zweiten Schritt beobachten Sie sich in den kommenden Wochen selbst. Auf diese Weise können Sie die Gründe für Ihre ausbleibende Beförderung erforschen. Unterscheiden Sie dabei zwischen gegenwärtiger Leistung und Potenzial für Führungsaufgaben. Überdurchschnittliche Leistungen befähigen nicht automatisch zu Führung.

An zukünftige Führungskräfte werden vor allem überfachliche Anforderungen gestellt. Ich möchte davon nur einige wenige Aspekte hervorheben, die Sie für sich reflektieren können. Denn vielleicht senden Sie die falschen Signale aus.

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Doch nehmen wir einmal an, Sie verfügen über den Willen und das Potenzial zur Führung. Dann müssen Sie sich offensichtlich besser verkaufen, damit Sie nicht übersehen werden - und zwar bereits vor der nächsten Bewerbung auf eine freie Stelle. Setzen Sie sich aktiv in Szene. Sie können verschiedene Möglichkeiten nutzen, um sich in eine informelle Führungsrolle zu begeben.

Am Anfang wird dies vielleicht ungewohnt für Sie sein. Mit etwas Übung fühlt es sich dann ganz natürlich an, und Ihr Umfeld wird Sie als informellen Führer anerkennen.

Sie sollten Ihre Ambitionen auch im Jahresgespräch mit Ihrem Vorgesetzten thematisieren. Vereinbaren Sie mit ihm einen Entwicklungsplan, der Sie auf eine Führungsaufgabe vorbereitet. Sie könnten zum Beispiel die Auszubildenden betreuen. Das bietet eine gute Möglichkeit, das Delegieren, Einarbeiten und Feedback geben zu üben.

Oder Sie überlegen sich zukunftsträchtige Themen für Hochschulpraktikanten oder Werkstudenten, die direkt von Ihnen geführt werden. Dafür gibt es meistens nur geringe bürokratische Hürden, und Sie können sich als Führungskraft beweisen.

Suchen Sie auch hin und wieder den Kontakt zum Bereichsleiter und berichten ihm von Ihren Ideen und kleinen Erfolgen in der informellen Führung. Daraus erkennt er Ihren Führungsanspruch und Ihre Fähigkeiten.

Ganz wichtig: Bleiben Sie jederzeit loyal zu Ihrem direkten Vorgesetzten. Dieser darf nicht das Gefühl bekommen, Sie würden seine Rolle anzweifeln oder ihn hinter seinem Rücken in seiner Position gefährden. Machen Sie ihm auch deutlich, wie Ihre Aktivitäten ihm nutzen. Nur so wird er Sie unterstützen.

Zum Autor

insgesamt 10 Beiträge
namachschon 23.11.2017
1. Niedlich...
wieder so ein Beitrag aus der Abteilung: wie kann ich noch schneller im Hamsterrad laufen. Die meisten Beförderungen passieren doch nicht wegen Leistung im Betrieb, sondern wegen "Vitamin B, Sympathie, buckeln, schleimen, [...]
wieder so ein Beitrag aus der Abteilung: wie kann ich noch schneller im Hamsterrad laufen. Die meisten Beförderungen passieren doch nicht wegen Leistung im Betrieb, sondern wegen "Vitamin B, Sympathie, buckeln, schleimen, sich und seine Überzeugungen verkaufen". Wer nach 9 Jahren nicht weitergekommen ist, sollte schleunigst kündigen. Nur Mut.
felidae1970 23.11.2017
2. Karriere?
Wozu? Sinnlos vergeudete Lebenszeit. Nein danke.
Wozu? Sinnlos vergeudete Lebenszeit. Nein danke.
waldi.ede 23.11.2017
3. Grundlegendes
Wie so häufig werden oftmals vorliegende essentielle zwischenmenschliche Probleme ausgeblendet: Körpergeruch, Mundgeruch, allgemeine Ungepflegtheit, schlechte Manieren.... Immer ein schwieriges Kapitel unter Kollegen
Wie so häufig werden oftmals vorliegende essentielle zwischenmenschliche Probleme ausgeblendet: Körpergeruch, Mundgeruch, allgemeine Ungepflegtheit, schlechte Manieren.... Immer ein schwieriges Kapitel unter Kollegen
coyote38 23.11.2017
4. Nur eine einzige Frage notwendig ....
"Florian" ist ein Mann, oder ...? Damit erfüllt er heute das WESENTLICHE und schlussendlich ausschlaggebende Kriterium für besondere Förderungswürdigkeit leider nicht.
"Florian" ist ein Mann, oder ...? Damit erfüllt er heute das WESENTLICHE und schlussendlich ausschlaggebende Kriterium für besondere Förderungswürdigkeit leider nicht.
3daniel 23.11.2017
5. Die Frage sollte sich jeder stellen
"Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Sie täglich Mitarbeitergespräche führen, Meetings leiten und die unvermeidlichen administrativen Dinge erledigen müssten." Habe ich auch Jahrelang gemacht und es gehasst. Im [...]
"Stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn Sie täglich Mitarbeitergespräche führen, Meetings leiten und die unvermeidlichen administrativen Dinge erledigen müssten." Habe ich auch Jahrelang gemacht und es gehasst. Im mittleren Management hat man einfach keine Chance. Der böse Satz "Man muss die MA so über den Tisch ziehen das sie die dabei entstehende Reibungswärme als Nestwärme empfunden wird" hat leider leider seine Berechtigung. Habe jetzt meinen Aufgabenbereich, bringe Umsatz für die Firma, verdiene überdurchschnittlich gut und habe keine Mitarbeiter mehr. Ich könnte glücklicher nicht sein!

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