Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Studie zur Jobsuche

Diese Bewerber finden Personalchefs am besten

Sie sind Muslim und haben einen albanischen Namen? Dann werden Sie von Personalchefs nur selten zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Kandidaten aus vier Ländern haben die besten Chancen.

dpa

Bewerbung und Lebenslauf

Mittwoch, 06.06.2018   16:09 Uhr

Deutscher Staatsbürger, 1992 geboren und im deutschen Bildungssystem großgeworden - das waren die Gemeinsamkeiten aller Bewerber. Die Unterschiede lagen im Namen und im Herkunftsland der Eltern. Und diese Unterschiede wirkten sich massiv auf die Jobchancen aus. Das zeigt eine neue Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Die Forscher haben darin die Rückmeldungen auf fiktive Bewerbungen von Menschen mit verschiedenen Migrationshintergründen untersucht.

Bewerber mit albanischen Wurzeln werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt demnach am stärksten diskriminiert - wer einen spanischen Namen hat, wird dagegen sogar deutlich bevorzugt. Für den Feldversuch hatte das Forscherteam rund 6000 Bewerbungen für acht Ausbildungsberufe wie Koch, Mechaniker oder Industriekaufmann verschickt und die Antworten - oder das Schweigen - der Personalabteilungen ausgewertet.

Dabei wechselten die Forscher Merkmale wie das Herkunftsland der Eltern, das Aussehen und die Religionszugehörigkeit. Während von den Bewerbern ohne Migrationshintergrund 60 Prozent positive Rückmeldungen erhielten, waren es bei Bewerbern mit Migrationshintergrund nur 51 Prozent - bei gleicher Qualifikation.

Die wichtigsten Ergebnisse:

Mit einem Ergebnis hatten die Forscher jedoch nicht gerechnet: Die spanischstämmigen Bewerber, die sie Alvaro oder Alma Martínez getauft hatten, erhielten mit 73 Prozent positiven Rückmeldungen deutlich mehr als die deutschstämmigen. Sie waren damit Spitzenreiter vor Bewerbern mit Wurzeln in Japan, Polen und der Schweiz, die ebenfalls alle positiv diskriminiert wurden. Deutschland kam auf Platz fünf.

Details zur Studie

Welche Daten wurden ausgewertet?
Die Forscher haben in Deutschland übliche Bewerbungen verschickt. Diese beinhalteten neben dem Motivationsschreiben und dem Lebenslauf mit Foto auch Kopien der Ausbildungs- und Schulabschlusszeugnisse. Alle Bewerber waren laut ihrem Lebenslauf 1992 in Deutschland geboren worden, deutsche Staatsbürger und hatten ihren gesamten Bildungsweg in Deutschland durchlaufen. Für die Studie wurden die Reaktionen auf diese Bewerbungen ausgewertet.
Ist die Befragung repräsentativ?
Ja, die Zahl der verschickten Bewerbungen (5819) liefert eine repräsentative Datenbasis für die untersuchten acht Ausbildungsberufe. Alle Stellenausschreibungen wurden der Webseite der Bundesagentur für Arbeit entnommen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Forscher haben zwischen 2014 und 2016 fiktive Bewerbungsschreiben auf reale Stellenangebote verschickt. Dabei variierten sie neben dem Herkunftsland der Eltern der Bewerber (Deutschland oder eines von 34 anderen Ländern), ihrem phänotypischem Erscheinungsbild (schwarz, weiß oder asiatisch) und ihrer Religionszugehörigkeit (keine Religion, christlich, muslimisch oder buddhistisch/hinduistisch) auch Merkmale wie das Geschlecht oder den Notendurchschnitt.
Wer hat die Studie erstellt?
Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in der Forschungsabteilung Migration, Integration, Transnationalisierung. Autoren sind Ruud Koopmans, Susanne Veit und Ruta Yemane.

Ihre Ergebnisse erklären die Forscher damit, dass Personalchefs ihre Bewerberauswahl weniger auf Leistungsunterschiede stützen, sondern eher auf Kultur und Werte, die sie mit bestimmten Ländern verbinden. "Bewerber mit Migrationshintergrund werden nur dann benachteiligt, wenn die Werte der Menschen im Herkunftsland stark von denen der Deutschen abweichen." Bewerber, die aus Ländern mit Werten stammen, die den deutschen Durchschnittswerten ähnlich sind, würden dagegen kaum diskriminiert.

"Unsere Befunde zeigen, dass es vor allem die kulturelle Dimension der Einwanderung ist, die Ungleichheiten erzeugt", erklärten die Autoren Ruud Koopmans, Susanne Veit und Ruta Yemane. "Insbesondere in Zeiten des demografischen Wandels, in denen Unternehmen händeringend nach Fachkräften und Auszubildenden suchen, sollte es aber im Interesse aller sein, das Potenzial an qualifizierten Bewerbern in Deutschland voll auszuschöpfen und allen Menschen eine faire Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben - unabhängig davon, welchen Namen sie tragen und ob ihre Eltern einst aus einem anderen Land zugewandert sind."

him/AFP/dpa

insgesamt 48 Beiträge
insert Randomname here 06.06.2018
1. Spanien
ich rate mal, dass die Spanier sehr bevorzugt wurden, weil sie durch ihre hohe Jugendarbeitslosigkeit im Heimatland auch verdammt niedrig in den Lohnverhandlungen rein gehen. Klar steht der Personaler da drauf. Was mir [...]
ich rate mal, dass die Spanier sehr bevorzugt wurden, weil sie durch ihre hohe Jugendarbeitslosigkeit im Heimatland auch verdammt niedrig in den Lohnverhandlungen rein gehen. Klar steht der Personaler da drauf. Was mir desweiteren aufgefallen ist, sehe ich kaum Akademiker muslimischer Abstammung, meist nur Leute mit einfacher Berufsausbildung am Band.
Jan90 06.06.2018
2. klischeehafte Berufe
Diese Studie kann keine Aussage über die geschlechterrolle der einzelnen Berufe machen, da für weibliche Bewerber klischeehafte Frauenberufe, wie Medizinische Fachangestellte, oder für Männer Mechatroniker ausgewählt wurden. [...]
Diese Studie kann keine Aussage über die geschlechterrolle der einzelnen Berufe machen, da für weibliche Bewerber klischeehafte Frauenberufe, wie Medizinische Fachangestellte, oder für Männer Mechatroniker ausgewählt wurden. Es wäre doch interessant zu wissen, wie hoch der Antiel eingeladener Frauen in technischen Berufen ist. Dieser ist vermutlich sehr viel geringer, als der Anteil eingeladener Männer. Durch diese Klischees sind auch die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen zu erklären, da ein Mechatroniker ein höheres Einstiegsgehalt hat als Beispielsweise eine medizinische Fachangestellte.
zeichenkette 06.06.2018
3. Wie war das mit den Fotos?
Wenn die nicht zufällig durchrotiert wurden (was bei verschiedenen Nationalitäten schwierig sein dürfte), weiß man nicht, ob nicht die Fotos der Bewerber schon den Unterschied gemacht haben. Zumindest eine Parallelstudie, bei [...]
Wenn die nicht zufällig durchrotiert wurden (was bei verschiedenen Nationalitäten schwierig sein dürfte), weiß man nicht, ob nicht die Fotos der Bewerber schon den Unterschied gemacht haben. Zumindest eine Parallelstudie, bei denen die ansonsten gleichen Bewerbungen mit verschiedenen Fotos durchprobiert wurden, wäre da erhellend...
Wipers 06.06.2018
4.
1. Albanien liegt auch in Europa. 2. Albanien ist weder ein afrikanisches noch ein muslimisches Land. Die Ergebnisse der Erhebung mögen ja richtig sein, die Aufbereitung im Artikel sicherlich nicht.
1. Albanien liegt auch in Europa. 2. Albanien ist weder ein afrikanisches noch ein muslimisches Land. Die Ergebnisse der Erhebung mögen ja richtig sein, die Aufbereitung im Artikel sicherlich nicht.
cobaea 06.06.2018
5. falsch geraten
Was Sie hier raten, hat mit der Studie nichts zu tun. 1. Alle BewerberInnen gaben an, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Da fällt wohl die Jugendarbeitslosigkeit im Herkunftsland der Eltern, in dem die [...]
Zitat von insert Randomname hereich rate mal, dass die Spanier sehr bevorzugt wurden, weil sie durch ihre hohe Jugendarbeitslosigkeit im Heimatland auch verdammt niedrig in den Lohnverhandlungen rein gehen. Klar steht der Personaler da drauf. Was mir desweiteren aufgefallen ist, sehe ich kaum Akademiker muslimischer Abstammung, meist nur Leute mit einfacher Berufsausbildung am Band.
Was Sie hier raten, hat mit der Studie nichts zu tun. 1. Alle BewerberInnen gaben an, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Da fällt wohl die Jugendarbeitslosigkeit im Herkunftsland der Eltern, in dem die BewerberInnen aber nie lebten bzw. leben, ja kaum eine Rolle. 2. Die Bewerbungen unterschieden sich nicht hinsichtlich der Aussagen zum Job/zur Bewerbung - nur hinsichtlich der Herkunft und des Aussehend der BewerberInnen. Also nix mit geringeren Lohnvorstellungen. 3. Die Studie kann nichts zu Akademikern sagen, weil sich die Bewerbungen auf nicht akademische Berufe beschränkten.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP