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KarriereSPIEGEL

Rat vom Jobcoach

Mann oder Frau - wessen Karriere ist wichtiger?

Ein Paar, ein Kleinkind, ein Problem: Sie will nach der Elternzeit wieder einsteigen, er hat inzwischen ein lukratives Jobangebot in einer anderen Stadt erhalten. Und nun?

Getty Images

Paar (Symbolbild)

Von
Donnerstag, 04.10.2018   10:12 Uhr

Das Problem:

Tanja und Daniel sind seit zwei Jahren verheiratet und Eltern eines einjährigen Sohnes. Sie will jetzt wieder in den Beruf einsteigen, er will seinen Job wechseln. Nun hat er ein Angebot als Geschäftsführer in einer Kleinstadt in Bayern bekommen. Und sie ein Angebot für den Wiedereinstieg im Vertrieb eines neuen Arbeitgebers in Düsseldorf. Sie wollen wissen: Wohin soll es gehen? Und: Wer hat Vorrang?

Zur Autorin

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Im Berufsleben hinken leider noch immer viele Frauen den Männern hinterher: Die Gehälter entwickeln sich bei ihnen nur so lange gleich, bis Kinder kommen. Danach geraten Frauen fast immer ins Hintertreffen. Auch ins Topmanagement gelangen sie nur selten.

Damit wollen sich viele der jetzt 30- bis 40-jährigen Männer und Frauen zwar nicht abfinden. Und doch sind es am Ende fast immer die Männer, die objektiv die besseren Jobs angeboten bekommen, also die mit dem höheren Gehalt und den Karrierechancen.

Insofern ist Tanjas und Daniels Situation typisch. Und das Naheliegende wäre jetzt, dem Mann zu folgen. Sicher werden das auch die Freunde raten. Daniel kann ja mehr zum Familienunterhalt beitragen. Und überhaupt, diese Karrierechance!

Aber machen wir uns nichts vor: Diese Entscheidung könnte den Anfang vom Ende der partnerschaftlichen Augenhöhe markieren. Schon bald wird Daniels nächste Gehaltsrunde Tanjas nächsten Karriereschritt noch schwieriger machen. So entsteht ein Teufelskreis, in dem die Frau immer weiter ins Hintertreffen gerät.

Was will ein Paar vom Leben?

Wir müssen Karriere daher auch vor diesem Hintergrund neu definieren: Ist vertikaler Aufstieg automatisch auch die größere Chance? Geht es immer um Geld? Was will ein Paar vom Leben?

Ich rate Daniel und Tanja, sich genau zu überlegen, nach welchen Kriterien sie ihre Entscheidung treffen. Sonst folgt man allzu leicht gesellschaftlichen Stereotypen, wie etwas sein soll.

Dafür müssen sie sich zuerst über ihren gemeinsamen Lebensplan unterhalten, denn nur daraus können sie individuelle Kriterien ableiten: Warum tun sie die Dinge, die sie tun? Was sind Optionen, die sie verwirklichen wollen? Was wollen die beiden vom Leben? Nur wenige Paare machen sich über ihre Lebenspläne diese Gedanken, die meisten schieben das weit in die Zukunft. Es könnte ja herauskommen, dass die Vorstellungen gar nicht so gut zueinander passen.

So ein Gespräch bietet aber vor allem die Gelegenheit, einen "Match" herzustellen. Oder aber sich auf Zeitabschnitte zu einigen, in der mal der eine und mal der andere seine beruflichen Wünsche erfüllt. Aus dem Lebensplan oder den Lebensplänen ergeben sich dann jedenfalls die Kriterien, die als Basis dienen für die Entscheidung über den nächsten Schritt.

Allerdings: Bei allen Plänen gibt es natürlich immer auch ein Jetzt. Und das ist sehr pragmatisch und braucht keinen Plan. Die Fragen dazu sind stattdessen sehr einfach: Wie viel oder wenig Kultur, Freizeitaktivitäten, Sport brauchen wir? Da spielt aus meiner Erfahrung der Ort, für den man sich entscheidet, eine entscheidende Rolle.

So schön eine Kleinstadt ist, so gewöhnungsbedürftig ist das Leben dort für Großstädter. Die kulturellen Aktivitäten halten sich in Grenzen. Und: Das beschauliche Landleben wird besonders dann problematisch, wenn es mit dem Verzicht auf eine berufliche Erfüllung einhergeht.

Für die Partnerin mit einem Job, der etwas spezieller an Branchenerfahrungen geknüpft ist, wird es in einer kleineren Stadt oft deutlich schwieriger, einen adäquaten Berufsanschluss zu finden. Schnell findet sich dann in Assistenzpositionen wieder, wer nie dahin wollte.

Tanja und Daniel sollten sich also ein paar ruhige Stunden nehmen, um über ihre Zukunft zu sprechen. Dabei können sie die verschiedenen Szenarien durchspielen und Zustimmung und Widerstand bei jedem "messen". Das geht mit einer einfachen "Bauchfühlskala" von 0-10. Wie sehr stimme ich dem Szenario Düsseldorf zu, und wie stark ist mein Widerstand? Am besten auf einen Zettel malen und vergleichen.

Wo bei beiden die Zustimmung am größten und der Widerstand am geringsten ist, kann es hingehen. Und wenn alles nicht so passend scheint, könnte die Jobsuche ja auch noch etwas weitergehen - nur mit mehr Klarheit im Kopf. Dann ist keine Lösung auch eine.

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insgesamt 56 Beiträge
dr.eldontyrell 04.10.2018
1. Pfft,
wenn ich so etwas schon lesen muss "Diese Entscheidung könnte den Anfang vom Ende der partnerschaftlichen Augenhöhe markieren. Schon bald wird Daniels nächste Gehaltsrunde Tanjas nächsten Karriereschritt noch schwieriger [...]
wenn ich so etwas schon lesen muss "Diese Entscheidung könnte den Anfang vom Ende der partnerschaftlichen Augenhöhe markieren. Schon bald wird Daniels nächste Gehaltsrunde Tanjas nächsten Karriereschritt noch schwieriger machen. So entsteht ein Teufelskreis, in dem die Frau immer weiter ins Hintertreffen gerät." Wer meint, in einer Beziehung im Konkurrenzkampf zu stehen, der sollte seine Gründe eine Beziehung zu führen nochmal überdenken und sich evtl besser trennen. Bei uns kommt es darauf an, was unterm Strich rauskommt. Wer da wie welchen Anteil dran hat ist völlig Schnuppe. Ich war lange Zeit der mit mehr Gehalt, seit 2 Jahren verdient meine Frau mehr, so what? Unterm Strich können wir prima leben und haben genug Zeit für Kinder und Freizeit.
MartinHa 04.10.2018
2. Einfache Lösung
Die Lösung ist doch klar: wenn der Mann so gut ist, dass er eine Geschäftsführerposition in Bayern angeboten bekommt, wird er wohl auch in oder um Düsseldorf herum ein gutes Angebot bekommen. Der Arbeitsmarkt für gute und [...]
Die Lösung ist doch klar: wenn der Mann so gut ist, dass er eine Geschäftsführerposition in Bayern angeboten bekommt, wird er wohl auch in oder um Düsseldorf herum ein gutes Angebot bekommen. Der Arbeitsmarkt für gute und erfahrene Leute ist zur Zeit leergefegt. Daher einfach weitersuchen.
silberstern 04.10.2018
3. Falsche Fragestellungen
Ich denke, die Frage nach der Karriere ist viel zu eng gedacht - liegt vielleicht auch daran, dass der Fall nur konstruiert wurde. Viel spannender ist doch, ob man die örtliche Veränderung überhaupt möchte. Familie, Freunde [...]
Ich denke, die Frage nach der Karriere ist viel zu eng gedacht - liegt vielleicht auch daran, dass der Fall nur konstruiert wurde. Viel spannender ist doch, ob man die örtliche Veränderung überhaupt möchte. Familie, Freunde etc. Eine bayrische Kleinstadt liegt in der Regel nicht weiter als eine Autostunde von einer Großstadt weg. Und so klein kann sie auch nicht sein, wenn es dort nennenswerte Firmenansiedelungen gibt. Ansonsten haben ja beide anscheinend ohnehin Möglichkeiten am Arbeitsmarkt. Wenn man aber nur nach Geld & Karriere geht, dann ist es ganz sicher ein No-Brainer zu sagen, der Geschäftsführerposten geht vor. Die Frau dann in ihrer 08/15 wald- und Wiesen-Vertriebstätigkeit unterzubringen, dürfte in Bayern gar kein Problem sein. Das ganze mit dem Genderblödsinn zu koppeln ist auch sehr bemüht. Bei uns ist die Situation derzeit genau andersherum. Sie hat die Qualifikation für den herausgehobenen Posten, ich komme mit meinen Studienabschlüssen überall unter. Und würde deswegen auch hinter herziehen. Nur geht es in den Diskussionen am wenigsten darum, sondern eher um Lebensqualität und -umfeld, Familienplanung usw. Das Geld ist ohnehin schon ausreichend da...
01099 04.10.2018
4.
Tja, die alte, dumme Biologie zieht die Strippen. Warum nimmt sich die Frau denn wohl ein Exemplar Mann, das alle materiellen Voraussetzungen bietet, um dem Nachwuchs und ihr selbst ein sicheres Dasein zu ermöglichen? Dies ist [...]
Tja, die alte, dumme Biologie zieht die Strippen. Warum nimmt sich die Frau denn wohl ein Exemplar Mann, das alle materiellen Voraussetzungen bietet, um dem Nachwuchs und ihr selbst ein sicheres Dasein zu ermöglichen? Dies ist sein "Wert" auf dem Markt der Partnerschaften, der nach der kalten Logik der Wirtschaft funktioniert und übrigens auch immer schon so funktioniert hat. Ihr "Wert" ist ihre Jugendlichkeit und ihre Fruchtbarkeit. Diesem Mechanismus kann mal leider nicht entgehen, egal wie sehr man sich in romantische Idealvorstellungen flüchtet. Die Frau sollte noch ein paar Jahre durchhalten, damit der Nachwuchs aus dem Gröbsten heraus ist, und sich dann einen Mann suchen, der materiell unter ihr steht und viel Zeit für die Versorgung der Kinder sowie bessere "social skills" mitbringt; dann könnte es funktionieren, muss aber nicht.
erzengel1987 04.10.2018
5. Es ist doch egal oder nicht?
Selbst wenn einer mehr Verdient aber unbedingt die Elternzeit beanspruchen und nutzen möchte, so darf er sie es tun. Solange man sich als gesetzliches Ehepaar darauf einigen kann. Vor allem die meisten Menschen arbeiten doch [...]
Selbst wenn einer mehr Verdient aber unbedingt die Elternzeit beanspruchen und nutzen möchte, so darf er sie es tun. Solange man sich als gesetzliches Ehepaar darauf einigen kann. Vor allem die meisten Menschen arbeiten doch eher in Bereichen, in denen die großen Karrieresprünge wohl nicht stattfinden. Wohin soll eine Bäckerreiverkäuferin befördert werden? Ein Bauarbeiter oder Lokomotivführer. Es gibt soviele Jobs in denen es vielleicht mal eine Gehaltserhöhung gibt aber sonst nichts weiter passiert. Das ist somit wirklich mehr eine Luxusdiskussion und ein Erste Welt Problem. Wer die Karriere über die Bedürfnisse eine Familie stellt, darf nicht die AFD wählen und meckern wir werden von Ausländern überrannt^^. Nein Kinder waren schon immer und sind es immer noch die einzig wahre Zukunft. Der Job dient einfach dazu das Geld für seine Familie zu verdienen. Und wenn es als Schuhverkäufer ist wie bei Al Bundy. Der seine Familie ebenfalls auf eine seine Art und Weise liebt.
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