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Müllfischer auf Mallorca

Planschen ohne Plastik

Damit Urlauber ungestört baden können, sind rund um Mallorca täglich Müllfischer mit 14 Booten unterwegs. In jeder Sommersaison holen sie tonnenweise Unrat aus dem Meer. Dabei geht auch Kurioses ins Netz.

DPA

Müllkutter

Dienstag, 24.07.2018   17:39 Uhr

Vorsichtig fährt Joan Adrover seinen acht Meter langen Kutter bis an den Felsen einer menschenleeren Bucht an Mallorcas Ostküste heran. Er nimmt einen Kescher in die Hand und steigt ins Wasser. Mit einer geschickten Bewegung fischt er einen Plastikkanister zwischen den Felsen heraus. Dann klettert er wieder auf das mit Gas betriebene Boot und fährt zurück aufs offene Meer.

Adrover, 54, ist Müllfischer. Von Anfang Mai bis Ende September fahren er und seine Kollegen jeden Tag mit 14 Booten auf das Meer rund um die Baleareninsel, um das Wasser an Stränden und Buchten von Abfall zu befreien.

Jährlich werden weltweit etwa 300 Millionen Tonnen Plastik produziert - acht Millionen davon landen im Meer. In Deutschland wird im EU-Vergleich pro Kopf sehr viel Müll produziert.

Auf Mallorca haben Adrover und Kollegen in den ersten zwei Monaten dieser Sommersaison mehr als sieben Tonnen Unrat aus dem Wasser geholt, wie das örtliche Umweltministerium mitteilte. 2017 wurden allein im Juli vor Mallorca neun Tonnen Müll gefischt.

Gut 40 Prozent davon ist Plastik, Holz macht 35 Prozent aus. Aber die Müllfischer bekommen auch andere Aufgaben zugeteilt wenn nötig. So etwa im Mai, als Exemplare der giftigen Portugiesischen Galeere vor Mallorca gesichtet wurden - und sie damit beauftragt wurden, die Quallen aus dem Wasser zu holen.

Vom Kühlschrank zum Wal-Skelett

Adrover macht den Job schon seit 14 Jahren. "Hauptsächlich geht es darum, den Urlaubern sauberes Wasser zu bieten", sagt der Bootsführer. Etwa 25 Kilometer lang ist sein Küstenabschnitt zwischen der Cala Romantica und Costa dels Pins im Osten der Insel. Dabei kommen auch mal Kuriositäten an die Oberfläche.

"Das Makaberste war sicherlich ein Menschenbein, das knapp unter dem Knie abgehackt war und noch in einem Schuh steckte." Das war vor zwei Jahren. Adrover informierte die Polizei. Auch ein Motorrad, Teile des Skeletts eines Pottwals oder ein aus Kroatien stammender Kühlschrank waren unter den abstruseren Fundstücken.

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Im Kutter auf Müll-Streife: Er hält Mallorcas Buchten sauber

Anders als man zunächst denken mag, sind es jedoch nicht die Urlauber auf der bei Deutschen und Briten beliebten Insel, die den meisten Müll ins Meer spülen. "Der Großteil der Abfälle kommt aus Nordafrika", sagt der Meeressäuberer. Am schlimmsten sei es, wenn zwei, drei Tage lang der Xaloc (ausgesprochen: Schallock), der Südostwind, wehe.

"Dann kommt der ganze Müll aus Algerien", erzählt der Mann, während er eine weiße Tüte aus dem Wasser fischt. "Hier kann man die Schrift nicht mehr lesen, weil sie schon länger im Wasser ist - aber das ist eine algerische Milchtüte." Jedes Jahr hole er davon 3000 bis 4000 Stück aus dem Wasser.

Auch an Land wird Mallorca kräftig gereinigt. Seit März putzen 40 bislang langzeitarbeitslose Menschen die Küste im Auftrag der Balearen-Regierung. Mehr als 23 Tonnen Abfall sind bis Mitte Juni zusammengekommen.

Neue EU-Richtlinie soll Abfall verringern

Die größte Veränderung in der Müllpolitik könnte aber mit der neuen Abfallrichtlinie der EU eintreten, die im Herbst verabschiedet werden soll. Darin wird festgelegt, dass bis 2020 unter anderem Kaffeekapseln, Plastiktüten oder Einweggeschirr biologisch abbaubar sein müssen. Die Hotels sollen statt Plastikflaschen kostenloses Wasser aus Getränkespendern anbieten.


Video: Plastikmüll im Meer - so könnten unsere Ozeane gereinigt werden

Foto: You Tube/ Seabin

Um zehn Prozent will die Regierung so das Müllaufkommen in den kommenden zwei Jahren senken. "Sollten die im Gesetz festgelegten Ziele nicht erreicht werden, wird zudem ein Pfandsystem eingeführt", heißt es aus dem Umweltressort.

Hotels reagieren: Ballermann ohne Strohhalme?

Einige Hotels kommen dem Gesetz zuvor. Die mallorquinische Melia-Gruppe etwa will nicht nur auf der Insel, sondern weltweit auf Einwegplastik verzichten. "Stattdessen bieten wir Wasserspender und Gläser oder Karaffen an. Die Strohhalme sind aus Pappe, werden aber nur auf ausdrücklichen Wunsch des Gastes herausgegeben", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. "Bis Jahresende werden wir alle Plastikreserven aufbrauchen und durch umweltfreundliche Alternativen ersetzen."

Auch die Cursach-Hotelgruppe hat im BH-Hotelkomplex in der Touristenhochburg Magaluf bereits Strohhalme ersatzlos gestrichen. 1,7 Millionen Stück will das Unternehmen jährlich einsparen. Im Partytempel Megapark am Ballermann, der ebenfalls zu der Gruppe gehört, gehe man diesen Schritt noch nicht, so ein Sprecher - aber es werde nach umweltfreundlichen Alternativen gesucht.

Adrover fährt derweil weiter die Küste ab. Fast immer allein, nur das Handy verbindet ihn mit dem Festland. Der Müllfischer liebt seine Arbeit: "Ich hab hier meine Ruhe, und meine Kinder sind stolz, weil Papa das Meer sauber macht."

lie/dpa/Patrick Schirmer Sastre

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