Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Urteil

Firmenfeier darf "Bauernhofolympiade" heißen

Heugabelwerfen und Wettsägen: Das bringt Mitarbeiter näher zusammen. Doch darf das Event Olympiade heißen? Sportfunktionäre fürchten um den guten Ruf der Olympischen Spiele und klagten.

DPA

Olympische Flagge

Donnerstag, 07.12.2017   16:53 Uhr

Posse um Büroparty: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat gegen eine Eventfirma geklagt, die Firmenfeiern unter dem Namen "Bauernhofolympiade" vermarktet. Die Begründung: Die Veranstaltung nutze unerlaubt den Ruf der Olympischen Spiele für sich. Dies sei ein Verstoß gegen das Olympiaschutzgesetz. Das Münchner Oberlandesgericht hat die Klage nun in einer Berufungsverhandlung zurückgewiesen (Aktenzeichen 29 U 2233/17).

Der DOSB vertritt das Internationale Olympische Komitee in Deutschland und vermarktet Sponsoringrechte an den Olympischen Spielen. Er ist gegenüber den Lizenznehmern verpflichtet, gegen ungenehmigte Nutzungen vorzugehen. Deshalb hatte er auch die Münchner Firma wegen ihrer "Bauernhofolympiade" abgemahnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei der "Bauernhofolympiade" treten Mitarbeiter in Disziplinen wie Heugabelwerfen, Wettsägen und Traktorparcours gegeneinander an. Das soll die Teilnehmer motivieren und den Zusammenhalt stärken.

Die Firma betreibe eine "Rufausbeutung", weil sie ihre Veranstaltungen als so gut organisiert wie die Olympischen Spiele darstelle, argumentiert dagegen der DOSB. Zudem moniert er, dass das Unternehmen Lizenzen für die "Bauernhofolympiade" an andere Veranstalter verkauft. Eine direkte Verwechslungsgefahr mit den Sommer- oder Winterspielen besteht jedoch auch nach Ansicht des Sportbunds nicht.

"Olympia" gehört zum allgemeinen Sprachgebrauch

Das aktuelle Urteil ist bereits das zweite in dem Fall. Zuvor hatte der DOSB Berufung gegen eine Entscheidung des Münchner Landgerichts vom Mai eingelegt. Deshalb ging der Fall an die nächste Instanz. Doch die Richter des Oberlandesgerichts wiesen den Berufungsantrag zurück.

"Das Hervorrufen bloßer Assoziationen zu den Olympischen Spielen reicht für ein Verbot nicht aus", sagte der Vorsitzende Richter Andreas Müller. Begriffe wie Olympia gehörten zum allgemeinen Sprachgebrauch. Allein die Bezeichnung genüge nicht, um das Olympiaschutzgesetz zu verletzen. Der Anwalt des Sportbunds kündigte an, eine Revision vor dem Bundesgerichtshof zu prüfen.

Immer wieder kommt es zu ähnlichen Gerichtsverfahren. 2012 hatte beispielsweise das Landgericht München entschieden, dass sich das Deutsche Fernsehballett nicht "DFB Ballett" nennen darf. Die Verwechslungsgefahr mit dem Deutschen Fußballbund sei zu groß.

koe/dpa

Verwandte Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP