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Chef, Amt, Geld

Nebenjob in der Elternzeit - was erlaubt ist und was nicht

Viele wissen es gar nicht: Auch in der Elternzeit darf man arbeiten, sogar für andere Firmen. Man muss allerdings folgende Punkte beachten.

DPA
Von
Dienstag, 30.01.2018   09:44 Uhr

Sie haben ein Problem:

Konnte ja keiner ahnen, dass Ihre Elternzeit so gut läuft. Andere Kollegen hatten sie gewarnt: "Mach nicht zu viele Pläne, sonst bist du hinterher enttäuscht, weil so viel liegenbliebt." Aber ihr Kind hat sich ganz schnell in der Kita eingelebt. Eingewöhnung mit Mama? Nach einer Woche haben die Erzieher Sie praktisch nicht mehr gebraucht.

Jetzt haben Sie das Angebot eines Schulfreundes: Er möchte die Webseite seines Handwerksbetriebs überarbeiten lassen, die Sie ihm vor Jahren eingerichtet haben. Ein netter Job - und Sie haben Zeit.

Aber: Damals, als Sie die Webseite konzipiert haben, waren Sie noch Freiberuflerin. Jetzt sind Sie Angestellte in Elternzeit, Ihre Firma betreut die Netzauftritte großer Konzerne. Deshalb stellen Sie sich die Frage, ob Sie das Angebot des Schulfreundes überhaupt annehmen dürfen.

Das könnte helfen:

Eine Genehmigung von Ihrem Chef. Denn ganz grundsätzlich gilt: Nebenjobs in der Elternzeit sind durchaus möglich. Aber die Firma, die Sie normalerweise regelmäßig bezahlt, hat Vorrang. Deswegen ist so ein Nebenjob genehmigungspflichtig.

Die Chancen stehen dabei gar nicht so schlecht, denn ein Arbeitgeber kann nicht einfach aus einem Bauchgefühl heraus den Nebenjob verbieten. Er muss gewichtige betriebliche Gründe benennen, die dagegensprechen. Zum Beispiel kann das ein Interessenkonflikt sein, etwa wenn die andere Firma ein potenzieller Kunde ist.

In diesem konkreten Fall wäre das noch die Frage. Einerseits treten Sie mit dem Job in Konkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber - der könnte so einen Webseiten-Relaunch theoretisch ja auch machen. Andererseits sind es sonst viel größere Kunden, für die Ihre Firma arbeitet. Gut möglich, dass sie solche Kleinaufträge sonst gar nicht annimmt, dann wäre Ihr beruflicher Ausflug unproblematisch.

Das muss man abwarten. Theoretisch kann man so etwas auch vor Gericht klären. Aber bis die Justiz damit fertig ist, ist Ihre Elternzeit schon vorbei. Und ist ein so kleiner Einsatz den Ärger wert?

Das müssen Sie beachten:

Dass Sie den Nebenjob der Elterngeldstelle melden müssen, versteht sich ja von selbst. Und auch die Sozialabgaben sollten Sie klären.

Und sonst so?

Zwischen Zustimmung und Ablehnung gibt es noch eine dritte Variante: Ihr Chef genehmigt zwar nicht den Job bei Ihrem Schulfreund, aber fragt, ob Sie unter diesen Umständen nicht früher aus der Elternzeit zurückkehren können. Tatsächlich hat sein Interesse juristisch gesehen Vorrang. Allerdings müssen Sie so eine Regelung nicht unbedingt schlucken. Legen Sie Ihre Einwände schriftlich dar, etwa, wenn nur der freie Auftrag die zeitliche Flexibilität bietet, die Sie in der Elternzeit brauchen.

Mit Material von dpa

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