Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Osnabrück

Lehrerin scheffelte mit gefälschten Rezepten knapp eine Million Euro

Sie klebte, schnitt - und bastelte sich auf diese Weise gefälschte Rezepte: Eine Lehrerin hat vor dem Osnabrücker Landgericht gestanden, wie sie betrügerisch an ein Vermögen kam.

Getty Images
Von
Mittwoch, 21.11.2018   15:32 Uhr

Jetzt, wo klar ist, wie Gisela O. vorging, klingt alles ganz leicht. Ein Trick. Vor dem Landgericht Osnabrück beschrieb die 66 Jahre alte Frau, was sie tat, um über die Beihilfe an Geld zu kommen, das ihr nicht zustand - insgesamt 903.558 Euro hat sie sich erschummelt.

Während ihrer Zeit als beamtete Realschullehrerin in Osnabrück fälschte sie zwischen 2012 und 2016 Rezepte, wie O. am Mittwoch gestand. Über die vier Jahre hinweg nutzte sie Originale, die sie aufgrund einer chronischen Erkrankung verschrieben bekam, um sie nachzumachen. Dazu hatte sie zunächst den Stempelaufdruck einer Apotheke mithilfe eines Farbkopierers freigestellt und auf ein Blankoblatt kopiert.

Mit Nagelschere bearbeitet

Anschließend hatte Gisela O. die in einer Apotheke niemals vorgelegten Originale bearbeitet: Von den Rezepten hatte sie mit einer Nagelschere Zahlen ausgeschnitten, die sie dann auf andere Rezepte klebte. So entstand der Eindruck, die jeweiligen Medikamente seien nicht wie vorgesehen einmal - sondern bis zu zehnmal verordnet worden.

Per Hand fügte sie Pharmazentralnummern und die Berechnung des Gesamtpreises hinzu. Die gefälschten Rechnungen kopierte sie auf das Blankopapier mit dem Apothekenstempel. Die Kopie sollte aussehen wie eine ärztliche Verordnung mit Quittung der Apotheke. Die Angeklagte reichte die Unterlagen bei der Beihilfestelle in Niedersachsen ein - und kassierte damit Geld, das sie nie hätte bekommen dürfen.

Urteil im Dezember

Vor dem Osnabrücker Landgericht gestand Gisela O., in insgesamt 112 Fällen so vorgegangen zu sein. Das Urteil steht noch aus, es wird Mitte Dezember erwartet.

Warum genau O. immer wieder Rezepte fälschte, sie immer wieder einreichte und dadurch knapp eine Million Euro erwirtschaftete, konnte die Angeklagte beim Prozessauftakt am Mittwoch nicht sagen, so eine Sprecherin des Osnabrücker Landgerichts. O. habe ausgesagt, sie hätte finanziellen Bedarf gehabt und das Geld aus familiären Gründen gebraucht.

Um den entstandenen Schaden zumindest teilweise zu begleichen, wurde Eigentum der Angeklagten bereits im Vorhinein beschlagnahmt. O. hat zugestimmt, dass Schmuck, Porzellan und 60 Designerhandtaschen aus ihrem Besitz nun versteigert werden.

Auch in ihrem Haus kann die 66-Jährige nicht wohnen bleiben: Es wurde bereits verkauft, für 488.000 Euro. Die Summe ging zunächst an die Staatsanwaltschaft. Am Ende des Verfahrens wird zu entscheiden sein, ob es an die Beihilfestelle weitergeleitet wird.

Im Video: Erwischt! - Die peinlichen Folgen von großen Lügen

Foto: SPIEGEL TV
© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP