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Reformationstag

Norddeutschland soll neuen Feiertag bekommen

500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag soll der Reformationstag auch im Norden verankert werden: Die Regierungschefs von Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollen den 31. Oktober zum Feiertag machen.

DPA

Martin-Luther-Denkmal auf dem Marktplatz von Wittenberg (Sachsen-Anhalt)

Donnerstag, 01.02.2018   17:50 Uhr

Gute Nachrichten für Norddeutsche: So wie es aussieht, bekommen sie einen zusätzlichen Feiertag. Der Reformationstag am 31. Oktober soll auch in Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Niedersachsen ein freier Tag werden.

Diese Empfehlung gaben die Ministerpräsidenten der vier Länder auf einer Sondersitzung der Konferenz Norddeutschland (KND) am Donnerstag in Berlin ab, wie ein Sprecher des Hamburger Senats mitteilte. Nun müssen allerdings noch die Landesparlamente zustimmen.

"Mit der Verständigung auf den 31. Oktober sind wir auf dem Weg zu einem gemeinsamen zusätzlichen Feiertag in Norddeutschland einen wichtigen Schritt weitergekommen", sagte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Ziel sei es, den Reformationstag schon in diesem Jahr als einen gemeinsamen neuen Feiertag zu begehen.

In Mecklenburg-Vorpommern ist der 31. Oktober bereits jetzt ein gesetzlicher Feiertag, darüber hinaus auch in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Wegen des Reformationsjubiläums war im vergangenen Jahr der 31. Oktober einmalig ein gesetzlicher Feiertag in allen Bundesländern.

Der Überlieferung nach schlug der Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517, einen Tag vor Allerheiligen, seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Historiker bezweifeln allerdings, dass Luther persönlich zu Hammer und Nagel griff.

13 Feiertage in Bayern, neun in Berlin

Ein Grund für die Initiative der Nordländer sei das Ungleichgewicht mit Blick auf die Anzahl der Feiertage in Nord- und Süddeutschland, erklärte Sieling. Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin haben nur neun Feiertage. Bayern hat hingegen 13 Feiertage, Baden-Württemberg, das Saarland und Brandenburg haben zwölf. Das sorgt seit Jahren immer wieder für Kritik. Die Regelung der Feiertage ist Sache der Bundesländer.

Der Reformationstag wird seit Längerem als eine mögliche Option für einen weiteren Feiertag für den Norden diskutiert, vor allem bei CDU und SPD gibt es dafür Sympathien. Auf der anderen Seite ist das Datum aber heftig umstritten. Unter anderem die Grünen und die Linke favorisieren unterschiedliche nicht-kirchliche Anlässe - etwa den Tag der Befreiung von den Nationalsozialisten am 8. Mai oder den Weltfrauentag am 8. März.

Auch aus der katholischen Kirche und seitens jüdischer Verbände gibt es Kritik am 31. Oktober. Die Wirtschaft ist grundsätzlich skeptisch.

Gemeinsamer Feiertag für Norddeutschland

Die Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag signalisierten am Donnerstag bereits, auch mit dem Reformationstag leben zu können, um eine länderübergreifende Lösung zu erreichen. Eine Mehrheit in der eigenen Fraktion habe sich "für den Fall einer norddeutschen Einigung" dafür ausgesprochen, diese mitzutragen, teilten sie mit. Die Grünen regieren in Kiel gemeinsam mit CDU und FDP, ihr Veto hätte den Prozess daher blockieren können.

Auch die Hamburger CDU und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stimmten zu. Es seien zwar auch andere Feiertage denkbar, aber die Einigung auf den 31. Oktober "können wir akzeptieren", erklärte der Vorsitzende des DGB-Bezirks Nord, Uwe Polkaehn. Wichtig sei, dass es einen gemeinsamen zusätzlichen Feiertag in ganz Norddeutschland geben werde. Es gibt enge Verflechtungen, etwa im Bereich des Arbeitsmarkts. Auch grenzüberschreitende Schulbesuche sind keine Seltenheit.

Unmut äußerte dagegen die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) habe mit seiner Zustimmung zu dem Vorschlag die demokratische Diskussion im Parlament "abgewürgt", hieß es.

Generell ist 2018 freundlich zu Arbeitnehmern: Außergewöhnlich viele bundesweite Feiertage fallen auf einen Werktag - und nicht auf ein Wochenende. Allerdings liegen die meisten Feiertage mitten in der Woche. Für XXL-Wochenenden müssen deshalb Urlaubstage geopfert werden, im Gegenzug gibt es reichlich Gelegenheiten für Kurzurlaube. Wer frei haben will, sollte schnell sein. Brückentage sind heiß begehrt, es können aber meist nicht alle gleichzeitig freimachen. Im Streitfall muss der Chef entscheiden.

lgr/dpa/AFP

insgesamt 160 Beiträge
holzheizer 01.02.2018
1. Feiertagstechnisch befürworte ich Fronleichnam
Reformationstag liegt im kalten Herbst und schiebt sich durch die Woche. Fronleichnam liegt verlässlich auf einem Donnerstag. Deshalb kann Fronleichnam nicht auf das freie Wochenende fallen. Außerdem "produziert" [...]
Reformationstag liegt im kalten Herbst und schiebt sich durch die Woche. Fronleichnam liegt verlässlich auf einem Donnerstag. Deshalb kann Fronleichnam nicht auf das freie Wochenende fallen. Außerdem "produziert" Fronleichnam stets einen garantierten Brückenbau. Fronleichnam scheint die Sonne länger und es ist wärmer.
martin-gott@gmx.de 01.02.2018
2. im Sommer
oder im späten Frühjahr wäre schöner. Ende Oktober ist das Wetter so mies da kann man nicht mehr grillen.
oder im späten Frühjahr wäre schöner. Ende Oktober ist das Wetter so mies da kann man nicht mehr grillen.
Tubus 01.02.2018
3. Blaumacher
Wie kommt man eigentlich auf so eine Schnapsidee? Weil es in Süddeutschland mehr Feiertage gibt? Die zahlen schließlich auch in den Länderfinanzausgleich. Es gibt immer weniger evangelische Christen. Obwohl ich das ablehne, [...]
Wie kommt man eigentlich auf so eine Schnapsidee? Weil es in Süddeutschland mehr Feiertage gibt? Die zahlen schließlich auch in den Länderfinanzausgleich. Es gibt immer weniger evangelische Christen. Obwohl ich das ablehne, hätte ein muslimischer Feiertag noch eine gewisse rationale Begründung gehabt. Aber einfach mal blau machen, warum ist ja egal. Politiker eben.
kas075 01.02.2018
4. weg damit
Warum muss ich an einem Tag, der mich null betrifft, frei machen bzw. meinen Betrieb schliessen? Mein Vorschlag ist seit Jahren: Alle religiösen Feiertage werden gestrichen, diese Tage werden dem gesetzlichen Jahresurlaub [...]
Warum muss ich an einem Tag, der mich null betrifft, frei machen bzw. meinen Betrieb schliessen? Mein Vorschlag ist seit Jahren: Alle religiösen Feiertage werden gestrichen, diese Tage werden dem gesetzlichen Jahresurlaub zugeschlagen. Alle Arbeitnehmer haben ein Recht darauf, diese Tage z.B. an einem Feiertag ihrer Glaubensgemeinschaft zu nehmen oder auch für die nächste Reise aufzusparen.
sucher533 01.02.2018
5. Berlin?
Und im Berliner Senat wird gepennt wenn die anderen Länder in Nord und Ost darüber beraten? Aber Herr Müller hatte bestimmt wieder eine wichtige Besprechung, ob die besetzte Häuser gekauft und an die Besetzer überlassen [...]
Und im Berliner Senat wird gepennt wenn die anderen Länder in Nord und Ost darüber beraten? Aber Herr Müller hatte bestimmt wieder eine wichtige Besprechung, ob die besetzte Häuser gekauft und an die Besetzer überlassen werden oder in welcher Farbe die Radwege gestrichen werden. Die Zielgruppe von Rot-Rot-Gruen hat ja ohnehin jeden Tag arbeitsfrei - wozu also ein weiterer Feiertag?

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