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Sportprüfung im Saarland

Polizisten sollen schneller sprinten als Usain Bolt

Polizisten müssen schnell rennen können, klar. Aber so schnell wie Weltrekordler Usain Bolt? Bei einem Sporttest für angehende Polizisten im Saarland würde selbst er nicht die volle Punktzahl bekommen.

DPA

Usain Bolt

Dienstag, 08.05.2018   17:03 Uhr

Dass Polizisten für Verfolgungsjagden Kondition haben und gut laufen können sollten, ist unbestritten. Dass sie dafür aber schneller sprinten müssen als Superstar Usain Bolt, ist absurd - und trotzdem im Saarland das Ziel.

Ein im September 2016 eingeführter Sport-Studienplan für die Polizeiausbildung sieht vor, dass die volle Punktzahl beim 30-Meter-Sprint nur bei einer Zeit von 3,49 Sekunden erreicht wird. Das bedeutet, dass Sprintstar Usain Bolt bei seinem 2009 in Berlin gelaufenen 100-Meter-Weltrekord auf den ersten 30 Metern mit 3,79 Sekunden bei der Saar-Polizei nur 12 von 15 Punkten bekommen hätte.

Dennis Lander, Landtagsabgeordneter der Linken, wollte nun in einer Anfrage an die Landesregierung wissen, wie viele Polizeianwärter schon auf dem Niveau von Usain Bolt gelaufen sind.

Die Landesregierung erklärte daraufhin, der Studienplan werde geändert. Man habe festgestellt, dass bisher niemand die volle Punktzahl erreicht habe. Als beste Note seien bisher 12 Punkte vergeben worden. Knapp ein Viertel der Läufer hätten aber Punktzahlen zwischen 10 und 12 erhalten.

Die Zeiten seien auch "nicht 1:1" vergleichbar. Die Nachwuchspolizisten könnten wählen, ob sie vom Startblock oder stehend starten wollen - und die Lichtschranke zur Messung stehe einen Meter hinter der Startlinie.

Dennis Lander wollte außerdem wissen: Ist es für Saar-Polizisten tatsächlich nötig , "schneller als der aktuelle Weltrekordhalter zu sprinten - und wenn ja: In welchen Zusammenhängen wird diese Fähigkeit im Berufsalltag besonders gebraucht?"

Die staubtrockene, aber ausweichende Antwort der Landesregierung: "Die Disziplin Sprint zur Erlangung einer gewissen Aktionsschnelligkeit für die Beamtinnen und Beamten in Ausbildung fand sich bislang in allen Ausbildungsformen im Bereich des Sports wieder. Dass Polizeibeamte in Einsatzsituationen mitunter schnell agieren beziehungsweise reagieren müssen, ist unstrittig. Zur Schulung und Verbesserung dieser Fähigkeiten findet der 30-Meter-Sprint nicht nur bei der Polizei, sondern auch im Leistungssport häufig Anwendung."

Im Video: Polizeischüler - Mit Anfängern auf Streife

Foto: SPIEGEL TV

him/dpa

insgesamt 23 Beiträge
jsavdf 08.05.2018
1. Lebensfremd...
Es ist unstrittig, dass Beamte reaktionsschnell sein sollten. Meines Erachtens wäre die 100m Zeit (runterrechnen, ein bissel Beschleunigungsphase noch dazu) für eine 1 von Schülern der Oberstufe hier anzulegen. Von daher kommen [...]
Es ist unstrittig, dass Beamte reaktionsschnell sein sollten. Meines Erachtens wäre die 100m Zeit (runterrechnen, ein bissel Beschleunigungsphase noch dazu) für eine 1 von Schülern der Oberstufe hier anzulegen. Von daher kommen die meisten Bewerber und es ist das Ziel was die Landesregierung schon einmal ausgegeben hat. Da muss man nicht das Rad neu erfinden. Aber die Zeit musste sich ein Mensch ausdenken, der in seinem Leben noch keine Tartanbahn gesehen hat.
Mach999 08.05.2018
2. Ich finde das nicht absurd
Ich finde das nicht absurd. Selbstverständlich muss ein Polizist schneller laufen können als Usain Bolt. Wie soll er ihn sonst einfangen, wenn Usain Bolt beim Ladendiebstahl erwischt wird? Kein Strafbonus für Promis!
Ich finde das nicht absurd. Selbstverständlich muss ein Polizist schneller laufen können als Usain Bolt. Wie soll er ihn sonst einfangen, wenn Usain Bolt beim Ladendiebstahl erwischt wird? Kein Strafbonus für Promis!
mueller1 08.05.2018
3. Etwas zum Schmunzeln
aber leider war die Anfrage des Linken-Abgeordneten tatsächlich auch etwas polemisch. In der Antwort auf die Anfrage steht präzise: "Der Start erfolgt, anders als bei einem 100-Meter- Sprintwettbewerb, einen Meter vor der [...]
aber leider war die Anfrage des Linken-Abgeordneten tatsächlich auch etwas polemisch. In der Antwort auf die Anfrage steht präzise: "Der Start erfolgt, anders als bei einem 100-Meter- Sprintwettbewerb, einen Meter vor der ersten, die Zeitmessung auslösenden Lichtschranke." Also wäre die vergleichbare Zeit beim Weltrekordlauf von Usain Bolt für die Strecke von 1-31m gewesen nicht von 0-30m. In der Vorbemerkung zur Anfrage des Abgeordneten steht dagegen: "Usain Bolt hat bei seinem Weltrekordlauf 2009 3,78 Sekunden für die ersten 30 Meter benötigt, hätte nach dieser Wertungstabelle der saarländischen Polizei also nur 12 Punkte erreicht". Diese Aussage ist also durchaus etwas unsachlich und falsch.
genugistgenug 08.05.2018
4. Und natürlich ein höherer IQ wie Einstein......
.... zumindest ein gewisses Allgemeinwissen, bzw. Google-Fähigkeit einfach mal die Leistungsvorgaben zu prüfen. Schade das man den BMI der verantwortlichen Personen nicht erfährt :-))))) Interessant ist aber, dass es [...]
.... zumindest ein gewisses Allgemeinwissen, bzw. Google-Fähigkeit einfach mal die Leistungsvorgaben zu prüfen. Schade das man den BMI der verantwortlichen Personen nicht erfährt :-))))) Interessant ist aber, dass es bisher niemand aufgefallen ist und viele diese Prüfung schon absolvierten. @Mach999: vielleicht jobben die Polizisten gleich noch als "Entdecker" von Sporttalenten und verdienen sich dann als Manager von den Verfolgten ein Zubrot :-))))
EmKay 08.05.2018
5. Aha, aber mal
im Ernst? Die Zeitmessung läuft auch über 30 Meter. Der Bewerber startet nur einen Meter vorher und kann somit schon Geschwindigkeit aufnehmen bevor er die Lichtschranke für die Start-Auslösung passiert. Das ist somit als [...]
Zitat von mueller1aber leider war die Anfrage des Linken-Abgeordneten tatsächlich auch etwas polemisch. In der Antwort auf die Anfrage steht präzise: "Der Start erfolgt, anders als bei einem 100-Meter- Sprintwettbewerb, einen Meter vor der ersten, die Zeitmessung auslösenden Lichtschranke." Also wäre die vergleichbare Zeit beim Weltrekordlauf von Usain Bolt für die Strecke von 1-31m gewesen nicht von 0-30m. In der Vorbemerkung zur Anfrage des Abgeordneten steht dagegen: "Usain Bolt hat bei seinem Weltrekordlauf 2009 3,78 Sekunden für die ersten 30 Meter benötigt, hätte nach dieser Wertungstabelle der saarländischen Polizei also nur 12 Punkte erreicht". Diese Aussage ist also durchaus etwas unsachlich und falsch.
im Ernst? Die Zeitmessung läuft auch über 30 Meter. Der Bewerber startet nur einen Meter vorher und kann somit schon Geschwindigkeit aufnehmen bevor er die Lichtschranke für die Start-Auslösung passiert. Das ist somit als Vorteil zu werten. Der eine Meter weitere Gesamt-Strecke ist völlig vernachlässigbar.
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