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Posse in Westfalen

Polizist schwimmt trotz Badeverbots - Staatsanwaltschaft ermittelt

Ein Polizist badet in einem See - und muss um seinen Job fürchten: Es herrschte Badeverbot. Setzten sich Kollegen für ihn ein, damit eine Anzeige zurückgezogen wird? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

DPA

Sprung in einen See (Archivfoto)

Freitag, 10.08.2018   17:00 Uhr

Eigentlich hätte das ein ganz normaler Sommereinsatz sein können: Fünf Männer springen in einen See, in dem das Baden verboten ist. Ein Passant ruft die Polizei. Die Badenden werden erwischt, bekommen eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und zahlen ein Bußgeld, in der Regel eine höhere zweistellige Summe pro Person.

Doch als die Polizei am 16. Juli an der Sandgrube Brink eintrifft, einem Baggersee am Rande der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock bei Gütersloh, ist einer der fünf "Schwarzbader" ein Kollege: Ein Kommissaranwärter, ein Polizist in Ausbildung also. Er steht kurz vor der Verbeamtung.

Für den Mann steht einiges auf dem Spiel: Polizisten haben sich auch privat besonders gesetzestreu zu verhalten. Eine Anzeige, und sei es nur wegen einer Kleinigkeit, kann das Ende der Polizeilaufbahn bedeuten.

Nun ist die Sandgrube Brink ein Vereinsgewässer des Sportfischervereins Bielefeld. Zugang haben nur Mitglieder und Mitarbeiter des Abbauunternehmens, das die Grube gegraben hat. Der See ist eingezäunt.

Ein Mitglied des Vorstands erstattet deshalb Anzeige gegen die fünf Männer. Wie es dann weitergeht, da unterscheiden sich die Versionen.

Mehrere Polizisten sollen den Sportfischervorstand auf den heiklen Fall angesprochen haben - aber mit unterschiedlichen Zielen. Der Vorstand berichtet, es habe sich ein Ausbilder des Kommissaranwärters gemeldet und darum gebeten, die Anzeige gegen seinen Schüler zurückzuziehen. Schließlich kann man ja fragen: Ist dieses kleine Vergehen es wert, dem Mann die Zukunft zu verbauen?

Außerdem habe ein Polizeibeamter mit höherem Dienstgrad angerufen: Auf keinen Fall solle der Verein auf die Anzeige verzichten. Schließlich kann man ja sagen: Recht ist Recht, das hat sich der Anwärter selbst eingebrockt.

Die Version der Polizei ist eine ganz andere. Eine Sprecherin weist die Darstellung des Fischervereins gegenüber der "Neuen Westfälischen", die zuerst über den Fall berichtet hat, zurück: "Polizeibeamte der Kreispolizeibehörde Gütersloh haben keinesfalls versucht, auf die Mitglieder des Bielefelder Sportfischereivereins einzuwirken, damit die Anzeige gegen den Kommissaranwärter zurückgezogen wird."

Gegenüber dem SPIEGEL bleibt der Sprecher des Vereins bei der Darstellung. Es gebe Telefonprotokolle und E-Mails, mit denen sich die Versuche belegen lassen, auf den Vorstand Einfluss zu nehmen. Mehr wolle man im Moment nicht sagen. Eine Abteilung für Beamtendelikte der Staatsanwaltschaft Bielefeld untersucht den Fall.

Inzwischen hat der Verein tatsächlich die Anzeige gegen den Anwärter fallengelassen, aber nicht gegen die anderen vier Männer.

mamk

insgesamt 83 Beiträge
frankfurtbeat 10.08.2018
1. ansonsten ...
ansonsten scheint die Sonne und alles gut da draußen? Als wenn es nichts schlimmeres gäbe als bei diesen Temperaturen ein Gewässer aufzusuchen. Ein Polizist gibt seine Freiheit ab sobald er sich für diesen Beruf entscheidet? [...]
ansonsten scheint die Sonne und alles gut da draußen? Als wenn es nichts schlimmeres gäbe als bei diesen Temperaturen ein Gewässer aufzusuchen. Ein Polizist gibt seine Freiheit ab sobald er sich für diesen Beruf entscheidet? Wa sind das für Spießer welche aus einer Mücke einen Elefanten machen? Sicherlich könnte man sich auch ohne Anzeige einigen aber ja das ist Deutschland wie man es kennt!
wolleb 10.08.2018
2.
Seit wann kann man eine Strafanzeige zurück ziehen?
Seit wann kann man eine Strafanzeige zurück ziehen?
stoffi 10.08.2018
3. Ich hoffe mal
man wird hier begreifen, das man nicht mit Kanonen auf Spatzen schiesst. Der Mann hat kein Verbrechen begangen, sondern nur eine Dummheit und die ist bei diesen Temperaturen auch noch zu verstehen
man wird hier begreifen, das man nicht mit Kanonen auf Spatzen schiesst. Der Mann hat kein Verbrechen begangen, sondern nur eine Dummheit und die ist bei diesen Temperaturen auch noch zu verstehen
dasfred 10.08.2018
4. Ein großes Problem, dass Augenmaß erfordert
Egal, was passiert, es ist immer falsch. Die Entscheidung, den Polizeianwärter nicht anzuzeigen, scheint gut abgewogen. Der junge Mann hat mit Sicherheit seine Lehren gezogen. Ihn wegen baden nicht als Polizisten zu übernehmen, [...]
Egal, was passiert, es ist immer falsch. Die Entscheidung, den Polizeianwärter nicht anzuzeigen, scheint gut abgewogen. Der junge Mann hat mit Sicherheit seine Lehren gezogen. Ihn wegen baden nicht als Polizisten zu übernehmen, würde überzogene Ansprüche ans Wohlverhalten stellen, die kaum von jedem einzuhalten sind. Das sich nun die Polizeisprecher zieren, ist ja auch typisch, und zeugt nicht von sittlicher Reife, wenn dokumentierte Gespräche abgestritten werden.
Benjowi 10.08.2018
5.
Das Ganze gehört in die Rubrik "albernes Theater" oder wie soll man es verstehen? Dass bei den Temperaturen ein solcher Fauxpas einmal passiert, sollte mehr als verständlich sein und eine gewisse Toleranz sollte man [...]
Das Ganze gehört in die Rubrik "albernes Theater" oder wie soll man es verstehen? Dass bei den Temperaturen ein solcher Fauxpas einmal passiert, sollte mehr als verständlich sein und eine gewisse Toleranz sollte man auch Polizeianwärtern gegenüber zeigen. Obendrein gibt es eine Menge Delikte, die ungleich schwerer zu bewerten sind und bei denen man die Augen schließt.
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