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Simbabwe

Frauen kämpfen gegen Wilderer - und männliche Vorurteile

Sie kommen aus armen Verhältnissen, wurden missbraucht und verprügelt - und gehen nun zusammen gegen Wilderer vor. Ein Hilfsprojekt in Simbabwe hat aus ehemaligen Opfern resolute Wildhüterinnen gemacht.

DPA
Freitag, 27.07.2018   09:08 Uhr

Bewaffnet mit halbautomatischen Gewehren und in khaki-farbener Kleidung patrouillieren Wildhüter durch das hohe Gras der afrikanischen Savanne in Simbabwe. Plötzlich bleiben sie stehen, um Spuren zu untersuchen. Sie gehören zu einem Schakal. Aber die Truppe sucht nach Menschen - Wilderern. Das Besondere: Die Ranger sind alle Frauen.

Nyaradzo Hotos Ex-Mann war gewalttätig. Aber das ist Vergangenheit, heute führt die 25-Jährige ein neues Leben als Mitglied der ersten ausschließlich weiblichen simbabwischen Anti-Wilderer-Einheit. Sie werden "Akashinga", oder "die Tapferen", genannt. "Ich kann mir nicht mehr vorstellen, mit ihm zu leben", sagt Hoto über ihren Ex. "Mein Job als Wildhüterin hat mich zu einer unabhängigen Frau gemacht."

Die Akashinga-Frauen stammen aus ärmlichen Verhältnissen, aus Dörfern nahe dem 30.000 Hektar großen Naturschutzgebiet, das sie jetzt bewachen. Unter ihnen sind Witwen, Opfer sexueller Gewalt, verlassene Mütter, ehemalige Prostituierte, und sie haben eines gemeinsam: Sie trotzen den patriarchalischen Hierarchien ihres Landes.

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Simbabwe: Frauen kämpfen gegen Wilderer

"Diese Frauen, die wie Dreck behandelt wurden, waren meistens Opfer von Männern. Wenn man sie jetzt sieht, sind sie Anführerinnen", sagt Damien Mander, ein großer tätowierter Australier, der das Projekt vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Er hat in Australiens Spezialeinheiten gedient, war auch im Irak und in Afghanistan im Einsatz. "Frauen sind die Zukunft des Naturschutzes", ist er überzeugt.

Bevor Mander die Wildhüterinnen rekrutierte, hatte keine der Frauen je mit einer Waffe geschossen. Über Naturschutz wussten sie wenig. Dem Australier war das egal: "Das Wichtigste ist, dass diese Frauen nicht korrupt sind", sagt er. Und er habe richtig gelegen mit seiner Einschätzung: Die Wildhüterinnen haben sich als unbestechlich und furchtlos bewiesen.

Durch das Projekt profitieren einerseits die Tiere, andererseits aber auch die Wildhüterinnen selbst. Die meisten haben Kinder und können nun als Alleinverdiener ganze Großfamilien unterstützen.

Bei einem Besuch daheim umarmt Rangerin Primrose ihre kleine Tochter vor der Lehmhütte ihrer Familie. Als sie sich das erste Mal um eine Stelle bei den Wildhüterinnen beworben hatte, hätten sie die Männer im Dorf ausgelacht, sagt die 22-Jährige. Jetzt werde sie respektiert.

Erfahrungen, von denen auch ihre Kolleginnen berichten: Durch ihre neuen Fähigkeiten, ihren Lohn und ihre Unabhängigkeit haben sie neues Selbstbewusstsein gewonnen. "Meine Tochter ist stolz auf mich", sagt Rangerin Hoto. "Ich kann auf meinen eigenen Füßen stehen."

Kate Bartlett/dpa/him

insgesamt 11 Beiträge
ralfdunkel 27.07.2018
1. Gute Ausbildung und Ausrüstung
Auf allen Bildern haben die Ranger eine korrekte Haltung der Waffe und immer schön den Zeigefinger vom Abzug weg. Respekt !
Auf allen Bildern haben die Ranger eine korrekte Haltung der Waffe und immer schön den Zeigefinger vom Abzug weg. Respekt !
geri&freki 27.07.2018
2. Super, Mädels!
Allzeit glückliche Jagd!
Allzeit glückliche Jagd!
rleu 27.07.2018
3.
Sie auch? Ich habe auch erst beim Lesen erfahren, dass es sich um Rangerinnen handeln soll. Ich brauche wohl eine neue Brille...
Zitat von ralfdunkelAuf allen Bildern haben die Ranger eine korrekte Haltung der Waffe und immer schön den Zeigefinger vom Abzug weg. Respekt !
Sie auch? Ich habe auch erst beim Lesen erfahren, dass es sich um Rangerinnen handeln soll. Ich brauche wohl eine neue Brille...
Thomas Schnitzer 27.07.2018
4.
"Als sie sich das erste Mal um eine Stelle bei den Wildhüterinnen beworben hatte, hätten die Männer im Dorf sie ausgelacht, sagt die 22-Jährige. Jetzt werde sie respektiert." Das erinnert mich ein wenig an den [...]
"Als sie sich das erste Mal um eine Stelle bei den Wildhüterinnen beworben hatte, hätten die Männer im Dorf sie ausgelacht, sagt die 22-Jährige. Jetzt werde sie respektiert." Das erinnert mich ein wenig an den Spruch, dass man jede Diskussion für sich entscheidet, wenn man ganz ruhig und sachlich eine geladene Desert Eagle vor sich auf den Tisch legt. Ich wünsche der Spezialeinheit jedenfalls viel Erfolg bei all ihren Missionen, also gegen Wilderer und Sexismus.
hr.lich-daemlich 27.07.2018
5.
Nö. Sie sind nur auf typische Merkmale getrimmt. Die Frauen brauchen keine Schminke. Röcke und lange Haare können eher hinderlich sein. Viel unseres westlichen Frauenbildes basiert auf Aussehen, zumindest beweisen sie es [...]
Zitat von rleuSie auch? Ich habe auch erst beim Lesen erfahren, dass es sich um Rangerinnen handeln soll. Ich brauche wohl eine neue Brille...
Nö. Sie sind nur auf typische Merkmale getrimmt. Die Frauen brauchen keine Schminke. Röcke und lange Haare können eher hinderlich sein. Viel unseres westlichen Frauenbildes basiert auf Aussehen, zumindest beweisen sie es mal wieder. Vorschlag: Nehmen sie mal Bilder von alten Menschen, schneiden nur das Gesicht raus und kleben sie nebeneinander. Keine Frisuren, Brillen, Schminke oder andere Accessoires (vielleicht noch die Augenbrauen normalisieren). Dann können sie in Ihrem Freundeskreis ein Spiel spielen: Männlein oder Weiblein? Zum Artikel: Ich finde das toll. Die Frauen haben eine Aufgabe und erfüllen sie wohl sehr gut. Das sind super Vorbilder!

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