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KarriereSPIEGEL

Milliardär Tobias Lütke

"Ich war ein miserabler Schüler"

In der Schule fiel er vor allem durch schlechte Noten auf, heute ist er Milliardär: Tobias Lütke verließ das Gymnasium mit einem Realschulabschluss - und revolutionierte als Programmierer den Onlinehandel.

REUTERS

Markenzeichen Tweedmütze: Shopify-Gründer Tobias Lütke

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Donnerstag, 30.11.2017   15:21 Uhr

Der gebürtige Koblenzer Tobias Lütke ist dank der Einkaufsorgie am Black Friday erneut zum Milliardär geworden. Der 37-Jährige mit einer Vorliebe für Tweedmützen ist Mitgründer der Handelsplattform Shopify, die es kleinen und mittelständischen Händlern ermöglicht, Onlineshops aufzusetzen. Laut dem Bloomberg Milliardärs-Index beläuft sich Lütkes Vermögen dank der Bewertung von Shopify auf 1,1 Milliarden Dollar.

Lütke begeisterte sich schon als kleiner Junge für alles, was mit Computern zu tun hat. Seine Eltern, eine Sonderschullehrerin und ein Internist, schenkten ihm seinen ersten Rechner, als er sieben Jahre alt war: einen Amstrad CPC, wie die "Rhein-Zeitung" berichtet. Weil es für diesen kaum Spiele gab, habe er angefangen, sich selbst welche zu programmieren. Für die Schule interessierte er sich kaum.

"Ich war ein miserabler Schüler", sagte Lütke der "Rhein-Zeitung". Dafür habe er aber auch eine Erklärung: "Ich kann keine Lösungen lernen, wenn ich das Problem nicht verstehe. Es gibt keine Möglichkeit, mir Latein beizubringen. Ich habe einfach noch niemanden getroffen, der mit mir Latein sprechen will." Er habe genau kalkuliert, welche Noten er brauche, um versetzt zu werden und immer nur das Nötigste gemacht.

Verliebt im Winterurlaub in Kanada

Das Gymnasium in Koblenz verließ er mit einem Realschulabschluss und begann eine Ausbildung als Fachinformatiker. Nach einem Jahr wurde er von einer Nürnberger Firma abgeworben, 2002 wanderte er nach Kanada aus. Von dort stammt seine spätere Frau Fiona McKean, die er im Winterurlaub kennengelernt hatte.

Ausgebrannt von seinen Programmierjobs gründete Lütke in Ottawa mit Bekannten einen Onlinehandel für Snowboards, den sie Snowdevil nannten. Aus der Frustration heraus, keine passende Software für Internetshops zu finden, baute er auf die damals neue Applikation "Ruby on Rails". Das erregte einige Aufmerksamkeit in Programmierkreisen.

Lütke und sein Partner Scott Lake erkannten bald, dass sie mit ihrer E-Commerce-Software mehr Geld verdienen konnten als mit dem Verkauf von Snowboards. Also überzeugten sie 2006 zehn Freunde und Familienmitglieder, insgesamt 200.000 Dollar Startkapital zu investieren und launchten Shopify.

Die Plattform stellt Onlinehändlern neben der Einrichtung eigener Shops die nötigen Werkzeuge bereit, mit denen sie Bezahloptionen, Vorkasse oder die Integration in Amazons Marketplace einrichten können.

Aktie schießt nach Börsengang in die Höhe

Das Unternehmen war rasch erfolgreich und ging im Mai 2015 an die Börse. Seitdem legte die Aktie laut Bloomberg 588 Prozent zu. In diesem Jahr war das Shopify-Papier demnach das am zweitbesten performende in Kanadas S&P/TSX Composite Index.

Nach einem Absturz im Oktober hat sich der Kurs von Shopify inzwischen wieder erholt. Damals hatte der Shortseller Andrew Left das Geschäftsmodell der Plattform infrage gestellt, berichtet Bloomberg. Viele Nutzer seien nicht sehr erfolgreich, lauteten die Vorwürfe, das Wachstum würde einbrechen. Der Kurs von Shopify sei daraufhin an einem Tag um zwölf Prozent gefallen. Weitere 14 Prozent verlor die Aktie, als das Unternehmen kurze Zeit später berichtete, dass das Wachstum der verkauften Güter sich verlangsame.

Lütke verteidigte Shopify gegen die Vorwürfe und nannte Left einen "Troll", berichtet Bloomberg weiter. Die Vorwürfe gegen das Unternehmen seien absurd. Das Vorweihnachtsgeschäft, das mit den Black-Friday-Aktionen vergangene Woche losging, und eine Kaufempfehlung von Analysten brachten die Shopify-Aktie laut Bloomberg wieder in die Spur. Sie war am Montag in New York um 4,4 Prozent auf 116,75 Dollar gestiegen. Damit erreichte das Unternehmen einen Marktwert von 11,6 Milliarden Dollar - und machte den Programmierer mit Tweedmütze erneut zum Milliardär.

insgesamt 33 Beiträge
newliberal 30.11.2017
1. Nicht in Deutschland,
und natürlich nicht in einem Schulsystem des 19 Jhrdt. das für Industrien des 19 Jhrdt. ausbildet. Klar, wer selber denken, selber machen und ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss gehen - je eher desto besser !
und natürlich nicht in einem Schulsystem des 19 Jhrdt. das für Industrien des 19 Jhrdt. ausbildet. Klar, wer selber denken, selber machen und ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss gehen - je eher desto besser !
catcargerry 30.11.2017
2. Billig
Natürlich ist das Schulsystem schuld, dass Sie nicht Milliardär geworden sind. Ich bin es auch nicht geworden. Aber schon einmal etwas von den ehemaligen deutschen Schulbesuchern gehört, die SAP gegründet haben? Jede Erfahrung [...]
Natürlich ist das Schulsystem schuld, dass Sie nicht Milliardär geworden sind. Ich bin es auch nicht geworden. Aber schon einmal etwas von den ehemaligen deutschen Schulbesuchern gehört, die SAP gegründet haben? Jede Erfahrung ist so viel wert, wie man daraus macht. Das Problem ist nicht das Schulsystem, das seit 40 Jahren verbessert wird oder so, sondern das Problem sind Eltern, denen die Kompetenz ihrer Kinder egal ist und die ihnen keine Anregungen geben, Erfahrungen zu machen und sie umzusetzen.
newliberal 30.11.2017
3.
Idealerweise noch einmal den Artikel lesen und die Rolle der Eltern des Jungen.....
Zitat von catcargerryNatürlich ist das Schulsystem schuld, dass Sie nicht Milliardär geworden sind. Ich bin es auch nicht geworden. Aber schon einmal etwas von den ehemaligen deutschen Schulbesuchern gehört, die SAP gegründet haben? Jede Erfahrung ist so viel wert, wie man daraus macht. Das Problem ist nicht das Schulsystem, das seit 40 Jahren verbessert wird oder so, sondern das Problem sind Eltern, denen die Kompetenz ihrer Kinder egal ist und die ihnen keine Anregungen geben, Erfahrungen zu machen und sie umzusetzen.
Idealerweise noch einmal den Artikel lesen und die Rolle der Eltern des Jungen.....
flavus88 30.11.2017
4.
Eventuell seinen Kommentar nochmal lesen und verstehen, dass er genau auf die fördernde Rolle seiner Eltern hinaus möchte...
Zitat von newliberalIdealerweise noch einmal den Artikel lesen und die Rolle der Eltern des Jungen.....
Eventuell seinen Kommentar nochmal lesen und verstehen, dass er genau auf die fördernde Rolle seiner Eltern hinaus möchte...
titoandres 30.11.2017
5. @newliberal
Ich denke, der User "catcatgerry" hat das Problem etwas allgemeiner und differenzierter im Blick und hat sich somit nicht nur auf diesen Einzelfall bezogen. Selbstverständlich gibt es Kinder, die mit den Anforderungen [...]
Ich denke, der User "catcatgerry" hat das Problem etwas allgemeiner und differenzierter im Blick und hat sich somit nicht nur auf diesen Einzelfall bezogen. Selbstverständlich gibt es Kinder, die mit den Anforderungen an der Schule nicht mithalten können. Selten gibt ea darunter solche, die besondere Interessen haben, sich den Pflichten verweigern und ihren sehr erfolgreichen Weg gehen. Doch gehen aus diesen angeblich so maroden Schulsystem Jahr für Jahr Menschen hervor, die auf unterschiedlichen Bereichen bestehen. Man muss nicht immer auf die Sonderfälle anspringen, um zu behaupten, die Schule sei nichts wert. Das sieht immer nach Enttäuschung und Frust aus.
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