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Europäischer Gerichtshof

Transgender-Frau darf bei Rente nicht als Mann behandelt werden

Der Europäische Gerichtshof hat die Rechte von Transgender-Menschen gestärkt: Ein Mann, der mit 43 Jahren entschied, als Frau leben zu wollen, darf nun früher in Rente. Denn es gilt das Rentenalter für Frauen.

DPA

Regenbogenfahne (Archiv)

Mittwoch, 27.06.2018   12:59 Uhr

Ein Mann aus England heiratet eine Frau, wird Vater von zwei Kindern, fühlt sich aber stets unwohl im eigenen Körper. Mit 43 Jahren entscheidet er sich, als Frau zu leben und lässt vier Jahre später den chirurgischen Eingriff vornehmen.

Als Transgender-Frau beantragt sie im Jahr 2008 Rente. Sie ist 60 Jahre alt und hat das damals gültige Rentenalter für Frauen erreicht. Doch der Staat lehnt den Antrag ab. Er erkennt die Geschlechtsumwandlung nicht an und verweist sie auf das Rentenalter für Männer, das bei 65 Jahren liegt. Nun hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) über den Fall entschieden und der Transgender-Frau Recht gegeben.

Die englische Gesetzgebung sei diskriminierend, hieß es vom EuGH. Demnach hätte die Frau mit einem offiziellen Dokument belegen müssen, dass sie sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte, um Anspruch auf die Rente als Frau zu erhalten. Dieses Dokument hätte sie aber nur erhalten, wenn sie ihre Ehe annulliert hätte. Doch die Transgender-Frau hatte aus religiösen Gründen niemals vor, sich scheiden zu lassen.

Der EuGH argumentierte, wenn Menschen eine bestimmte Zeit als Mann oder Frau leben, obwohl sie mit einem anderen Geschlecht geboren worden sind, und wenn sie sich operieren haben lassen, muss der Staat ihre Geschlechtsumwandlung anerkennen.

Die Anwälte der Transgender-Frau, Jacqueline Mulryne and Chris Stothers, zeigten sich erfreut über das Urteil: "Das ist eine kleine Entscheidung, aber sie hat eine große Wirkung."

Video: Leben als Transgender - "Ich war schon immer eine Frau"

Foto: SPIEGEL TV

kha/Reuters

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