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KarriereSPIEGEL

United Colors of Benetton

Firmengründer wird mit 82 Jahren wieder Chef

Eigentlich ist er seit zehn Jahren in Rente, doch nun übernimmt Luciano Benetton erneut die Geschäftsführung von United Colors of Benetton. Der Grund: Seine Läden erinnern ihn mittlerweile an "das kommunistische Polen".

imago/Independent Photo Agency
Freitag, 01.12.2017   11:43 Uhr

Die Erfolgsgeschichte begann vor mehr als 50 Jahren: Luciano Benetton lief von Tür zu Tür und verkaufte Pullover, die seine Schwester mit einer Strickmaschine gefertigt hatte. Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem italienischen Familienunternehmen das weltweite Modeimperium United Colors of Benetton. Doch mittlerweile steckt der Konzern in einer Krise. Und der 82-jährige Firmengründer will das Unternehmen retten.

"Im Jahr 2008 habe ich das Unternehmen mit 155 Millionen Euro Vermögen verlassen, und nun nehme ich es mit 81 Millionen Euro Schulden zurück", sagte Benetton der italienischen Zeitung "La Repubblica". Der Niedergang seiner Firma bereite ihm "unerträglichen Schmerz".

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Die Geschichte von Benetton: "Unerträglicher Schmerz"

Luciano Benetton hatte die Geschäftsführung an seinen Sohn Alessandro übergeben. Der überließ die Geschäfte Managern von außen. Die Verluste, die Benetton heute schreibt, lastet der Gründer seiner Familie an: "Wir allein haben die Schuld", sagte er. "Andere haben uns imitiert, die 'United Colors' haben ihre Farbe verloren." Die Läden seien dunkel und schäbig geworden, "wie im kommunistischen Polen". Die "schlimmste Sünde" sei gewesen, keine Pullover mehr anzubieten: "Das ist, als ob man einem Aquädukt das Wasser nimmt."

United Colors of Benetton hatte vor allem in den Achtzigerjahren große Erfolge gefeiert - nicht zuletzt wegen der oft provokanten Werbefotos des Starfotografen Oliviero Toscani, der mit Krieg, Aids und Rassismus für das Modelabel warb. 2011 musste Benetton eine Fotomontage zurücknehmen, die einen Kuss zwischen Papst Benedikt XVI. und einem Imam zeigte. Der Vatikan hatte sich massiv über das Bild beschwert. Mitte der Neunziger hatte auch der Bundesgerichtshof drei Werbemotive von Benetton verboten.

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Oldies but Goldies: Diese Rentner wünschen wir uns zurück

In den vergangenen Jahren hat Benetton nach Angaben des Wirtschaftsprofessors Giuliano Noci einen Verlust von rund 600 Millionen Euro angehäuft. Derzeit arbeiten etwa 7300 Menschen für das Unternehmen, 1500 weniger als noch vor zehn Jahren. Benetton schließt weitere Kündigungen nicht aus: "Wir geben jedem eine Chance, aber wir müssen das Geschäft lichten."

koe/AFP

insgesamt 12 Beiträge
siebke 01.12.2017
1. Das Stimmt !
Benetton war früher, die Marke die MANN /FRAU einfach trägt. Sehr gute Qualität und Preis waren im gehobenen Mittelfeld.Sisley etwas teurer aber modisch immer mit einer gewissen Eleganz, leider fast nur noch in Italien zu [...]
Benetton war früher, die Marke die MANN /FRAU einfach trägt. Sehr gute Qualität und Preis waren im gehobenen Mittelfeld.Sisley etwas teurer aber modisch immer mit einer gewissen Eleganz, leider fast nur noch in Italien zu haben. Hoffe das er es wieder mit Spirit würzen kann.
dondon 01.12.2017
2. Dinge kommen, Dinge gehen
Die Zeit von Benetton ist leider lange vorbei. Hätte ich nicht diesen Artikel gelesen, würde ich mich nicht mehr an die Firma erinnern. Aber: Wenn es ihm gelingt, Mode zu fairen Bedingungen und Preisen produzieren zu lassen, [...]
Die Zeit von Benetton ist leider lange vorbei. Hätte ich nicht diesen Artikel gelesen, würde ich mich nicht mehr an die Firma erinnern. Aber: Wenn es ihm gelingt, Mode zu fairen Bedingungen und Preisen produzieren zu lassen, begrüße ich sein Comeback.
gartenmatz 01.12.2017
3. Ein Äquadukt .... wie goldig...:-)
Die Plakate von Benetton waren grandios, erschreckend und manchmal beschämend. Werbung hin oder her..... es wurden aktuelle Themen in den Fokus gerückt und durch die Art der Veröffentlichung gab es auch kein Entrinnen... auch [...]
Die Plakate von Benetton waren grandios, erschreckend und manchmal beschämend. Werbung hin oder her..... es wurden aktuelle Themen in den Fokus gerückt und durch die Art der Veröffentlichung gab es auch kein Entrinnen... auch ohne Social-Media. Nie wieder erreicht wie ich finde. Matz
stefanbodensee 01.12.2017
4. Früher war Benetton ...
die sogenannte 'Poppermarke', wurde von modebewußten jüngeren Leuten getragen ( z.B. sehr gerne in der Motorroller / Vespaszene ) und machte auch farblich richtig was her. Aber irgendwie hat die Marke in den späten 90ern und [...]
die sogenannte 'Poppermarke', wurde von modebewußten jüngeren Leuten getragen ( z.B. sehr gerne in der Motorroller / Vespaszene ) und machte auch farblich richtig was her. Aber irgendwie hat die Marke in den späten 90ern und beginnenden 2000ern den Anschluss verloren, es fehlte der Pepp. Ich bin mir nicht sicher, ob der 82-jährige Expatriarch in der heutigen hektisch-globalen Modezeit nochmal das Steuer herumreisst, dafür gibts mittlerweile viel zuviel neue Konkurrenz. Aber klar, viel Glück wünsche ich ihm allemal ...
Bernd.Brincken 01.12.2017
5. Manager
Die "Manager von außen" müssen nicht einmal schlecht gewesen sein. Es reicht schon, dass Verantwortungs-Diffusion entsteht, wenn deren Job auch wie eine Ware gehandelt wird. Wenn man eine Marke für sich [...]
Die "Manager von außen" müssen nicht einmal schlecht gewesen sein. Es reicht schon, dass Verantwortungs-Diffusion entsteht, wenn deren Job auch wie eine Ware gehandelt wird. Wenn man eine Marke für sich beansprucht, die irgendeinen Mehrwert ausdrücken soll, dann braucht sie eine Identität. Austauschbare Manager können das i.a. nicht erreichen.

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