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KarriereSPIEGEL

Lohngleichheit von Männern und Frauen

ZDF-Reporterin scheitert vor Gericht

Eine Reporterin wollte das ZDF zu einer höheren Entlohnung zwingen, sie forderte gleiches Gehalt wie ihre männlichen Kollegen. Doch das Landesarbeitsgericht Berlin sieht keinen Beleg, dass sie aufgrund ihres Geschlechtes weniger Geld verdient.

ZDF/ Svea Pietschmann

"Frontal 21"-Studio beim ZDF

Dienstag, 05.02.2019   14:25 Uhr

Eine Reporterin des ZDF ist mit ihrer Klage auf mehr Gehalt auch in zweiter Instanz gescheitert. Die Journalistin habe dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg keine ausreichenden Hinweise erbracht, dass sie aufgrund ihres Geschlechts weniger Geld erhalten habe als vergleichbare männliche Kollegen, hieß es in einer Gerichtsmitteilung. Der Reporterin stehe daher weder eine weitere Vergütung noch eine Entschädigung oder Schadensersatz zu.

Vor dem Arbeitsgericht Berlin war die Journalistin, die für das Magazin "Frontal 21" arbeitet, bereits im Januar 2017 mit ihrer Klage für mehr Lohngerechtigkeit gescheitert. Sie hatte daraufhin Berufung eingelegt, über die das Landesarbeitsgericht jetzt entschied.

Die ZDF-Mitarbeiterin hatte herausgefunden, dass ihre männlichen Kollegen mehr verdienen. Sie verlangte, ebenfalls ein höheres Gehalt zu bekommen - was das ZDF ablehnte. Der Sender hatte vor Gericht argumentiert, dass die männlichen Kollegen der Klägerin mehr Berufserfahrung hätten.

Bei der Entscheidung, wie viel jemand beim ZDF verdiene, sei das Geschlecht kein Kriterium, hieß es in der Arbeitsgerichtsverhandlung. Die Vergütung der freien und festen Mitarbeiter werde weitgehend durch Tarifverträge bestimmt, sagte ein Sprecher seinerzeit. "Geschlecht, Alter, Religion etc. spielen hierbei keine Rolle."

Der Anwalt der ZDF-Journalistin hatte dagegen das Urteil der ersten Instanz hart kritisiert: Es sei "in schwerwiegender, ja willkürlicher Weise rechtsfehlerhaft".

Der Verein ProQuote Medien, der sich für die Belange von Frauen in Medienberufen einsetzt, bezeichnete die Klage der Journalistin als "wichtiges Signal". "Wir hoffen, dass dies anderen Frauen Mut macht und wir so gemeinsam den dringend benötigten Kulturwandel in der Medienbranche vorantreiben können."

Anspruch auf Gehaltsauskunft für Kollegen gilt nicht für freie Mitarbeiter

Zwischen dem Arbeitsgerichtsurteil Anfang 2017 und dem aktuellen Urteil des Landesarbeitsgerichts trat das Entgelttransparenzgesetz in Kraft. Unter bestimmten Voraussetzungen können Arbeitnehmer nun Auskunft darüber verlangen, wie hoch das durchschnittliche Gehalt ihrer Kollegen auf einer vergleichbaren Arbeitsstelle ist.

Dieser Anspruch auf Auskunft bleibt der Journalistin dem Gericht zufolge jedoch verwehrt - da sie freie Mitarbeiterin und keine Arbeitnehmerin sei. Gegen diese Rechtsprechung kann die Klägerin vor dem Bundesarbeitsgericht nun Revision einlegen, nicht aber gegen das Urteil in der Diskriminierungsklage.

Trotz des Rechtsanspruchs wird das Gesetz aber in vielen Betrieben ignoriert. Das zeigen unter anderem eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sowie Daten aus der "Randstad ifo Personalleiterbefragung".

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Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes las sich der Teaser so, als habe das Gericht dem ZDF erlaubt, Frauen schlechter zu bezahlen als ihre männlichen Kollegen. Uns haben Leser-Hinweise dazu erreicht, wir haben den Text deshalb angepasst.

him/kko

insgesamt 67 Beiträge
Fuxx81 05.02.2019
1. Kaum nachweisbar
Es dürfte im Einzefall schwer bis unmöglich sein, festzustellen, warum genau jemand mehr verdient, und jemand anderes weniger.
Es dürfte im Einzefall schwer bis unmöglich sein, festzustellen, warum genau jemand mehr verdient, und jemand anderes weniger.
horst_se 05.02.2019
2. Menschen sind nun mal nicht gleich...nirgendwo.
Entsprechend kann auch ihre Vergütung nicht gleich sein. Anderer Mensch => andere Tätigkeit => andere Vergütung. Alles andere ist unreal...
Entsprechend kann auch ihre Vergütung nicht gleich sein. Anderer Mensch => andere Tätigkeit => andere Vergütung. Alles andere ist unreal...
Freundschafter 05.02.2019
3. Scheinselbständigkeit?
Das Urteil war doch klar! Freiberuflicher Vertrag ist etwas anderes als Arbeitsvertrag! Vielmehr sollte man jetzt bei ZDF und der Klägerin prüfen ob es sich um eine Scheinselbständigkeit handelt!
Das Urteil war doch klar! Freiberuflicher Vertrag ist etwas anderes als Arbeitsvertrag! Vielmehr sollte man jetzt bei ZDF und der Klägerin prüfen ob es sich um eine Scheinselbständigkeit handelt!
gersois 05.02.2019
4. Angestellte oder freie Mitarbeiterin?
In früheren Bericht wurde die Klägerin als freie Mitarbeiterin bezeichnet. Als freie Mitarbeiterin bekäme sie ein Honorar und kein Gehalt, ein Honorar, das sie frei aushandeln könnte. Zahlt denn das ZDF für das [...]
In früheren Bericht wurde die Klägerin als freie Mitarbeiterin bezeichnet. Als freie Mitarbeiterin bekäme sie ein Honorar und kein Gehalt, ein Honorar, das sie frei aushandeln könnte. Zahlt denn das ZDF für das Arbeitsverhältnis auch Sozialabgaben und führt die Lohnsteuer ab?
s.burkard 05.02.2019
5. @Fuxx81
Genau das Gegenteil ist der Fall. Gottseidank!
Genau das Gegenteil ist der Fall. Gottseidank!

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