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Kultur

Gleichstellung

Ich bin ein Mann - Mahlzeit!

Wann ist man ein Mann? Wenn man immer raufen muss und nie entspannen darf. Immer vergleichen mit anderen Männern, all der Stress als Chef - Schluss damit: Endlich Gleichberechtigung, endlich gleich wenig Geld für alle!

DPA

Fleischwurst (Symbolbild)

Eine Kolumne von
Samstag, 09.09.2017   13:14 Uhr

Glauben Sie im Ernst, es macht mir Spaß, ein Mann zu sein? Von Geburt an mit dämlichen Autos und Baukästen spielen zu müssen, weil Jungen das angeblich mögen. Der besorgte Blick der Eltern, wenn ein Junge, statt einem anderen Kind auf dem Spielplatz den Mund mit Sand auszuwaschen, einfach nur sitzen und ein Sonett lesen möchte. Einfach mal ein Requiem hören, nein, das ist nicht drin. Die Kindheit war so unglaublich langweilig in der Erwartung der sogenannten Gesellschaft. Raufen, schreien, Krach machen. Nur um nicht hören zu müssen, dass etwas nicht stimmt mit einem.

Dass ich begann, über mein Geschlecht nachzudenken, erfolgte in der Schule. Nicht beim zufälligen Kontakt meiner Hand mit meinem Genital, sondern - ich realisierte, dass ich von den LehrerInnen mit einer Art milder Gutmütigkeit behandelt wurde. Ich kannte diesen Tonfall und die Körpersprache von mir, wenn ich mit kleinen, traurigen und eventuell bissigen Hunden sprach, um sie zu streicheln. Die LehrerInnen gingen von meiner intellektuellen Unterlegenheit aus, eine Herablassung, die ich nicht feststellte, wenn sie mit Schülerinnen sprachen. Damals begann es, die Wut und die Verformung meines Charakters, die Menschen passiert, wenn sie realisieren, dass sie dem angeblich mental schwächeren Geschlecht angehören.

Der Stress als Chefs von allem, was Geld bringt

Denken Sie, es ist ein Spaziergang, dass Leute wie ich, also - Männer -, sich andauernd mit anderen Männern vergleichen müssen? Die Straßen haben Männernamen, große tolle Männer, natürlich. Die Denkmäler: Leute wie ich auf Pferden, nur dass die etwas bewegt haben, im Zweifel irgendwas mit Krieg und Eroberung. Und glauben Sie, es ist super für das Selbstwertgefühl, wenn man dauernd hört: Aber der Elon Musk bringt es total, oder Macron, obwohl er so klein ist, oder Klitschko. Und dann ist man einfach nur irgendein Mann. Der irgendein Männerzeug studiert, nur weil das alle machen.

Ich bin ein Mann.

Mahlzeit! Wenn meine Leute über das gesamte Kapital der Welt verfügen, ist das Spaß? Der Stress in Vorständen, in der Regierung, in sogenannten Talk-Shows und Ted-Talks, in den sogenannten Verwaltungsräten, als Chefs von allem, was Geld bringt. Und um einen herum lauern die Geier, also andere Männer, auch keine Ahnung habend, wie es gehen soll. Wie das alles gehen soll, in dieser beschissenen Welt.

Denken Sie, es ist so wahnsinnig lustig zu wissen, dass man bevorzugt wird, nur weil man einen Penis hat? Oder vorgibt, einen zu haben, und weil man weiß, dass dieser alte Mann am Schreibtisch gegenüber einen als seinesgleichen betrachtet? Man möchte doch für seinen Verstand geschätzt werden, oder seine Fachkompetenz oder irgendwas Vernünftiges, und nicht wegen einer Fleischwurst.

Ich bin nicht seinesgleichen. Ich bin auch mal müde. Wegen dieser Angst, weil ich mehrfach gelesen habe, dass ich zum Irrsinn neige - Selbstüberschätzung, fehlendes Risikobewusstsein -, und dann doch diese blöden Stunts mache mit dem Skateboard und Mutproben, die mit Handständen auf Hochhausdächern zu tun haben. Müssen. Wegen der anderen.

Weniger für alle!

Und immer wieder die Muskeln, die Muskeln, die Muskeln, es ist dermaßen langweilig zu trainieren, den Körper zu rasieren, die ausgehenden Haare zu transplantieren, nur um von den anderen Männern ernst genommen zu werden. Wir müssen Kriege führen, Atombomben losschicken, Google erfinden, jede Entscheidung eines Mannes hat Konsequenzen für die Menschheit.

Wenn Frauen sich beschweren, dass sie nie ernst genommen werden, solange Männer den Körper ihrer Geschlechtsgenossinnen kaufen können, dann sage ich: Ein Mann wird niemals entspannen, solange einer seiner Leute Trump ist. Oder Daesh. Oder irgendein anderer Vollidiot. Dieser Druck macht, dass Leute wie ich, also männliche Leute, früher sterben als Frauen. Und damit muss jetzt Schluss sein.

Ich fordere eine definitive Gleichberechtigung für Männer. Erst wenn wir genauso, aber total genauso schlecht bezahlt werden wie Frauen, kann man von einer fairen Gesellschaft reden. Ich werde die Partei wählen, die sich dafür einsetzt, Männer und Frauen denselben Lohn zu zahlen. Nicht 21% mehr oder 7% (oder was Schlauberger immer hin- und herrechnen) mehr für Frauen, sondern: weniger für alle! Ich fordere dasselbe Gehalt für Männer und Frauen, damit dieser unendliche schreckliche, schlechte Laune erzeugende Druck der Verantwortung für diese bescheuerte Welt endlich auch mal von den Uschen getragen wird!

insgesamt 149 Beiträge
keine-#-ahnung 09.09.2017
1. Da fällt einem nix ...
... mehr zu ein. Gääääähn
... mehr zu ein. Gääääähn
Einweckglas 09.09.2017
2. Uffffff...
Habe mich beim zweiten Absatz gefragt, was der Artikel uns eigentlich sagen will. Da ich die Aufloesung irgendwann spaeter vermutete, las ich tapfer weiter...und wurde.... enttaeuscht. Eine Aufloesung gab es schlicht nicht. Zum [...]
Habe mich beim zweiten Absatz gefragt, was der Artikel uns eigentlich sagen will. Da ich die Aufloesung irgendwann spaeter vermutete, las ich tapfer weiter...und wurde.... enttaeuscht. Eine Aufloesung gab es schlicht nicht. Zum Glueck haben wir Samstag und da darf man Zeit auch mal verschwenden! ;-)
mporwoll 09.09.2017
3. Vor meinen Augen...
... sehe ich schon die Kommentare zu diesem kleinen, aber feinen Gedankenspiel. Deshalb von mir als Mann, und Fleischwurst (ohne Knoblauch bitte): ja, ist doch genau so! Seien wir doch mal ehrlich, wer ist diesem steten Lauf [...]
... sehe ich schon die Kommentare zu diesem kleinen, aber feinen Gedankenspiel. Deshalb von mir als Mann, und Fleischwurst (ohne Knoblauch bitte): ja, ist doch genau so! Seien wir doch mal ehrlich, wer ist diesem steten Lauf irgendwelchen abstrakten Vorstellungen gerecht zu werden nicht leid? Das wirklich deprimierende ist, dass es durchaus einigen vollkommen transparent ist, wie das alles funktioniert man(n) aber trotzdem mitmacht. Gilt für Frau im übrigen natürlich auch. Am Ende der Diskurse angelangt hilft vielleicht nur schweigen oder anbellen.
chrismuc2011 09.09.2017
4.
Wann hören Frauen endlich auf damit Männer zu bereden, sich gar in sie einfühlen zu wollen? Das ist Mansplaining der übelsten Sorte. Kümmert Euch um Selbstbefruchtung, Linksfahren, Kinder als persönlichen Besitz dem Vater [...]
Wann hören Frauen endlich auf damit Männer zu bereden, sich gar in sie einfühlen zu wollen? Das ist Mansplaining der übelsten Sorte. Kümmert Euch um Selbstbefruchtung, Linksfahren, Kinder als persönlichen Besitz dem Vater entziehen und weitere Abgrenzung vom Mann, bis Ihr das Matriarchat geschafft habt, oder aber, besser noch die Männer ausgerottet habt. Aber ausschließlich! Wehe ein Mann würde das umgekehrt versuchen, da wäre die emanzipierte Hölle los! Diese weitab von Deutschland und der normalen Bevölkerung lebende Exilostdeutsche am Züricher See sollte sich lieber um sich selbst kümmern.
schoenwetterschreiberling 09.09.2017
5. You made my day!
Ein Prost allen Männern da draußen! Denn solange Frau Berg solche Kolumnen schreibt, kann ich gar nicht anders, als den Penisneid der Dame mit Stolz, Fassung, Humor und Gnade zu ertragen. Long story short: Es ist der Hammer, ein [...]
Ein Prost allen Männern da draußen! Denn solange Frau Berg solche Kolumnen schreibt, kann ich gar nicht anders, als den Penisneid der Dame mit Stolz, Fassung, Humor und Gnade zu ertragen. Long story short: Es ist der Hammer, ein Mann zu sein!
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