24.02.2009
Berliner Galerien
Das Ende der Arroganz
Von Ingeborg WiensowskiWie sieht es in Zeiten der Krise wohl in den Galerien der Kunst-Hauptstadt Berlin aus? Ist die Finanzkrise in der Stadt mit der größten Galeriendichte zu spüren, in der vor rund 15 Jahren die ersten Kunstverkaufspioniere ihre Schauräume klein und bescheiden in Ladengeschäften, Wohnungen, Hausfluren, Hinterhöfen und in heruntergekommenen Gebäuden eröffneten, eine Messe anschoben und nach und nach internationale Sammler nach Berlin holten?
Aus den meisten sind heute Big Player geworden, gewachsen mit der Popularität der zeitgenössischen Kunst und dem weltweiten Kunstboom der vergangenen Jahre. Sie sind umgezogen, in die neue Mitte, in professionelle White Cubes, in glamouröse Architektenvillen, in hohe Hallen und renovierte Galerie-Zentren. Sie haben den Messe-Wahnsinn, den Super-Kunststar-Rummel, die Sammlerhysterie und die Preispolitik des Marktes mitgemacht. Und allen ging es glänzend.
Noch in den vergangenen Monaten wuchs die Berliner Szene um etablierte Galerien aus Köln, Düsseldorf, Karlsruhe und München. Einige kamen ganz, andere machten eine Dependance auf - meist eindrucksvoll, riesengroß - und teuer.
Und jetzt: die Krise. Spürbar, aber noch kann vom totalen Zusammenbruch des Kunstmarktes, von Totentanz und Apokalypse keine Rede sein.
Die Vermarktung der zeitgenössischen Kunst als Ware sei vorbei, aber man begrüße das Ende der Überhitzung des Marktes, heißt es allgemein in den großen, erfolgreichen Galerien. Man sei froh über den Rückzug der Spekulanten, die ein gerade gekauftes Werk oft gleich beim Auktionshaus zum Weiterverkauf ablieferten und damit jede gesunde Preispolitik kaputt gemacht hatten.
Über die Glaubwürdigkeit solcher Versicherungen darf spekuliert werden, denn haben nicht alle, Künstler, Galeristen, Sammler und Auktionshäuser, das Spiel gekannt und mitgemacht? Haben sie nicht akzeptiert, dass die Kunst wie jedes andere Luxusgut marktgerecht auf Messen und Auktionen angeboten wurde und haben sich Galeristen nicht stolz mit Verkäufen kurz nach oder manchmal schon vor der Eröffnung gebrüstet?
Ja, der Markt sei außer Rand und Band gewesen, aber der Kunst selbst habe das nicht schaden können, so der allgemeine Konsens.
Und nun sei man froh, dass das Entertainment zu Ende ist, dass die Kunst-Shopper verschwunden sind. Man hoffe auf die Wiederbesinnung auf eine Ethik, auf sammelnde Idealisten und auf eine endlich wieder mögliche inhaltliche Beschäftigung mit der Kunst.
Hört sich gut an, aber im Moment scheint die "Rückbesinnung auf die Werte" eher ein Härtetest für viele Galerien zu sein.
Für Friedrich Loock zum Beispiel, der gerade seine Stammgalerie "Wohnmaschine" in der Tucholskystraße geschlossen hat und nur noch einen Raum in der "Halle am Wasser" betreibt. Erst im Mai 2008 wurde die Halle als neuer Standort für sechs Galerien eröffnet, direkt hinter dem Museum "Hamburger Bahnhof". Loock hat zusammen mit einem Kollegen das Konzept für die Eigentümer entwickelt und alle Räume wurden sofort vermietet. Jetzt hat gerade die erste Galerie geschlossen: Bodhi Art aus Indien hat zugemacht, nicht nur die Dependance in Berlin, sondern auch alle anderen in New York, Singapur und Delhi. Man ziehe sich nach Mumbai zurück. Probleme mit der Weitervermietung gibt es nicht, genügend Bewerber sind da, trotz der Krise.
Probleme scheint es auch in der Galerie Arndt und Partner zu geben, sie hat einige Leute entlassen, und wird künftig nur noch in der Halle am Wasser ausstellen, nicht mehr in den Räumen in der Zimmerstraße. Auch die Büros in New York und Zürich werden umstrukturiert - das sei einfach ein anderes Konzept und habe mit der Krise nichts zu tun, so die offizielle Begründung.
