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16.08.2009
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Tageskarte Küche

Zeig, was in dir steckt!

Von Hobbykoch Peter Wagner

Warum ist das Cordon bleu, dieses Schinken-Fleisch-Monster, immer noch so beliebt? Weil so viel drin steckt! Kulinarische Verpackungskünste kann man aber auch leichter zelebrieren.

Auch Menschen, die noch nie im Leben Zeit mit dem Zählen von Energiewerten im Essen vergeudet haben, verspüren nach dem Genuss eines mit Käse und Schinken gefüllten Schnitzeldoppeldeckers samt Kartoffelbeilagen eher den Drang nach einem Verdauungsschläfchen als nach beruflichen Herausforderungen. Kein Wunder, sorgt doch schon das unbegleitete, in Butterschmalz gebratene Cordon bleu mit einem Kampfgewicht von etwa 200 Gramm für heftige 600 Kilokalorien - gut ein Viertel davon ist pures Fett.

Dass diese Bombe dennoch sogar an heißen Sommertagen gern bestellt wird, liegt eher an seiner Fähigkeit, frühkindliche Assoziationen zu wecken: Das Cordon bleu ist das Tellergericht gewordene Versteckspiel.

Kleinere Dinge in größeren zu verstecken, das war schon immer ein Lieblingsspiel auch von großen Kindern jenseits der 20, die glauben, das Erwachsenwerden damit noch ein bisschen aufschieben zu können.

Schon der römische Schriftsteller Petron berichtet in seinem "Satyricon" davon, dass bei den legendären Festmahlen des amoralischen, ungebildeten, aber schwerst vermögenden Trimalchion stets Gerichte im Vordergrund standen, die wie Babuschka-Puppen mehrfach ineinander gesteckt waren.

So ließen die Köche dieses neureichen Kulturbanausen gern gebratene Wildschweine mit kleineren Teig-Schweinchen füllen, die ihrerseits mit Blutwürsten ausgestopft waren.

Füllungen in Fleisch- oder Fischgerichten haben seit jeher nicht nur die Aufgabe, einen gleichmäßigen Gargrad möglich zu machen (zum Beispiel beim Gänsebraten), die Speise von innen mit weiteren Aromen zu würzen oder sie mit zusätzlichen Texturen zu ergänzen (weiche Feigen in der bissfesten Schweinelende; knackige Pistazienkerne im weich gedünsteten Fisch). Auch Spieltrieb und Entdeckerdrang sollen nicht zu kurz kommen.

Wohl deshalb verstecken Griechen gern Schafskäse im Bifteki, Sterneköche Trüffelscheiben unter der Perlhuhnhaut, der Dominikaner Zickleinfleisch in seinen Catibias aus Maniokmehl, die Indonesier kleine Shrimps in ihren Udang-Besar-Riesengarnelen, der Chinese den Frühling in seinen frittierten Teigrollen. Oder gar das Glück in den Keksen.

Klassisches Schweine-Cordon-bleu zaubert dagegen eher Speck auf die Hüften. Wer aus beruflichen Gründen weniger als mehrere hundert Kilo Baumaterial pro Tag stemmen muss und noch dazu lieber fein ausbalancierte Aromen an seinen Gaumen lässt, braucht dennoch nicht auf das Ausleben seines Forscherdranges zu verzichten. Im heutigen Rezept verschmelzen wir das Prinzip Cordon bleu mit der Leichtigkeit der asiatischen Küche.

Wir füllen ein Thunfischsteak mit mildem Bioräucherlachs und kurz gedünstetem Jakobsmuschelfleisch. Dazu gibt's federleichte Wasabigurkenspaghetti und - in Anlehnung an den auf 55 Grad erwärmten vergorenen Reiswein, der in Japan als Aperitif gereicht wird - auf ebenfalls exakt 55 Grad erhitzte Sake-Geleewürfel.

Diese Interpretation dürfte auch ganz im Sinne der "Le Cordon bleu" sein - jener elitären Kochschule aus Frankreich, die in 15 Ländern der Erde jährlich über 15.000 junge Köche ausbildet und dabei stets auch großen Wert auf zeitgemäß-leichte Zubereitungsarten legt

Noch leichter als unser Thunfisch-Versteckspiel ist eigentlich nur der koshere "gefillte Fisch". Aber die jüdischen Bällchen aus gemahlenem Fisch klingen nur so ähnlich. Gefüllt ist da nix.

Forum

Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
1. keine Ahnung
Fred Frosch 16.08.2009
Der Mann hat wohl noch nie ein wirklich gutes Cordon Bleu gegessen, geschweige selbst zubereitet. Von wegen Schinken - Fleisch Monster. Nicht die Masse machts - sondern die Klasse !!
Der Mann hat wohl noch nie ein wirklich gutes Cordon Bleu gegessen, geschweige selbst zubereitet. Von wegen Schinken - Fleisch Monster. Nicht die Masse machts - sondern die Klasse !!
2. weitere Verfeinerung
lorn order 16.08.2009
Wenn schon der Sake als Gelee gereicht wird, sollte der Wein vielleicht noch mit Süßer Chilisauce (aus dem Asia Shop) gewürzt und als Eis serviert werden. (Bitte auf exakt -18 Grad kühlen, denn die Temperaturdifferenz zum [...]
Wenn schon der Sake als Gelee gereicht wird, sollte der Wein vielleicht noch mit Süßer Chilisauce (aus dem Asia Shop) gewürzt und als Eis serviert werden. (Bitte auf exakt -18 Grad kühlen, denn die Temperaturdifferenz zum Sakegelee beträgt dann exakt 73 Grad. Das ist eine Primzahl und steigert daher die Bekömmlichkeit und den Genuss) Für das Dessert sollten mit einem scharfen Sparschäler (natürlich aus der Klinge eines mindestens 400 Jahre alten Katana geschmiedet) die Pits von den CDs von Willie Nelson und Calle Real abgezogen werden. Peter Wagners Artikel wird auf Esspappier ausgedruckt, klein geschnitten und zusammen mit den Pits und reichlich Agar Agar als schmackhafter Brei zubereitet.
3. lol
mavoe 16.08.2009
Aber sein Rezept sieht trotzdem Klasse aus. Werde es mal zu gegebenem Anlass versuchen nachzukochen. Dann nenne ichs aber nicht "Cordon Bleu", um Gottes Willen (")°-°(")
Zitat von Fred FroschDer Mann hat wohl noch nie ein wirklich gutes Cordon Bleu gegessen, geschweige selbst zubereitet. Von wegen Schinken - Fleisch Monster. Nicht die Masse machts - sondern die Klasse !!
Aber sein Rezept sieht trotzdem Klasse aus. Werde es mal zu gegebenem Anlass versuchen nachzukochen. Dann nenne ichs aber nicht "Cordon Bleu", um Gottes Willen (")°-°(")
4. "vegetarische Gelatine von Sosa"
Marmitako 16.08.2009
Es ist wirklich schade, dass diese Rezepte immer wieder Zusatzstofforgien von Sosa, Texturaselbulli oder ähnlichen Marken enthalten. Vegetarische Gelatine von Sosa enthält neben dem bei Bodybuildern beliebten Maltodextrin etwas [...]
Es ist wirklich schade, dass diese Rezepte immer wieder Zusatzstofforgien von Sosa, Texturaselbulli oder ähnlichen Marken enthalten. Vegetarische Gelatine von Sosa enthält neben dem bei Bodybuildern beliebten Maltodextrin etwas Dextrose, dazu E410, E331 sowie das nicht unumstrittene E 407: Diese sog. Carragene gelten schon in geringen Dosen von 0,1 g täglich als krebserregend. Siehe dazu z.B. die Beiträge von Dr. Joanne K. Tobacman (http://www.ehponline.org/docs/2001/109p983-994tobacman/abstract.html). Nach neueren Forschungen von 2008 kommt es für die Krebs erregende Wirkung nicht darauf an, ob die Carragene in degradierter oder nicht degradierter Form vorkommen (so etwa: Tobacman, Bhattacharyya, Borthakur und Dudeja). Muss die Spon-Redaktion Lebensmittelzusatzstoffe wirklich in Wohlfühlworte (Metil, Iota, Glice, vegetarische Gelatine) rollen, wenn diese zum Kochen empfohlen werden?
5. Ach...
mavoe 16.08.2009
...seien Sie doch nicht so penibel. Außerdem werde ich das Rezept auch nicht EXAKT nach Angabe nachkochen wollen. Es ist nue eine Idee welche allerdings sehr interessant ist. Ich ernähre mich sowieso hauptsächlich [...]
Zitat von MarmitakoEs ist wirklich schade, dass diese Rezepte immer wieder Zusatzstofforgien von Sosa, Texturaselbulli oder ähnlichen Marken enthalten. Vegetarische Gelatine von Sosa enthält neben dem bei Bodybuildern beliebten Maltodextrin etwas Dextrose, dazu E410, E331 sowie das nicht unumstrittene E 407: Diese sog. Carragene gelten schon in geringen Dosen von 0,1 g täglich als krebserregend. Siehe dazu z.B. die Beiträge von Dr. Joanne K. Tobacman (http://www.ehponline.org/docs/2001/109p983-994tobacman/abstract.html). Nach neueren Forschungen von 2008 kommt es für die Krebs erregende Wirkung nicht darauf an, ob die Carragene in degradierter oder nicht degradierter Form vorkommen (so etwa: Tobacman, Bhattacharyya, Borthakur und Dudeja). Muss die Spon-Redaktion Lebensmittelzusatzstoffe wirklich in Wohlfühlworte (Metil, Iota, Glice, vegetarische Gelatine) rollen, wenn diese zum Kochen empfohlen werden?
...seien Sie doch nicht so penibel. Außerdem werde ich das Rezept auch nicht EXAKT nach Angabe nachkochen wollen. Es ist nue eine Idee welche allerdings sehr interessant ist. Ich ernähre mich sowieso hauptsächlich "normal" vegetarisch, ohne Schnickschnack. Pasta, Kichererbsen, Kartoffeln, Obst, Gemüse und Salate... Und wenn mal, bei gegebenem Anlass, Fisch und/oder Meeresfrüchte angesagt sind, dann kann das bei mir auch exklusiver sein.
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