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24.02.2012
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Nazi- und Beutekunst

Tscheche hat angeblich Hitler-Sammlung entdeckt

AP

Adolf Hitler: Stalingrad-Bild als Lieblingsgemälde?

Propagandaschwarten wie "Erinnerung an Stalingrad", aber auch Beutekunst aus dem Besitz der Familie Rothschild: Im tschechischen Kloster Doksany hat ein Publizist angeblich Werke aus der Sammlung Adolf Hitlers entdeckt.

Hamburg/Prag - Ein tschechischer Publizist behauptet, in einem Kloster sieben Bilder aus der privaten Sammlung von Adolf Hitler gefunden zu haben. Die Gemälde hätten einen Wert von umgerechnet rund zwei Millionen Euro, sagte Jiri Kuchar am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Seinen Angaben zufolge waren sie Teil einer Sammlung bestehend aus 45 Gemälden, 30 Statuen, einem Schreibtisch und einigen Geschenken. Kuchar will die Bilder im vergangenen Juli im Kloster Doksany, rund 50 Kilometer nördlich von Prag, entdeckt haben.

Kuchar hatte nach Angaben von AFP vor fünf Jahren die Suche nach der Sammlung aufgenommen, schickte DVDs mit Fotos der Kunstwerke zu Einrichtungen, die ihm möglicherweise Hinweise hätten liefern können, und beobachtete Auktionen. Zwei Statuen seien beispielsweise in den vergangenen Jahren in Deutschland und Großbritannien versteigert worden, sagte er.

Das Kloster will nichts über den Ursprung der Bilder gewusst haben

Während des Zweiten Weltkriegs seien die Bilder zusammen mit zwei größeren Kunstsammlungen im südtschechischen Kloster Vyssi Brod eingelagert worden. Teile der Sammlung stammten angeblich aus dem von den Nazis beschlagnahmten Besitz des jüdischen Bankiers Fritz Mannheimer und der Familie Rothschild. Nach dem Krieg hätten US-Soldaten die beiden Sammlungen nach München gebracht. Über Umwege seien sie schließlich im Kloster Doksany gelandet.

Wie die britische Tageszeitung "The Telegraph" berichtet, soll sich unter den Bildern auch Franz Eichhorsts Propagandagemälde "Erinnerung an Stalingrad" befinden. Es zeigt verwundete deutsche Soldaten, die in einem Schützengraben Deckung suchen - trotz der verheerenden Niederlage der Wehrmacht in der Schlacht um die sowjetische Stadt habe das Werk zu den Lieblingsgemälden Hitlers gehört. 1943 zeigten die Nazis Eichhorsts Bild in ihrer so genannten Großen Deutschen Kunstausstellung.

Laut Zeitungsbericht habe das Kloster in einer Stellungnahme angegeben, nichts über den dunklen Ursprung der Gemälde gewusst zu haben. Es beabsichtige aber, sie zu behalten.

Die Entdeckung des Historikers Kuchar könnte indes noch weitere Überraschungen bereit halten. Der Publizist habe laut "Telegraph" erklärt, dass die Sammlung vor ihrem Verschwinden 16 Bilder umfasst hätte. Wenn das stimmt, würde dies bedeuten, dass neun weitere Gemälde bislang noch unentdeckt wären - und vorerst vermutlich auch nicht auftauchen werden: "Ich habe das Gefühl," sagte der Historiker der Zeitung zufolge, "dass viele Orte unwillig sein werden, zuzugeben, dass ihre Kunstwerke diesen unglücklichen historischen Makel tragen."

sha/bos/AFP

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