24.04.2012
Murdoch junior sagt aus
Ein bisschen Reue - und wenig Durchblick
James Murdoch (Archivbild): "Habe mich nicht eingemischt, was in die Zeitung kommt"
Rupert Murdochs Sohn James hat im Skandal um die Zeitung "News of the World" erneut beteuert, vom Ausmaß der illegalen Recherchemethoden dort nichts gewusst zu haben. Es sei ihm glaubhaft versichert worden, dass sämtliche journalistische Standards eingehalten würden, sagte der 39-Jährige am Dienstag vor einer Kommission zur Neuordnung des britischen Pressekodex in London.
Unter Eid sagte er zudem aus, sich mehrfach mit wichtigen Politikern getroffen zu haben, unter anderem zwölfmal mit dem heutigen Premierminister David Cameron. Gespräche gab es auch mit dem heutigen Schatzkanzler George Osborne und Außenminister William Hague, während deren konservative Partei noch in der Opposition war. Diese Treffen seien aber nicht von großer Bedeutung gewesen. "Ich habe nicht sehr viel Zeit mit Politikern verbracht", sagte Murdoch.
Zwar sei er in engem Kontakt mit Jeremy Hunt gewesen, dem Minister, der über die Komplettübernahme des Fernsehsenders BSkyB zu entscheiden gehabt hätte - ein Thema, über das er auch bei einem Dinner nebenbei mit Cameron gesprochen habe. Vehement stritt er jedoch den Verdacht ab, er habe den Einfluss der ihm ehemals unterstellten Boulevardzeitungen genutzt, um die Regierungsentscheidung zu beeinflussen. Überhaupt: Politik habe er eher seinem Vater und den Chefredakteuren überlassen.
James Murdoch hatte 2007 die britische News International (NI), eine Tochter von Rupert Murdochs Medienkonzern News Corporation, übernommen. Damals sei er der Auffassung gewesen, Bespitzelung sei eine "Sache der Vergangenheit". Für juristische und ethische Fragen sei vor allem der Chefredakteur verantwortlich gewesen. Er habe sich nicht eingemischt bei dem, "was in die Zeitung kommt", sagte er.
Bei den mittlerweile eingestellten "News of the World" waren unter anderem Anrufbeantworter von Prominenten, aber auch Opfern von Straftaten angezapft worden. Zu NI gehört auch die "Sun", gegen die ebenfalls Untersuchungen wegen Verstößen gegen das Gesetz und den Pressekodex laufen.
Im Nachhinein habe er sich selber oft gefragt, warum er nicht über die Vorgänge informiert worden sei, als er den Posten angetreten habe. Murdoch junior spekulierte, dass die Top-Manager bei NI deshalb nichts sagten, weil sie befürchteten, dann den Auftrag zu bekommen, "den Krebs herauszuschneiden". "Es gab wohl das Bedürfnis, das nicht zu tun", erklärte Murdoch.
James und sein Vater Rupert Murdoch hatten vergangenes Jahr bereits vor einem Ausschuss des Parlamentes ausgesagt und dabei ebenfalls abgestritten, über das Ausmaß der Bespitzelung Bescheid gewusst zu haben. Der 81 Jahre alte Medienmogul Rupert Murdoch wird an diesem Mittwoch und Donnerstag vor der von Lordrichter Brian Leveson geleiteten Kommission erwartet, die die Presseethik neu festschreiben soll.
James Murdoch war im Februar als Verwaltungsratschef von NI zurückgetreten, kurz darauf hatte er sein Amt als Chef des Verwaltungsrats beim Fernsehkonzern BSkyB niedergelegt. "Ich dachte, es wäre das Beste, wenn ich keine Ablenkung mehr bin", begründete er die Schritte am Dienstag vor der Kommission. Auch habe er in dem Skandal nicht der "Blitzableiter" werden wollen.
Murdoch gab erneut zu, dass NI die juristischen Risiken nicht erkannt habe, die die Zeitungen beim Versuch, an Geschichten zu kommen, eingegangen seien. Mit dem Wissen, das er heute über "die Arbeitskultur bei 'News of the World' im Jahr 2006" habe, könne er sagen: Er bereue vieles.
feb/dpa/Reuters