30.04.2012
DDR-Kopien von Gesellschaftspielen
"Dieser Witz bringt ein Jahr Planerfüllung"
Hamburg/Berlin - Butterdosen als Spielfiguren, die Rückseite eines Schnellhefters als Spielbrett und Ereigniskarten wie "Dieser politische Witz bringt Ihnen ein Jahr Planerfüllung": Wer in der DDR seinen Kindern mit "Monopoly" und anderen westdeutschen Gesellschafts- und Brettspielen eine Freude machen wollte, musste kreativ sein. Die waren nämlich verpönt - und heimliches Einschleusen der Spiele vom "Klassenfeind" BRD in den Osten sehr gefährlich. So legten Bürger aus dem Osten eben selbst Hand an Schere, Leim und Knete und bastelten sich Kopien.
Die Berliner Medienschaffenden Richard Geis und Martin Thiele sammelten über Jahre hinweg die liebevoll angefertigten Spiele-Kopien aus der DDR und präsentieren ihre 60 Werke umfassende Sammlung ab dem 5. Mai 2012 im Deutschen Spielemuseum in Chemnitz. Im Herbst soll eine Ausstellung im Deutschen Spielearchiv Nürnberg folgen.
Geis und Thiele war es eine Herzensangelegenheit, die nachgemachten Spiele vor dem Verfall zu retten und der Nachwelt zugänglich zu machen. Als nach der Wende der Weg frei war für die Originale aus Westdeutschland landeten viele der Spiele-Kopien im Müll. Ein Unding, findet Richard Geis: "Die Menschen hatten und haben kein Bewusstsein dafür, dass sie etwas Besonderes besitzen."
Mit diesem Besonderen ist auch Geis selbst aufgewachsen. Seine Mutter schenkte ihm 1982 zu Weihnachten eine selbstgebastelte Kopie des Spiels "Sagaland". Abgeschaut bei Nachbarn, die das Original von Westfreunden hatten, zeichnete sie mit Wachsmalstiften auf einen Schnellhefter ein Städtchen als Startpunkt, einen Wald als Spielfläche und ein Schloss als Kartenstapel. 30 Jahre später ist es das erste Stück in der Sammlung von Geis und Thiele.
tre/dapd

