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16.12.2012
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S.P.O.N. - Helden der Gegenwart

Hallo Post! Hallo ADAC!

Eine Kolumne von Silke Burmester

Manchmal sind Dinge so gut, dass es quasi ein Muss ist, sie zusammenzubringen. Heidelbeeren und Pfannkuchen zum Beispiel. Oder Männer und Frauen. In eurem Fall sind es eure Kernkompetenzen: Verschicken (Post) und heil machen (ADAC).

Eure Idee: Ihr macht ein Busunternehmen auf und bringt Leute von A nach B. Jetzt, wo das Fernstreckenmonopol der Bahn fällt, ist das wirklich etwas, auf das man kommen muss.

An den Schaltern der Post, in den Filialen, können die potentiellen Passagiere Informationen erhalten, ein Ticket kaufen und abfahren, sagt ein Sprecher vom ADAC.

Konnte ich dort früher nur meinen Briefverkehr regeln, werde ich seit ein paar Jahren immer auch gefragt, ob ich mit meinem Stromversorger zufrieden bin, ob ich sicher bin, dass meine Rente sicher ist oder ob ich eine neue Brille brauche. Gut, das nicht. Aber wenn die alten Damen nicht immer so lang bräuchten, sich zwischen den Modellen, die alle gleich aussehen, zu entscheiden, würde die Post den Leuten auch Sehhilfen andrehen, garantiert. Und nun Fahrkarten für den Busservice. Die Busse, so sagt ihr, würden an den Filialen halten und die Leute mitnehmen. Oder aussteigen lassen.

Ich stell mir das jetzt mal vor: Die Oma ist da, und ich würde sie nach Weihnachten gern wieder nach Hause schicken. Dann lauf ich mit ihr durchs Viertel und stelle fest: Postfiliale - das war mal. Die ist geschlossen. Die Post beziehungsweise der Briefmarkenhandel und das Aufgeben von Einschreiben sind jetzt in "Udos Hundesalon" untergebracht, wo man auch einen Bodenschleifer mieten kann. Ich also mit Oma die Treppen hoch und Udo sagt: "Nee, ich bin ja keine Paketannahmestelle, bei mir gibt es nur kleine Postsachen. Briefe, Postkarten, alles was in den Schlitz passt." Die Oma wiegt zwar nicht mehr viel, aber in den Schlitz passt sie nun wahrlich nicht. "Aber", sagt Udo, "es gibt doch jetzt Paketstationen. Vollautomatisch. Wo man Sendungen abgibt und abholt. Die sind vielleicht gemeint." Und tatsächlich, irgendwo im Stadtteil, meist neben einem Hochhaus, hat die Post so einen Automaten aufgestellt. Aber die Oma passt auch hier nicht rein, und ein Bus ist auch nicht angekündigt.

Wo wird Oma aus dem Bus gekippt?

Das andere, was mir Sorge macht, ist die Beschaffenheit der Oma bei ihrer Ankunft. Wenn ich in der Vergangenheit sicher gehen wollte, dass Wertgegenstände nicht ankommen, hab ich sie mit der Post verschickt. Wie oft habe ich in den letzten fünf Jahren Briefe bekommen, die an der Seite so einen feinen Schnitt hatten? Dreimal. Bei der Post hieß es, da hätte sich wohl die Sortiermaschine verhakt. Nun stell ich mir vor, ich vertraue die Oma der Post und ihrem Bus an. Womit muss ich dann rechnen, wenn sie zu Hause ankommt? Kann ich davon ausgehen, dass noch alle Organe drin sind? Oder die Taschen von der Oma noch ungeöffnet sind? Ich weiß nicht, wie die das bei der Post machen, aber es sind natürlich immer nur die Briefe offen, in denen auch was Tolles drin war. Geld zum Beispiel. So eine handelsübliche Oma hat ja auch Geld bei sich. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Oma zusammen mit dem Geld ankommt? Und wie lange ist sie unterwegs? Muss ich, wie bei so mancher Postsendung damit rechnen, dass die alte Dame selbst bei einer überschaubaren Strecke tagelang durch die Gegend juckelt? Und wo kommt sie an? Wo wird sie aus dem Bus gekippt? An welcher zugigen DHL Packstation öffnen sich die Türen und unsere Oma wird abgesetzt?

Und was ist, wenn ich mich beschweren will, weil vielleicht doch nicht alles vollständig ankommt? Heißt es dann auch: Diebstahl, das könne nicht sein. Die Oma hätte sich verhakt? Und was, wenn ich, wie in den anderen Fällen, nie wieder etwas von der Post höre? Wenn mein Nachforschungsantrag ohne Resonanz bleibt?

Immerhin, so könnte man sich trösten, ist der ADAC dabei. Die gelben Engel. Die Einrichtung, der die Deutschen mehr vertrauen als ihren Ehepartnern. Sie scheint als vertrauensbildende Maßnahme für dieses Post-Unternehmen gedacht zu sein. Und wirklich - man kann davon ausgehen, dass die Busse fahren, wenn der ADAC sein Auge drauf hat. Anders als bei der Bahn, die ständig einfach stehen bleibt. So mittendrin im Nirgendwo. Und weil da kein Engel ist, nirgends, kann die dann meist nicht repariert werden, und es muss eine andere Lok kommen. Deren Schaffner ist aber grade noch an der Ostsee, um dort einen anderen Zug abzuholen, der auch liegengeblieben ist, weswegen die Verantwortlichen sich nach drei Stunden entschließen, ein Busunternehmen loszuschicken, um die Passagiere, die ohne Bordbistro und Heizung seit 4,5 Stunden ausharren, einzusammeln.

Für dich, ADAC, ist der ADAC-Post-Bus insofern ein gefundenes Fresschen, als dass du mit jeder Fahrkarte eine Versicherung verkaufen könntest. Vor allem gegen Verlust und Verspätung. Immerhin ist das eine deiner Kernkompetenzen deinen ADAC-Mitgliedern gegenüber, sie gegen die Unwägbarkeiten des Unterwegsseins abzusichern.

Insofern verstehe ich, wenn Ihr sagt: "Das kann aus unserer Sicht eine runde Sache werden!" Das kann es aus meiner auch. Total rund. Hier fügt der Mensch zwei Dinge zusammen, die Gott vergessen hat zusammenzuführen. Das ist fast so eine gute Kombi wie Eis und Wurst.

Forum

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insgesamt 25 Beiträge
1. eine Frage der Zeit, ...
b42b 16.12.2012
alles nur eine Frage der Zeit, haben Sie Geduld, und fahren Sie doch mit der Oma mit ... Wo zwei oder drei ...
alles nur eine Frage der Zeit, haben Sie Geduld, und fahren Sie doch mit der Oma mit ... Wo zwei oder drei ...
2. Schöner Artikel - entspricht voll der Wahrheit.
wp40548 16.12.2012
Ich habe hier in Düsseldorf nach diversen Mahnungsbriefen über (berechtigte) Rechnungen, die ich nie bekommen habe meinen Rechnungsschreibern geantwortet: Schickt mir das bitte als email! Die Briefträgerin, die ich darauf [...]
Ich habe hier in Düsseldorf nach diversen Mahnungsbriefen über (berechtigte) Rechnungen, die ich nie bekommen habe meinen Rechnungsschreibern geantwortet: Schickt mir das bitte als email! Die Briefträgerin, die ich darauf angesprochen habe, konnte nur sagen, das sie es nicht nachvollziehen können wo diese Briefe bleiben. Wäre aber wahrlich kein Einzelfall.
3. DAS Weihnachtsgeschenk
ThomasH001 16.12.2012
So ein Ticket wäre doch das Weihnachtsgeschenk für - Schwiegermütter - unliebsame Nachbarn - Ex- und Noch-Partner und und und ;-)
So ein Ticket wäre doch das Weihnachtsgeschenk für - Schwiegermütter - unliebsame Nachbarn - Ex- und Noch-Partner und und und ;-)
4. Die Post
Ruler 16.12.2012
findet zurück zu alten Betätigungsfelden, prima. Wenn die Kraftstoffkosten weiter steigen, und das werden sie, könnten Postkutschen wieder attraktiv werden.
findet zurück zu alten Betätigungsfelden, prima. Wenn die Kraftstoffkosten weiter steigen, und das werden sie, könnten Postkutschen wieder attraktiv werden.
5.
herr wal 16.12.2012
Ich gehe davon aus, dass Udo’s HundeSalon dann auch seine MobilFiliale hinten im Bus haben wird. Da kann Fiffi dann ein Begleiterticket lösen und die Reisezeit sinnvoll nutzen, während Herr/Frauchen auf dem Smartfoun sörft!
Zitat von sysopManchmal sind Dinge so gut, dass es quasi ein Muss ist, sie zusammenzubringen. Heidelbeeren und Pfannkuchen zum Beispiel. Oder Männer und Frauen. In eurem Fall sind es eure Kernkompetenzen: Verschicken (Post) und heil machen (ADAC). Post und ADAC als Busunternehmer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/post-und-adac-als-busunternehmer-a-873006.html)
Ich gehe davon aus, dass Udo’s HundeSalon dann auch seine MobilFiliale hinten im Bus haben wird. Da kann Fiffi dann ein Begleiterticket lösen und die Reisezeit sinnvoll nutzen, während Herr/Frauchen auf dem Smartfoun sörft!

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