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16.01.2013
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Kunst-Krimi

Ist dieser "Putto" wirklich ein Klimt?

dapd

Präsentation an der Uni Hannover: Das angebliche Klimt-Gemälde "Der trompetende Putto"

Eine Kunst-Analyse wie eine Mars-Mission: Wissenschaftler wollen ein vermeintliches Klimt-Gemälde mittels Weltraumtechnik untersuchen. Chemische Analysen haben bereits eine Datierung möglich gemacht - und schreiben das umstrittene Werk der Zeit des Malers zu.

Mainz/Hamburg - Ein Vierteljahrhundert lang galt das Gemälde "Der trompetende Putto" als verschwunden - bis es im vergangenen Sommer in Oberösterreich wieder aufgetaucht ist. Jetzt wollen Naturwissenschaftler das Bild, das angeblich aus dem einstigen Wiener Wohnhaus des Malers Gustav Klimt stammen soll, näher untersuchen und es gemeinsam mit Kunsthistorikern auf seine Echtheit hin überprüfen.

Das Werk sei nach dem Zweiten Weltkrieg übermalt worden, sagte der Entdecker und Kunsthändler Josef Renz am Mittwoch. Das habe eine erste wissenschaftliche Untersuchung an der Leibniz Universität Hannover gezeigt. Doch erst nach einer Restaurierung könnten Kunsthistoriker sagen, ob es sich um einen echten Klimt, ein Werk seines Bruders Ernst oder eines anderen Malerfreundes handele. Der Klimt-Fachmann Alfred Weidinger, Vizedirektor des Wiener Belvedere, der Zweifel an der Echtheit geäußert hatte, solle das Gemälde erneut prüfen.

Laut ersten Untersuchungen passe das wiederaufgefundene Gemälde "Der trompetende Putto" sowohl in die Schaffenszeit von Klimt als auch in die Region Wien, erklärte der Hannoveraner Universitätspräsident Erich Barke. Chemiker an der Universität hätten bereits Eisenverbindungen auf dem Kunstwerk festgestellt, die eine ungefähre Datierung möglich machten. Der Streit um die Urheberschaft des kreisrunden Gemäldes hingegen kann von den Naturwissenschaftlern an der Universität nach eigenem Bekunden nicht geklärt werden. Man könne nur "wissenschaftliche Unterstützung" liefern, sagte Barke.

Das Bild kommt am Donnerstag nun für weitere Untersuchungen einen Tag lang an die Johannes Gutenberg-Universität nach Mainz. Dort sollen Strahlenmessgeräte eingesetzt werden, die nicht nur Marsgestein analysieren können, sondern auch feinste Malereien. An den interdisziplinären Arbeiten zu dem Werk sind auch Kunsthistoriker, Physiker, Chemiker und Kriminologen des Landeskriminalamtes Niedersachsen beteiligt.

bos/dpa/dapd

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