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27.01.2013
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Asia-Vorspeise als Dessert

Süße Fettröllchen hast Du da!

Von Hobbykoch
Peter Wagner

Ein bisschen Spaß muss sein, gerade beim Essen. Besonders witzig wird es zum Beispiel, wenn unsere Augen ein herzhaft-deftiges Gericht erblicken - das sich dann als süßer, schwergewichtiger Nachtisch herausstellt. Wie dieser Asia-"Vorspeisen"-Teller.

Wie lange darf mein seinen Mitmenschen ein "Gutes Neues Jahr" wünschen? Bis Heilig Dreikönig? Ende Januar? Fasching? Weihnachten? Wie auch immer man sich entscheidet, den chinesischen Mitbürgern dürfen wir es im Moment noch gar nicht wünschen. Denn das traditionelle Jahr endet in Ostasien und unzähligen "Chinatowns" rings um den Erdball mit dem ersten Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar - das aktuell am 9. Februar ablaufende "chinesische Jahr" hatte am 23. Januar 2012 begonnen.

Wer nun vorhat, diesen wichtigsten Feiertag des Fernen Ostens gemeinsam mit asiatischen Freunden oder Bekannten zu feiern, muss sich nicht nur auf ausgedehnte Feierlichkeiten (bis allen Göttern gehuldigt ist, vergehen schnell mal fünf Tage) einstellen - wahrscheinlich werden ihm am Ende die zu fast allen Feier-Ritualen gereichten Frühlingsrollen zu den Ohren wieder heraus kommen.

Abwechslung mag es vielleicht bei Füllung (vegetarisch, Meeresfrüchte, Fleisch) und Zubereitung geben - mit etwas Glück triefen sie nicht immer vor Fett, sondern werden in eingeweichtem Reispapier eingeschlagen roh serviert wie die vietnamesische Herbstrolle oder die (wie der verdauungsfreundliche Name sagt) chinesische "Glücksrolle". Im Grunde isst man aber fast immer das Gleiche: Glasnudeln, Gemüse, Pilze, Knoblauch und Kohl, die in mehr oder minder chiliverschärfte Sojatunken oder Fischsaucen gedippt werden.

Richtig viel Spaß kann es daher machen, die Asia-Clique mal zu sich nach Hause einzuladen und ihnen "Frühlingsrollen" zusammen mit anderen klassischen "Vorspeisen" als Dessert anzubieten. Ähnliche Späßchen hatten wir ja schon mit "Sushi", "Caprese" und "Risotto" auf der "Tageskarte":

Bei den süßen "Sushi" nahmen wir Früchte wie Mango, Papaya, Kiwi, Wassermelone oder Orange statt Thunfisch, Gurke, Ingwer & Co. Den Kalorienhammer Risotto zum Dessert süßten wir mit weißer Schokolade und pürierten Blaubeeren - und beim Caprese Dolce bestanden die "Tomatenscheiben" aus geliertem Erdbeertatar, der "Käse" aus gesüßtem Quark, und das "Basilikum" war ein Pistazienpesto.

Langnasen-Spaß zum Asia-Silvester

Diesmal knöpfen wir uns für die Mimikry-Übung eine typische "China"-Vorspeisenplatte vor, mit der findige Asiaimbisspfannenrührer ihren Gästen für einen Wareneinsatz von weniger als 50 Cent pro Portion gut und gerne bis zehn Euro aus der Langnase ziehen. Denn sowohl die Zutaten (einfaches Gemüse, Fleischreste, Billig-Garnelen) als auch die Zubereitung im Frittier-Wok sind zusammen kaum mehr als zwei, drei Euro wert - und dennoch ist der Fettpressen-Mix aus Frühlingsrollen, Wan Tan, "Hummerkrabben", Dim Sum und Saté-Spießchen (na gut, wenigstens die beiden unfrittiert) mit Abstand die beliebteste Vorspeise "beim Chinesen".

Wir servieren einen Teller, der identisch aussieht, allerdings erst zum Nachtisch. Die überraschten Gäste beißen in der "Frühlingsrolle" auf Ananas und Mango-Streifen, knuspern "Wan Tan" mit Bananen-Kokos-Füllung, kauen saftige "Dim Sum" mit Lychee und frischen Erdnüssen, dazu gibt es Babybananen, die wie frittierte Hummerkrabbenschwänze aussehen und nicht minder fruchtige "Saté-Spieße". Der spiralförmig geschnitzte "Rettich" erweist sich als knackfrische Nashi-Birne, die "Sojasauce" wurde aus karamellisierten Pflaumen und der "Frühlingsrollen-Dip" aus Lycheesaft, Limette und Karambola zubereitet.

Bei aller Freude am Versteckspiel: Durch Nüsse, Zucker und das Frittieren ist dieses Dessert kein Leichtgewicht. Es sollte also zuvor eher ein wenig schweres Essen wie zum Beispiel ein großer Teller Tom Yam Gung (Suppe mit Garnelen und Pilzen) gereicht werden. Ansonsten besteht Gefahr, dass die Gäste angesichts des Suchtpotentials dieses Desserts platzen. Und wer hat nach all den Asia-Neujahrs-Feiern schon die Kraft, die Sauerei wegzuwischen?

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. Klasse!
Layer_8 27.01.2013
Ich kenn' da nochn Rezept. Nur mir fehlen dazu noch frische GROßE GRÜNE Kokosnüsse! OMG, wo krieg ich die in Deutschland her? Und für Salaks und Mangosteens hätt ich auch noch was. Naja, Birnenkompott tut's dann halt auch...
Zitat von sysopEin bisschen Spaß muss sein, gerade beim Essen. Besonders witzig wird es zum Beispiel, wenn unsere Augen ein herzhaft-deftiges Gericht erblicken - das sich dann als süßer, schwergewichtiger Nachtisch herausstellt. Wie dieser Asia-"Vorspeisen"-Teller. Hobbykoch Peter Wagner: Dessert-Rezept für Sweet Asia - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/hobbykoch-peter-wagner-dessert-rezept-fuer-sweet-asia-a-879510.html)
Ich kenn' da nochn Rezept. Nur mir fehlen dazu noch frische GROßE GRÜNE Kokosnüsse! OMG, wo krieg ich die in Deutschland her? Und für Salaks und Mangosteens hätt ich auch noch was. Naja, Birnenkompott tut's dann halt auch...
2. Ja
wortgewalt87 27.01.2013
Ich werd's nachkochen. Aber das Lästern über die unmöglichen Rezepte fehlt mir ...
Ich werd's nachkochen. Aber das Lästern über die unmöglichen Rezepte fehlt mir ...
3. Zum Verfeinern....
georgius1 27.01.2013
...noch ein Ratschlag: Selbst-geroestete Erdnuesse und dsgl. Sesam in einer Kuechenmaschine gemeinsam zermahlen - mit Salz und ohne Salz. Ohne Salz passt und verfeinert das Gemisch den Geschmack bei allem Suessen, ie. [...]
...noch ein Ratschlag: Selbst-geroestete Erdnuesse und dsgl. Sesam in einer Kuechenmaschine gemeinsam zermahlen - mit Salz und ohne Salz. Ohne Salz passt und verfeinert das Gemisch den Geschmack bei allem Suessen, ie. Marmeladen- odel Honigbrot und auch zu den im Artikel aufgefuehrten Speisen (Rezepten). Mit Salz passt und verfeinert das Gemisch den Geschmack bei neutralen Eierspeisen und bei fast allen Fleischspeisen. In die normalen Fruehlingsroellchen gehoert natuerlich wahlweise Gehacktes odel Krabben (Garnelen) und zwar immer in guter Qualitaet!! und ein-fach in mit Wasser odel Bier angefeuchtetes Reispapier eingeschlagen. Die Fruehlingsroellchen koennen in Oel zubereitet werden und danach ueber Kuechenkrepp rollen, dann sind sie noch weniger fettig. Uebrigens suesse Fruehlingsroellchen sind mir, auch in 29 Jahren Vietnam, bisher nicht begegnet. Daher kann ich ueber den Geschmack, ueber solchen es sich ja trefflich streiten laesst, leider nichts sagen. Gruss aus Saigon, George
4. Naja, wenn ein gutes Essen erfunden werden sollte
k-max 27.01.2013
hatten die Asiaten das auch schon vor 1000 Jahren gemacht. Das Geheimnis liegt mehr darin, dass sie über sehr viele Zutaten verfügen, dementsprechend wurde eine Unmenge Gerichte geboren. Dass was hier geschildert wird, wird ein [...]
hatten die Asiaten das auch schon vor 1000 Jahren gemacht. Das Geheimnis liegt mehr darin, dass sie über sehr viele Zutaten verfügen, dementsprechend wurde eine Unmenge Gerichte geboren. Dass was hier geschildert wird, wird ein Asiate wohl kaum anrühren wollen. Nur weil exotische Zutaten drin sind, bedeutet es nicht, dass es asiatisch ist. Die Aussage "Im Grunde isst man aber fast immer das Gleiche: Glasnudeln, Gemüse, Pilze, Knoblauch und Kohl, die in mehr oder minder chiliverschärfte Sojatunken oder Fischsaucen gedippt werden. zeugt mehr oder weniger das Unwissen über das Geheimnis des Kochens, nämlich die Einfachheit, Verfügbarkeit, Preis und die richtige Zusammensetzung. Alle bekannte und berühmte Gerichte beruhen auf diese Grundlage.
5. Ich habe mal wieder
georgius1 27.01.2013
meine Vietnamesische Gastfamilie konsultiert, weil mir die Sache mit dem "roh servieren" unbekannt war bzw. zu Fehlannahmen fuehren kann. Also, diese "rohen" Fruehlingsroellchen enthalten: 1. Fleisch von [...]
Zitat von sysop...Abwechslung mag es vielleicht bei Füllung (vegetarisch, Meeresfrüchte, Fleisch) und Zubereitung geben - mit etwas Glück triefen sie nicht immer vor Fett, sondern werden in eingeweichtem Reispapier eingeschlagen *roh* serviert wie die vietnamesische Herbstrolle oder die (wie der verdauungsfreundliche Name sagt) chinesische "Glücksrolle". Im Grunde isst man aber fast immer das Gleiche: Glasnudeln, Gemüse, Pilze, Knoblauch und Kohl, die in mehr oder minder chiliverschärfte Sojatunken oder Fischsaucen gedippt werden.
meine Vietnamesische Gastfamilie konsultiert, weil mir die Sache mit dem "roh servieren" unbekannt war bzw. zu Fehlannahmen fuehren kann. Also, diese "rohen" Fruehlingsroellchen enthalten: 1. Fleisch von Krabben und odel Krebsen odel Gehacktes, das immer vorgekocht, -gebraten ist. 2. Dann Salat / Gemuese das wirklich roh ist und als solches auch anderweitig roh gegessen wird. 3. Dann das angefeuchtete Reispapier, dass nicht roh ist, sondern bei der Herstellung geduenstet und danach getrocknet wird. Die so vorbereiteten Fruehlingsroellchen koennen also in genau diesem nicht rohen Zustand verzehrt werden odel sie werden gebraten, das dann alles noch mal erhitzt und das Reispapier knusprig werden laesst. Zum Thema fettige Fruehlingsroellchen erhielt ich noch folgende interessante Information: Die Roellchen immer bei eingeschalteter Hitzquelle nicht zu lange braten und herausnehmen. So dringt nur wenig Oel / Fett ein. Wenn man zu frueh ausschaltet und wartet, dann ziehen die Substanzen mehr Fett / Oel. Sind Fruehlingsroellchen wirklich fett - triefend, dann sind die nicht in Reispapier gewickelt sondern in entsprechendes Papier aus Weizen- odel Maismehl. Das ist dann wesentlich dicker und saugt entsprechend viel Fett / Oel. In Vietnam macht man das nicht, wohl aber in China. Soviel noch zur Ergaenzung.

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