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27.01.2013
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Nazi-Erbstücke

Eva Brauns Uhr und Görings Brillanten lagern in Münchner Museum

Getty Images

Deutschland sitzt noch immer auf NS-Schätzen: In Museen lagern nach SPIEGEL-Informationen erbeutete Kunstwerke und Schmuckstücke von Nazi-Größen. In München fanden die Rechercheure eine Uhr, die Hitler an seine Geliebte Eva Braun verschenkte.

Hamburg - In deutschen Museen lagern nach SPIEGEL-Informationen noch immer jede Menge Kunstschätze, die von den Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 zusammengerafft wurden. Darunter sind auch Tausende Gegenstände, die während des Zweiten Weltkriegs in ganz Europa geraubt und nach Deutschland geschafft wurden.

In Bayern stieß der SPIEGEL bei seinen Recherchen auf zahlreiche Erbstücke führender Nationalsozialisten. Im Depot der Pinakothek der Moderne in München fand sich unter der Inventarnummer 471/96 eine Platinuhr, die Adolf Hitler 1939 seiner Geliebten Eva Braun schenkte. Auf der Rückseite des brillantbesetzten Geschmeides steht eine persönliche Widmung des Diktators: "Zum 6.2.1939 herzlichst A. Hitler" - also gedacht für den 27. Geburtstag von Hitlers Lebensgefährtin. Hergestellt hatte das Schmuckstück eine Manufaktur in Pforzheim. Derzeit liegt das Kleinod als "Verwahrgut 3. Reich" in dem Münchner Museum, registriert als "Nachlass Eva Hitler, vorm. Eva Braun".

Die Münchner verwahren auch zahlreiche Stücke aus dem Besitz Hermann Görings: Krawattenringe aus Platin, Manschettenknöpfe aus Gold, einen Ring mit Brillanten sowie einen goldenen Champagnerbecher. Außerdem stieß der SPIEGEL auf eine goldene, brillantverzierte Zigarettendose mit Widmung von 1940: "Voller Glück und Stolz gratulieren zum 'Reichsmarschall' in inniger Liebe Emmy und Edda" - Görings Ehefrau und seine Tochter. In München liegt auch ein silbernes Essbesteck des "Führers".

Göring-Teppich im Bundeskanzleramt

Pikant ist außerdem: Nachdem die von direkt nach dem Krieg begonnene Suche nach den rechtmäßigen Vorbesitzern 1966 für beendet erklärt war, gingen viele Kunstgegenstände als Leihgabe an Museen. 660 Kunstgegenstände landeten in 18 Bundesdienststellen. So kommt es, dass heute noch ein Teppich aus der Sammlung Hermann Görings im Bundeskanzleramt liegt. Wandteppich aus der gleichen Sammlung ziert das Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn. Ein Sekretär aus dem Besitz des nationalsozialistischen Kunsträubers Hans Posse steht im Bundespräsidialamt.

Bei vielen Kunstschätzen, die die Nationalsozialisten in Museen und privat anhäuften, ist die Herkunft noch immer nicht geklärt ist. Der Bund hat bisher 84 Projekte zur Provenienzforschung angeschoben, allerdings gibt es in Deutschland 6300 Museen. Der Personalmangel ist dramatisch: In den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen soll eine einzige Fachkraft die Herkunft von 4400 Gemälden und 770 Skulpturen prüfen, die nach dem Machtantritt der Nazis 1933 in die Bestände aufgenommen wurden.

Der ehemalige Kulturstaatsminister Michael Naumann fordert die Bundesregierung auf, die Rückgabe der von den Nazis geraubten Kunstgüter zu forcieren. "Der Gesetzgeber muss die Rückgabeansprüche konkretisieren", sagte Naumann dem SPIEGEL. Zudem müsse mehr Geld für Provenienzforschung an deutschen Museen eingesetzt werden. Naumann regt an, zehn Millionen Euro aus dem Etat für das geplante Sudetendeutsche Museum für diesen Zweck zu verwenden.

Der Freistaat Bayern verkaufte nach SPIEGEL-Informationen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Villen aus dem ehemaligen Besitz führender Nationalsozialisten unter Wert. Damit wurden die Opfer des Hitler-Regimes oder deren Erben um höhere Entschädigungssummen gebracht.

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