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05.02.2013
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Sony-Fotopreis

Die ganze Welt im Auge

Andrea Gjestvang/ Courtesy of Sony World Photography Awards 2013

Breivik-Opfer, das verseuchte Fukushima, Extremsportler Baumgartner - für den Sony World Photography Award reichen Profis aus der ganzen Welt bewegende Bilder ein. Auch zwei Deutsche sind im Finale des Wettbewerbs. Ihre Fotos zeigen: eine Wüstenstadt von oben und Düsseldorf im Dunkeln.

Hamburg/ London - Geisterhafte Hochhäuser und finstere Städte dominieren die Bilderserie "Urban Darkness", die in der Dunkelheit entstanden ist - und auch genau davon handelt. Oder eher: vom Fehlen des Lichts. "Mir ist aufgefallen, dass in unseren Städten viele Gebäude, die früher nachts hell erleuchtet waren, heute stockdunkel sind", sagt Christof Plümacher. Der Fotograf deutet den sparsamen Umgang mit Strom als Folge der Energiewende, eines der wichtigsten Themen der jüngsten Zeit. Plümachers tiefschwarze Bauten stehen so symbolisch für diesen gesellschaftlichen und politischen Bewusstseinswandel.

Der Essener ist mit seiner Arbeit einer von drei Finalisten in der Kategorie Architektur bei den Sony World Photography Awards 2013. Viele der für den Preis nominierten Fotografen haben sich an dem Wettbewerb mit Motiven beteiligt, die zentrale Ereignisse und Entwicklungen des Jahres 2012 aufgreifen: Bilder von den Nachwirkungen der Atomkatastrophe von Fukushima sind dabei oder auch Porträts von jungen Menschen, die das von Anders Breivik verübte Massaker auf der norwegischen Insel Utøya zwar überlebten, dabei aber körperlich versehrt wurden - und nun lernen müssen, damit zu leben. Es sind aber auch leichtere Stoffe vertreten, wie etwa die Serie "Felix Baumgartner: Faster than the Speed of Sound" über den österreichischen Extremsportler.

Über 122.000 Bilder aus 170 Ländern wurden für den begehrten Fotocontest eingereicht - mehr als je zuvor. "Drei besonders anregende Tage, an denen wir viele lebendige und leidenschaftliche Diskussionen geführt haben" - so beschreibt Catherine Chermayeff von der renommierten Fotoagentur Magnum den Auswahlprozess, den sie als Vorsitzende der Ehrenjury leitete. Seit Dienstag stehen nun die 43 Finalisten der insgesamt 15 Profi-Kategorien fest.

Seen.by
Plümacher ist bereits zum dritten Mal für den renommierten Award nominiert. "Ich halte den Wettbewerb für eine sehr gute Plattform, um Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen", sagt der 50-jährige. Vor sechs Jahren schmiss Plümacher seinen Job als Werbeproduzent hin, um sich ausschließlich der Kunstfotografie zu widmen. "Kunst ist extrem idealistisch - ich suche meine Impulse eher auf Reisen als im Vergleich mit anderen", sagt er.

Die Idee für seine Serie "Urban Darkness" sei ihm zufällig bei einem Besuch in Düsseldorf gekommen. Fünf Monate lang arbeitete Plümacher dann an seiner Studie - und noch immer betrachtet er sie als unvollendet. "Es gibt noch viele Gebäude, die ich bei Nacht fotografieren möchte, denn die Dunkelheit der Hochhäuser kann ein ganzes Stadtbild verändern", sagt er. Seine Serie vom Fehlen des Lichts verleiht dem populären Fotothema Architektur einen weniger technischen, fast schon emotionalen Anstrich.

Als zweiter Deutscher ins Finale geschafft hat es Johannes Heuckeroth. Das Projekt "Dubai Aerials" entstand ursprünglich für seine Bachelorarbeit "Dreaming Dubai", mit der er sein Studium an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg abgeschlossen hat. "Mich fasziniert diese Stadt und ihre Zwiespältigkeit", so der 28-jährige Designer und Fotograf. "Dort werden Türme und Hochhäuser aus der Wüste gewuchtet - mit kaum einem Gedanken an Nachhaltigkeit." Der Kontrast zwischen leerstehenden Baustellen und luxuriösen Swimmingpool-Landschaften stehe für eine Welt, die zwischen Wahn und Wirklichkeit hin- und herwanke. In "Dubai Aerials" betrachtet Heuckeroth die Wüstenmetropole von oben: "Die Luftansicht ist die abstrakteste Weise, eine so surreale Stadt darzustellen", erklärt er. Die Aufnahmen sollen an Computer-Collagen erinnern und so den Eindruck des Unwirklichen unterstreichen.

Die Arbeiten aller Fotografen auf der Shortlist werden vom 26. April bis 12. Mai im Somerset House in London ausgestellt. Aus den Siegern der einzelnen Kategorien wird Ende April ein Hauptgewinner gewählt und mit dem L'Iris d'Or-Preis geehrt, der mit 25.000 Dollar dotiert ist.

jud

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insgesamt 5 Beiträge
1. eines
posten 05.02.2013
zumindest weiß der Herr: nämlich wo sich die Knöpfe für Sättigung und Kontrast bei Photoshop befinden.
zumindest weiß der Herr: nämlich wo sich die Knöpfe für Sättigung und Kontrast bei Photoshop befinden.
2. Spreu und Weizen - wieder alles dabei
Ronald Dae 05.02.2013
Der Beitrag von Heuckeroth über Dubai ist ausgesprochen gelungen. Die ensättigte Bildästhetik macht den Eindruck für den außenstehenden Betrachter noch surrealer als er ohnehin schon ist. Auf seiner Homepage gibt es übrigens [...]
Der Beitrag von Heuckeroth über Dubai ist ausgesprochen gelungen. Die ensättigte Bildästhetik macht den Eindruck für den außenstehenden Betrachter noch surrealer als er ohnehin schon ist. Auf seiner Homepage gibt es übrigens auch Making-of-Filmchen vor Ort. Plümachers schwarze Bildanmutung ist zwar nicht überraschend neu, aber trotzdem habe ich diese Ansichten in der Architektur-Fotografie so noch nicht gesehen. Zu recht ist er mit seinen Arbeiten nominiert worden. Angenehm ist auch die Berücksichtigung der Bildkomosition in seiner Arbeit, was man von vielen anderen Finalisten nicht behauptet kann. So sind die Portraits von Gjestvang über Breiviks Opfer nur durch den Hintergrund des Ereignisses bedeutsam; die Kunst der Fotografie wird hierbei ausgeklammert und wesentliche Aspekte guter Portrait-Fotografie fallen hier für mich unter den Tisch. Ebenso austauschbar ist zB die Arbeit von Lee, in welcher ein Junge mittelachsig auf einem Sandhügel auf Ghoramara sitzt - banal. Gleiches trifft auf das Mongolen-Pärchen von Pacini zu: Unverständlich, wie solche Arbeiten in die Endrunde kommen konnten. Ausgesprochen gut hat mir Podavinis Pflege eines Demenzkranken gefallen. Große Portrait-Fotografie mit dem Esprit eines Henri Cartier-Bresson. Das Foto ist fast zu perfekt, so dass sich die Frage stellt, ob es montiert wurde oder nicht; ich gehe mal davon aus, dass das RAW geprüft wurde, mithin die Aufnahme echt ist. Als jemand, der selbst ausschließlich Menschen fotografiert hat mich Jens Juuls Portrait aus der Serie "Six Degrees of Copenhagen" neugierig gemacht. Ein Blick auf seine Homepage verrät jedoch, das dort keine weiteren Schätze warten. Abschließend bleibt anzumerken, dass hier wieder deutlich wird, dass bei großen Wettbewerben nicht fotografische Kunst prämiert wird, sondern soziale oder politische Dokumentation; und zwar frei von künstlerischem Anspruch. Schade, man kann beides gut verbinden, wie einige der Arbeiten hier eindrucksvoll beweisen. Ronald Daedalus Vogel Charakter-Portrait-Fotograf
3. Das Recht am eigenen Bild
fotograf-ffm 05.02.2013
Bei Fotoausstellungen fällt mir immer wieder auf, dass Menschen im Mittelpunkt von Fotos stehen, die (wahrscheinlich) nicht um Erlaubnis gefragt wurden. Darf man diese Fotos einfach verwenden nach dem Motto "Kunst darf [...]
Bei Fotoausstellungen fällt mir immer wieder auf, dass Menschen im Mittelpunkt von Fotos stehen, die (wahrscheinlich) nicht um Erlaubnis gefragt wurden. Darf man diese Fotos einfach verwenden nach dem Motto "Kunst darf alles"?
4.
ibinalausbub 05.02.2013
Da hat man wohl bei einigen Arbeiten den HDR-Hebel zu weit rumgedrückt... es sind wirklich einige qualitativ schlechte Fotos dabei - aber wo der gesellschaftliche oder geschichtliche Hintergrund stimmt, mag das ja okay sein.
Da hat man wohl bei einigen Arbeiten den HDR-Hebel zu weit rumgedrückt... es sind wirklich einige qualitativ schlechte Fotos dabei - aber wo der gesellschaftliche oder geschichtliche Hintergrund stimmt, mag das ja okay sein.
5. Eine unfruchtbare Frau wird von Priestern in heiliges Wasser gelassen. Aus der Serie
aekru 05.02.2013
Hallo, wenn man das Bild spiegelt, wird es interessant: Alles unter dem Hakenkreuz??? aekru
Hallo, wenn man das Bild spiegelt, wird es interessant: Alles unter dem Hakenkreuz??? aekru

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