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10.02.2013
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Wegen Nazi-Vergangenheit

Journalistenpreis umbenannt

DPA

SOG-Präsident Erler: "Mehr auf die Verdienste geschaut"

Aus der Rudolf-Vogel-Medaille wird der Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft. Der bisherige Namensgeber habe in der NS-Zeit Propaganda verbreitet, teilte Verbandschef Gernot Erler mit. Der jüngste Preisträger hatte die Auszeichnung deshalb zuerst abgelehnt.

Hamburg/Berlin - Weil die Auszeichnung jahrelang den Namen eines Mannes mit Nazi-Vergangenheit trug, hat die Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) einen Preis für Journalisten umbenannt. Die Rudolf-Vogel-Medaille heißt jetzt Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft, wie deren Präsident Gernot Erler am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) hatte berichtet, dass der diesjährige Preisträger der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) die Medaille nicht habe annehmen wollen, weil Vogel als Journalist NS-Propaganda verbreitet habe.

Die Südosteuropa-Gesellschaft wird auch vom Auswärtigen Amt finanziert und verleiht Erler zufolge die Medaille seit 1992 an Journalisten.

Erler, der Vizevorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag ist, sprach von "Versäumnissen". Man sei über die neuen Hinweise sehr dankbar, sagte er der dpa. Vogel, der für die CDU im Bundestag saß, habe mehr als 30 Jahre an der Spitze der Gesellschaft gestanden. "Man hat mehr auf die Verdienste geschaut." Es habe bisher keinen Anlass gegeben, Verdacht zu schöpfen.

Es sei zu bedauern, dass bisher weder die Gesellschaft noch Preisträger auf die Idee gekommen seien, genauer hinzuschauen - zumal es seit einiger Zeit sogar einen Wikipedia-Eintrag "mit sehr deutlichen Hinweisen auf die Tätigkeit von Vogel" gebe. Der 1991 gestorbene Vogel habe es "ganz offensichtlich geschafft, eine Entnazifizierung erfolgreich zu umgehen".

Die Gesellschaft mit Sitz in München habe nach den neuen Hinweisen sofort reagiert: Das Präsidium habe am Freitag die Auszeichnung umbenannt. Daraufhin habe der Preisträger der "NZZ", Andreas Ernst, dann doch die Ehrung am Samstag in Bochum entgegengenommen.

Das Auswärtige Amt teilte mit, dass es seit vielen Jahren die Gesellschaft als Institution für den Austausch mit Südosteuropa fördere. "Damit war nie ein Einfluss auf die Arbeit der Gesellschaft, die Entscheidungen ihrer Gremien und die von ihr verliehenen Preise verbunden."

sha/dpa

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