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Kultur

Hinrichtungen in Weißrussland

"taz"-Artikel verteidigt Todesstrafe

Ein Plädoyer für die Todesstrafe, ausgerechnet in der "taz"? In ihrer Wochenendausgabe veröffentlichte die Zeitung einen Gastbeitrag einer weißrussischen Journalistin - ein Fehler, wie "taz"-Chefin Ines Pohl nun einräumt: "Die ganze Inszenierung war nicht glücklich."

TAZ / Getty Images

"taz"-Gastbeitrag: Nicht angemessen distanziert

Montag, 25.02.2013   18:10 Uhr

Hamburg/Berlin - So mancher "taz"-Leser dürfte sich am Wochenende gewundert haben: Vier Seiten hatte die Zeitung in ihrer Samstagsausgabe den Teilnehmern eines Workshops für junge osteuropäische Journalisten freigeräumt - der größte und am spektakulärsten aufgemachte Artikel nahm eine ganze Zeitungsseite ein. Es handelte sich um ein Plädoyer für die Todesstrafe.

Verfasst hatte es Liza Krasavtceva aus Weißrussland. Unter der Überschrift "Begnadigung oder Genickschuss?" beschäftigte sich die Autorin mit der Todesstrafe in ihrem Heimatland. Und kam zu dem Schluss: "Wenn du jemandem das Leben genommen hast, dann sei bitte so gut und gib auch deins dafür."

Über zwei 25-jährige Weißrussen, die per Genickschuss hingerichtet worden waren, weil die Gerichte des autokratisch regierten Landes sie schuldig befunden hatten, einen Anschlag auf eine U-Bahn-Station in der weißrussischen Hauptstadt Minsk verübt zu haben, schreibt Krasavtceva: "Ja, hätte man sie begnadigen und ihnen im Gefängnis vielleicht noch Internet, einen Fernseher, eine weiche Matratze und drei Mahlzeiten pro Tag zur Verfügung stellen sollen?"

Nach Protesten von Lesern verteidigte die für die Veröffentlichung verantwortliche Auslandschefin der Zeitung, Barbara Oertel, den Beitrag im "taz"-Blog. Die Zeitung übe keine Zensur aus, denn: "Es wäre unglaubwürdig, über Pressefreiheit zu dozieren, aber gleichzeitig Meinungen zu deckeln."

Nun hat sich Ines Pohl, die Chefredakteurin des Blatts zu der Veröffentlichung geäußert und Fehler eingeräumt. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagte sie: "Die ganze Inszenierung war nicht glücklich." Die "taz" habe sich von dem Beitrag nicht angemessen distanziert. Die Aufmachung sei "reißerisch" gewesen - und das Wort "Zensur" hätte sie nicht verwendet, um die Veröffentlichung zu verteidigen.

sha

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