27.02.2013
Bundeskartellamt-Entscheidung
"FAZ" darf "FR" übernehmen
Verlagsgebäude der "Frankfurter Rundschau": Die Traditionszeitung meldete im November 2012 Insolvenz an.
Hamburg/Frankfurt a.M. - Die insolvente "Frankfurter Rundschau" (FR) wird von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) übernommen. Das Bundeskartellamt in Bonn gab am Mittwoch grünes Licht für den Kauf. Nach früheren Angaben der Insolvenzverwaltung soll der Kaufvertrag bereits am Donnerstag unterzeichnet werden.
Allerdings müssen die weitaus meisten Mitarbeiter des Verlags gehen. Die "FAZ" übernimmt in ihrem bislang bekannten Konzept nur 28 Beschäftigte der Redaktion, an der verlagseigenen "FR"-Druckerei hat sie zudem kein Interesse. Hunderte "FR"-Mitarbeiter haben bereits ihre Kündigungen erhalten.
Das Bundeskartellamt hatte geprüft, ob der "FR"-Marktanteil bei einem Verschwinden vom Markt ohnehin an die "FAZ" fallen würde und ob es einen ernsthaften alternativen Käufer für das Traditionsblatt gibt. "Wir haben hier eine sogenannte Sanierungsfusion geprüft und im Ergebnis bejaht", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Hätten die Kartellwächter das Angebot der "FAZ" abgelehnt, wäre nach Angaben der Insolvenzverwaltung bereits an diesem Freitag keine Ausgabe der "FR" mehr erschienen.
"Keine fusionskontrollrechtlichen Bedenken"
Nach jahrelanger Krise hatte die "FR" aufgrund der hohen Verluste im vergangenen November Insolvenz angemeldet. Hauptgesellschafter sind bislang noch die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg. Ein Übernahmeangebot des türkischen Verlegers Burak Akbay hatten die "FR"-Gläubiger am vergangenen Freitag als unzureichend abgelehnt.
Käufer der insolventen "Frankfurter Rundschau" ist die FAZIT-Stiftung, die 1959 aus der Allgemeinen Verlagsgesellschaft mbH hervorging und seither Mehrheitsgesellschafter der "FAZ" ist. Außerdem gehört der Stiftung auch die Frankfurter Societäts-Medien GmbH, die wiederum die "Frankfurter Neue Presse" herausgibt.
Dennoch hat das Bundeskartellamt grünes Licht für die Übernahme gegeben. Der Erwerb habe mit Blick auf die deutschlandweiten Leser- und Anzeigenmärkte "keine fusionskontrollrechtlichen Bedenken" aufgeworfen, erklärte das Kartellamt am Mittwoch in Bonn. Problematisch sei allerdings die durch den Kauf wahrscheinlich entstehende "marktbeherrschende Stellung" der "FAZ" in der Rhein-Main-Region, fügte das Amt in seiner Mitteilung hinzu. Mit der bevorstehenden Übernahme der "FR" kommt die FAZIT-Stiftung in die günstige Position, Haupteigentümer aller drei Tageszeitungen in der Stadt Frankfurt zu sein.
sbr/twi/dpa
