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25.05.2013
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Weltatlas der Vorurteile

Hoch im Norden, wo die Perversen wohnen

Von Daniel-C. Schmidt
Yanko Tsvetkov/Knesebeck Verlag

Eine Reise in die Flip-Flop-Nation, ein Besuch in What-the-Fuckistan, ein Trip nach Eutopia? Yanko Tsvetkov ersetzt in seinem "Atlas der Vorurteile" Ländernamen durch Klischees - hier grenzt ein Stereotyp ans andere.

Yanko Tsvetkov setzte sich vor einigen Jahren an den Schreibtisch und ging seiner Leidenschaft nach: Er zeichnete eine Karte. Es war eine Weltkarte. Allerdings informierte sie nicht in erster Linie darüber, wo Länder liegen, sondern zeigte die Welt aus der Sicht von Russland. Tsvetkov setzte ein Vorurteil aufs Papier. "Ich hatte schon immer Lust, Karten zu zeichnen. Anfangs war es nicht mehr als ein spontaner Witz, zu meiner Überraschung erreichten die Karten online aber sehr schnell eine gewisse Popularität."

Der Grafikdesigner und Autor fand Spaß an seiner Tätigkeit und entwarf mehr und mehr Karten, bis er einen ganzen Atlas zusammen hatte: Den "Atlas der Vorurteile". In den illustrierten Weltkarten hat Tsvetkov die Ländernamen ausradiert und durch stereotype Begriffe ersetzt. Zum Beispiel erscheint Rumänien aus der Sicht von Deutschland als Vampirland, Russland geht als Gasspeicher durch und dort wo Belgien ist, steht nur das Wort Waffeln. "Im Buch geht es darum, wie wir die Welt um uns auffassen und mitunter unsere begrenzte Sicht hinter Stolz oder Moralvorstellungen verstecken", sagt Yanko Tsvetkov.

Der Designer, dessen liebstes Deutschland-Klischee Menschen sind, die weiße Socken in Sandalen tragen, hat mehr als 40 Karten entworfen. Sie decken nicht nur den gesamten Globus ab, sondern auch verschiedene Jahrhunderte. Mal zeigt Tsvetkov die Welt aus der Sicht von Nationen, mal aus der Perspektive des Vatikans oder schwuler Männer.

Ungarn als Gulaschland. Ja und?

Die Karten sind, wie der Autor selbst sagt, aus seinem subjektiven Blickwinkel entstanden. Doch die Subjektivität macht die Karten oft zu Frotzeleien ohne Wert. Ungarn aus Sicht der Deutschen? Gulasch. Ja und? Auf der nächsten Seite hat man das Klischee schon wieder vergessen.

Gut an dem Atlas ist der Zeitgeist, den man an manchen Karten erkennen kann. Tsvetkov sieht etwa Ägypten im Jahr 2011 noch als Volk der Hipster dank der Vorreiterrolle im Arabischen Frühling. Ein Jahr später schon, zeichnet er eine Karte der Ernüchterung. Sie zeigt den Umbruch, der sich da längst breitgemacht hat. Ägypten erscheint dann nur noch als ein Wort: Militärdiktatur. Genau an diesen Stellen hält der Autor Stimmungen fest, die den Atlas hintergründig und mitunter auch politisch werden lassen.

Nicht erst seit den "Asterix"-Comics ist das Spiel mit nationalen Vorurteilen in der Kultur ein gern benutzter Unterhaltungskniff. Am besten hat das Filmemacher Woody Allen bewiesen. Nachdem er sich bevorzugt am New Yorker Intellektuellenmilieu abgearbeitet hat, zog es ihn zuletzt auf den europäischen Kontinent, um Europas Klischees abzufilmen: das regnerische London der Upperclass, heißblütige Spanier in Barcelona, schwelgerisch-romantische Liebeswirren in Paris und Rom. Woody Allen ließ kaum ein Postkartenmotiv aus, und das auf durchaus erfolgreiche und kurzweilige Art.

Insofern ist der "Atlas der Vorurteile", der ähnlich funktioniert wie Allens Vorurteil-Tourismus, ein hilfreiches Mittel, die eigenen nationalen Vorurteile abzuklopfen - oder eben den nächsten Urlaub zu planen.

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Rainer Merkels "Bo", Fritz Rudolf Fries' "Last Exit to El Paso", Clarisse Thorns "Fiese Kerle", James Fenimore Coopers "Der letzte Mohikaner", Adam Johnsons "Das geraubte Leben des Waisen Jun Do", Rolf Bauerdicks "Zigeuner".

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insgesamt 60 Beiträge
1.
meinmein 25.05.2013
Kindisch und peinlich. Wenn Sie heute keine Themen haben, machen Sie es wie ntv und breichten permanent über Bayern München und Dortmund.
Kindisch und peinlich. Wenn Sie heute keine Themen haben, machen Sie es wie ntv und breichten permanent über Bayern München und Dortmund.
2.
3dfx 25.05.2013
Ich lache gerne und viel. Ein Schmunzeln konnte mir der Artikel allerdings nicht abgewinnen.
Ich lache gerne und viel. Ein Schmunzeln konnte mir der Artikel allerdings nicht abgewinnen.
3. Soll das jetzt lustig sein?
gustavsche 25.05.2013
Ich habe die Bilderserie durchgeklickt. Wäre ich noch ein 13 Jahre alter Schuljunge, könnte auch nicht darüber lachen.
Ich habe die Bilderserie durchgeklickt. Wäre ich noch ein 13 Jahre alter Schuljunge, könnte auch nicht darüber lachen.
4.
regensommer 25.05.2013
ich finde es zum schmunzeln. Würde ich eine Karte von Deutschland zeichnen, ich würde in der Höhe Dortmund schreiben "Fußballfans die die Möglichkeiten ihres Vereins überschätzen"
ich finde es zum schmunzeln. Würde ich eine Karte von Deutschland zeichnen, ich würde in der Höhe Dortmund schreiben "Fußballfans die die Möglichkeiten ihres Vereins überschätzen"
5.
supermatze86 25.05.2013
Ich finds lustig. Man sollte die Welt und vor allem sich selbst nicht immer so ernst nehmen.
Ich finds lustig. Man sollte die Welt und vor allem sich selbst nicht immer so ernst nehmen.

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