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Kultur

Spott über Trumps Präsidenten-Porträt

Oh my God...

Donald Trump inmitten großer Vorgänger: Der US-Präsident ließ ein Bild im Weißen Haus aufhängen, das ihn zwischen Lincoln, Reagan und Eisenhower zeigt. Ein Werk, so subtil wie die "Dogs Playing Poker"-Serie.

Andy Thomas

Gemälde "The Republican Club"

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Dienstag, 16.10.2018   13:18 Uhr

Im Weißen Haus hängen viele Gemälde. Sie dienen repräsentativen und zugleich dekorativen Zwecken, auf symbolischer Ebene sind es Fenster in eine würdige Vergangenheit. Donald Trump hat die historische Sammlung allerdings durch ein besonders interessantes Bild ergänzt: "The Republican Club" von Andy Thomas. Es ist ein Fenster in seinen Kopf.

Andy Thomas ist ein Zeitgenosse, der sich auf erhebende oder dramatische Motive aus der US-Geschichte spezialisiert hat. Cowboys, Seeschlachten, Gemetzel des Bürgerkriegs, dergleichen. Und eben synkretistische Darstellungen berühmter Präsidenten. In "The Democrat's Club" zeigte er Barack Obama neben Kennedy, Carter und Roosevelt.

In der republikanischen Variante hocken unter anderem Lincoln, Nixon, Reagan, Eisenhower in heiterer Runde. Jemand hat einen Witz gemacht, vielleicht über Watergate, Oliver North, John Wilkes Booth, die Atombombe, weibliche Geschlechtsorgane - man weiß es nicht. Die Herren sind jedenfalls bester Laune. Und erinnern an die berüchtigte Serie "Dogs Playing Poker", wie sie auch heute noch in heruntergekommenen Raucherkneipen hängt. Bei Twitter hat das Bild schon allerlei Spott hervorgerufen.

Bemerkenswert bei Thomas' Werk ist die Liebe zum Detail. Als Kalifornier sitzt Reagan vor einem Cocktail, Trump trinkt, wie immer, Cola, und der Abstinenzler George W. Bush verzichtet ganz. Trump steht in diesem Arrangement mit weißem Hemd und athletischem Oberkörper dort, wo er gerne steht: im Mittelpunkt.

Interessanter als dieser nicht eben neue Einblick in das Selbstverständnis des Präsidenten ist, welches Bild er für "The Republican's Club" abgehängt hat: "Rough Sea at Bailey's Island" von Judd Waugh zeigte, nun ja, eine aufgewühlte Brandung bei schwerer See. Da tut es der Seele wesentlich besser, sich selbst in einer Reihe historischer Persönlichkeiten zu sehen.

Womit Trump, auch dies ein wichtiger Aspekt, selbst schon Geschichte ist. Er muss eigentlich gar nichts mehr tun. Den Segen der Ahnen hat er schon. Wobei ein kleines Detail eigentlich seine Aufmerksamkeit hätte erregen müssen - die Frauenfigur im Hintergrund, die sich dem Tisch mit den alten Jungs nähert.

Diese Frau war schon auf "The Democrat's Club" zu sehen und, glaubt man Andy Thomas, damals bereits als Hinweis auf eine mögliche US-Präsidentin in naher Zukunft zu verstehen. Im Zusammenhang mit Trump aber gewinnt diese gespenstische Erscheinung eine besondere politische Brisanz. Es könnte auch eine Frau sein, die eine Rechnung begleichen will. Der Secret Service sollte sie jedenfalls nicht aus den Augen lassen.

Wirklich bedenklich aber ist nicht das Bild, sind nicht die einfältigen Motive oder die begrenzten Möglichkeiten eines seriell arbeitenden Malers. Bedenklich ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten dieses Bild sieht, sich darin erkennt - und es tatsächlich aufhängt. Einfach, weil er es kann.

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