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Kultur

Strache und der Trommeltrupp

Dumm und Drummer

Am Ende einer Traditionslinie von Benito Mussolini über Darth Vader bis zur Blue Man Group fand sich der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache bei seinem bizarren Wahlkampfauftritt in Tirol wieder. Eine Stilkritik.

Foto: imago/ Zeitungsfoto.at
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Freitag, 12.01.2018   17:38 Uhr

Vermutlich zur Abwechslung ist Heinz-Christian Strache (FPÖ) vor Parteifreunden in Tirol mal nicht zum volkstümelnden Schunkelgebläse irgendeiner Heimatkapelle die Showtreppe hinabgeschritten. Wenn alle Welt sich modernisiert und "fit macht", ja Herrschaftszeiten, dann machen das eben auch die Rechten.

Also hat sich der Vizekanzler der Republik Österreich von einer Schlagzeugtruppe begleiten lassen, deren Anmutung - weiße Trommeln, rote Stöcke, schwarze Mäntel, Sonnenbrillen, Vollbärte, eiserne Mimik - auf faszinierende Weise zwischen SS, IS, Star Wars und den Statisten von Roger Waters' "The Wall" oszilliert.

Das Ergebnis ist deshalb so elektrisierend, weil es in seiner bizarren Zeichenhaftigkeit gleich in mehrere Richtungen funkt. Tatsächlich hat die Marschkapelle eine lange Geschichte und einen festen Platz überall dort, wo es gesellig und traditionell und auch ein bisserl martialisch zugehen soll, von Waterloo über das Reichsparteitagsgelände bis zum Schützenfest. So ist's Brauch, so soll es sein, darum, Freunde, stimmt's mit ein!

Es hatte nun also, hört man, der Regisseur des Abends die Idee, Bewährtes mit Visionärem zu versöhnen und das choreografierte Getrommel ganz im Sinne des Feschismus zukunftsfähig zu machen. Zum Leidwesen der österreichischen Künstlergruppe Drumatical Theatre, die laut eigener Aussage "keinerlei Naheverhältnis zur FPÖ" hat und für dieses Event gebucht wurde, ohne seinen Zweck zu kennen -und kurzfristig keinen Rückzieher mehr machen konnte. Es handele sich, meint der Sprecher der Gruppe, um "eine Dummheit, die leider passiert ist".

Wo ist der Gabalier, wenn man ihn braucht?

Vollprofis also, auf allen Seiten. Das Drumatical Theatre spielt seit vielen Jahren, als würden Rammstein gleichzeitig die Blue Man Group und "Stomp" persiflieren, während sich Vangelis an "Chariots of Fire" zu erinnern versucht. Irgendwie Pop halt. In Verbindung mit dem stramm rechten Strache aber entfaltet diese Gebrauchs- und Überwältigungskunst eine ähnliche Wirkung wie Nitro, wenn man es mit Glyzerin mischt. Es knallt.

imago/ Zeitungsfoto.at

Heinz-Christian Strache und Drumatical Theatre

Womöglich handelt sich aber auch nur um eine Verpuffung. Die groteske Szene bedient einerseits die latente Angstlust von Menschen, die darin eine "Sneak Preview" künftiger Verhältnisse erkennen wollen. Andererseits muss es auch Leute geben, und sei's nur der Regisseur, die an dieser Ästhetik ihre Freude haben - mehr jedenfalls, als wenn Strache ihnen zum Klang von Flamenco erschienen wäre. Viele werden es allerdings nicht sein, auch rechterseits, weil die Darbietung mit ihrem übersteigerten Rollenspielpathos allzu deutlich ins Urkomische kippt.

Nicht einmal Strache selbst scheint in dem kurzen Ausschnitt - von einem Journalisten vom örtlichen "Bezirksblatt" ins Netz gestellt - seinen allzu triumphalen Auftritt in vollen Zügen zu genießen. Er verhält sich anders, als wir es bei vergleichbaren Inszenierungen von Benito Mussolini oder Darth Vader gewohnt sind.

Es sieht vielmehr aus, als fügte er sich in sein Schicksal, stiege zähneknirschend hinab in den Fettnapf und dächte, während er stoisch Stufe um Stufe nimmt: "Okay, diesen Scheiß mache ich jetzt auch noch mit. Es werden aber Köpfe rollen, das steht fest. Hoffentlich stellt das keiner ins Netz! Und wo ist der Andreas Gabalier, wenn ich ihn mal wirklich brauche?".

insgesamt 16 Beiträge
And Bit 12.01.2018
1. Die Traditionslinie dieser Schreiberlinge vom SPIEGEL geht...
direkt über Stalin, Pol Pot, Fidel Castro und endet bei Honecker, der sich über soviel Blödheit in dieser freiheitlichen Grundordnung vor lachen kaum den Bauch halten könnte.
direkt über Stalin, Pol Pot, Fidel Castro und endet bei Honecker, der sich über soviel Blödheit in dieser freiheitlichen Grundordnung vor lachen kaum den Bauch halten könnte.
Horst-Güntherchen 12.01.2018
2. Kaffeesatzleserei
Ich hoffe doch, dass das Bestellen von Trommlern (noch) eine legale Handlung ist. Der Autor, der anscheinend das Vierte Reich aufziehen sieht, hat mit diesem tendenziösen Bericht dem Spiegel einen Bärendienst erwiesen, indem er [...]
Ich hoffe doch, dass das Bestellen von Trommlern (noch) eine legale Handlung ist. Der Autor, der anscheinend das Vierte Reich aufziehen sieht, hat mit diesem tendenziösen Bericht dem Spiegel einen Bärendienst erwiesen, indem er Lügenpressen-Argumenten Vorschub leistet und viel mehr belehrt als informiert.
kloppononstoppo 12.01.2018
3. Traditionell traditionsbewusster Kommentar...
Wenn diese "Schreiberlinge vom Spiegel" sie dazu bringen, hyperventilierend zur Tastatur zu greifen, muss man ihren Kommentar ja fast als Belobigung ansehen...
Zitat von And Bitdirekt über Stalin, Pol Pot, Fidel Castro und endet bei Honecker, der sich über soviel Blödheit in dieser freiheitlichen Grundordnung vor lachen kaum den Bauch halten könnte.
Wenn diese "Schreiberlinge vom Spiegel" sie dazu bringen, hyperventilierend zur Tastatur zu greifen, muss man ihren Kommentar ja fast als Belobigung ansehen...
flo2770 12.01.2018
4. Überschrift
Auch wenn es sicher genug Leute gibt die über Sowas lachen können, bereitet es mir ein mehr als mulmiges Gefühl in meiner Magengegend. Als Österreicher schäme ich mich für Politiker wie Strache, Hofer, Kickl und Co. .
Auch wenn es sicher genug Leute gibt die über Sowas lachen können, bereitet es mir ein mehr als mulmiges Gefühl in meiner Magengegend. Als Österreicher schäme ich mich für Politiker wie Strache, Hofer, Kickl und Co. .
wet80168 12.01.2018
5. Ach du Sch....
SPON, ist das etwa euer Ernst? IHR seid Hetzer!!!! Ach ja und Ober-Zensoren!
SPON, ist das etwa euer Ernst? IHR seid Hetzer!!!! Ach ja und Ober-Zensoren!

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