Schrift:
Ansicht Home:
Kultur

Rechtsstreit mit Springer

BGH bestätigt Schmerzensgeld für Kachelmann

Der Medienkonzern Axel Springer muss Wettermoderator Jörg Kachelmann wohl ein hohes Schmerzensgeld zahlen. Der Bundesgerichtshof hat eine Beschwerde des Unternehmens gegen ein früheres Urteil abgewiesen.

DPA

Jörg Kachelmann

Sonntag, 15.04.2018   15:30 Uhr

Im Rechtsstreit zwischen Jörg Kachelmann und dem Medienkonzern Axel Springer kann der Wettermoderator mit einem hohen Schmerzensgeld rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe wies eine Beschwerde von Springer ab, wie sowohl ein Unternehmenssprecher als auch Kachelmanns Anwalt bestätigten.

Der Springer-Konzern wollte eine Revision gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln aus dem Jahr 2016 erreichen und hatte daher eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH eingelegt. Die Kölner Richter hatten entschieden, dass der Moderator eine Entschädigung in Höhe von 395.000 Euro für 26 Fälle schwerwiegender Persönlichkeitsrechtsverletzung zusteht. Die Zahlung summiert sich mit Schadensersatz und anfallenden Zinsen insgesamt auf knapp 513.000 Euro.

Vom BGH gibt es bislang keine Stellungnahme zur jüngsten Entscheidung. Der Sprecher des Springer-Konzerns teilte mit: "Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs haben wir mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Wir halten sie für falsch und der Bedeutung der grundrechtlich geschützten Berichterstattungsfreiheit nicht angemessen. Deshalb prüfen wir nun die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde."

Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker twitterte: "Kachelmanns erste Schmerzensgeldklage gegen Springer endlich rechtskräftig erfolgreich!" Der Wettermoderator selbst bedankte sich am Wochenende ebenfalls auf Twitter bei seinem Anwalt und seinen Unterstützern.

Kachelmann war 2010 von einer Ex-Geliebten wegen Vergewaltigung angezeigt und später freigesprochen worden. Die Springer-Medien "Bild", "Bild am Sonntag" und Bild.de hatten ausführlich über den Prozess berichtet. Kachelmann warf ihnen vor, eine Kampagne gegen ihn gefahren zu haben und sah seine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Das Landgericht Köln hatte Kachelmann daraufhin im September 2015 eine Entschädigung in Höhe von 635.000 Euro zugesprochen. Es war die höchste Summe, die bislang in einem solchem Verfahren einem Kläger zugesprochen wurde. Kachelmann und sein Anwalt hatten ursprünglich eine Summe von 2,25 Millionen Euro gefordert.

Das Gericht stellte damals fest, Kachelmann sei "durch die Preisgabe von Informationen über sein Sexualleben, durch die teilweise wörtliche Veröffentlichung seines SMS- und E-Mail-Verkehrs und durch die Veröffentlichung von Fotos, die ihn zum Beispiel beim Hofgang in der Justizvollzugsanstalt zeigten, in seiner Intimsphäre, seinem informationellen Selbstbestimmungsrecht und seinem Recht am eigenen Bild verletzt worden".

Springer war nicht das einzige Haus, von dem sich Kachelmann nach dem Vergewaltigungsprozess verleumdet sah. Entschädigung forderte er auch von anderen Verlagen. Mit Burda einigte er sich 2015 außergerichtlich - über die Konditionen wurde Stillschweigen bewahrt. Mit Springer hingegen scheiterten alle Vergleichsverhandlungen.

mxw/dpa

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP