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Kultur

Weinstein-Enthüllungen

Pulitzerpreis für "New York Times" und "New Yorker"

Die Affäre um Filmmogul Weinstein erschütterte Hollywood - und schuf den Hashtag #MeToo. Aufgedeckt haben den Skandal zwei US-Medien, die nun ausgezeichnet wurden. Bei der Verleihung gab es auch eine Überraschung.

AP

Megan Twohey (l.) und Jodi Kantor

Dienstag, 17.04.2018   10:27 Uhr

Drei Journalisten der "New York Times" und des "New Yorker" sind für die Enthüllungen der sexuellen Übergriffe des Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgezeichnet worden: Sie gewannen den renommierten Pulitzerpreis in der Königskategorie "Dienst an der Öffentlichkeit".

Jodi Kantor und Megan Twohey sowie Ronan Farrow hatten mit ihren Berichten im Oktober 2017 die #MeToo-Bewegung begonnen, in der sich seither Opfer sexueller Übergriffe zu Wort melden. Die Bewegung hat sich in den vergangenen Monaten auf andere Branchen und in andere Länder ausgeweitet.

Die drei Journalisten hätten mit "explosivem, wirkungsvollem Journalismus Sexualtäter enthüllt, darunter auch Vorwürfe gegen einen der einflussreichsten Produzenten Hollywoods", sagte Dana Canedy im Namen der Jury an der Columbia Universität in New York. Durch die Berichterstattung seien die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden für "lang unterdrückte Vorwürfe über Nötigung, Gewalt und erzwungenem Schweigen der Opfer". Die Folge sei eine "weltweite Abrechnung mit dem sexuellen Missbrauch von Frauen" gewesen.

Er sei dankbar für "jede mutige Quelle" und die Unterstützung des "New Yorker", als andere die Geschichte "begraben" wollten, twitterte Farrow kurz nach Verkündung der Preisträger.

Enthüllungen über Kontakte zwischen Trump und russischen Behörden

In den weiteren der 14 journalistischen Kategorien wurden große, aber auch im Ausland weniger bekannte US-Medien ausgezeichnet. Die "New York Times" erhielt zusätzlich einen weiteren Pulitzerpreis für die Nationale Berichterstattung. Zusammen mit der "Washington Post" wurde die Zeitung für ihre Berichterstattung über die mögliche russische Einflussnahme während des US-Wahlkampfs ausgezeichnet.

Die beiden Zeitungen enthüllten in mehreren Artikeln, welche Kontakte zwischen US-Präsident Donald Trump und den russischen Behörden während des US-Wahlkampfs stattgefunden haben könnten. Die Berichterstattung beeinflusste auch die Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller.

Die Überraschung: Auszeichnung für Rapper Kendrick Lamar

Der Rapper Kendrick Lamar, 30, erhielt einen Pulitzerpreis für sein 2017 veröffentlichtes Album "Damn". Die Jury nannte es eine "virtuose Liedersammlung, vereint von seiner umgangssprachlichen Authentizität und rhythmischen Dynamik.". Es biete "eindringliche Momentaufnahmen, die die Komplexität des modernen afro-amerikanischen Lebens einfangen". Lamar ist der erste Rapper, der den Preis erhält, und der erste Musiker, der nicht aus der Klassik oder dem Jazz kommt. Der 1987 in Kalifornien geborene Lamar gilt als einer der erfolgreichsten Rapper. Er hat auch schon mehrere Grammys gewonnen. "Damn" ist sein viertes Studioalbum.

Auch die Berichte über die geplante Mauer an der US-Grenze mit Mexiko ("Arizona Republic"), die Heroin-Epidemie in Ohio ("Cincinnati Enquirer") und über Dylan Roof, der in einer Kirche in Charleston neun Afroamerikaner erschoss ("GQ"), wurden ausgezeichnet.

An Reuters ging der Preis in der Kategorie internationale Berichterstattung: Die Nachrichtenagentur hatte Verbindungen zwischen dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte und Hinrichtungskommandos der Polizei aufgedeckt. Zudem erhielt Reuters einen Preis für die Fotoberichterstattung über die Rohingya-Flüchtlingskrise in Myanmar.

Die Pulitzerpreise werden seit 1917 verliehen und gelten als höchste Auszeichnung der Medienbranche. Es gibt sie in 21 Sparten, darunter auch Schauspiel, Musik, Poesie und Belletristik. 14 Sparten betreffen journalistische Arbeiten. Benannt sind die Preise nach dem ungarisch-amerikanischen Zeitungsverleger Joseph Pulitzer (1847-1911), der die Auszeichnungen einst stiftete.

kry/AP/Reuters/dpa

insgesamt 10 Beiträge
solltemanwissen 17.04.2018
1.
An der metoo Debatte und der Reaktion darauf gerade in Konservativen Kreisen kann man bestens erkennen, wie peinlich und scheinheilig es ist, wenn gerade CSU Politiker jetzt Werte Unterricht für Flüchtlinge fordern!
An der metoo Debatte und der Reaktion darauf gerade in Konservativen Kreisen kann man bestens erkennen, wie peinlich und scheinheilig es ist, wenn gerade CSU Politiker jetzt Werte Unterricht für Flüchtlinge fordern!
123Valentino 17.04.2018
2. Was wird ..,,,
Donald Trump-Twitter twittern. Ich freue mich jetzt schon auf die Bereicherung , meiner Sammlung der ausagekräfigsten Tweets vom US Presidenten.
Donald Trump-Twitter twittern. Ich freue mich jetzt schon auf die Bereicherung , meiner Sammlung der ausagekräfigsten Tweets vom US Presidenten.
juba39 17.04.2018
3. Statt Klasse?
Werte Redaktion, ich bin in einer Zeit groß geworden, als es den Pulitzer für ein Foto mit einem brennendem vietnameseischen Kind gab. Oder für ein Watergate, das STATTGEFUNDEN HAT. "...Berichterstattung über die [...]
Werte Redaktion, ich bin in einer Zeit groß geworden, als es den Pulitzer für ein Foto mit einem brennendem vietnameseischen Kind gab. Oder für ein Watergate, das STATTGEFUNDEN HAT. "...Berichterstattung über die MÖGLICHE russischen Einflussnahme während des US-Wahlkampfs ... Kontakte zwischen US-Präsident Donald Trump und den russischen Behörden während des US-Wahlkampfs STATTGEFUNDEN HABEN KÖNNTE" (Großschreibung von mir) Wenn es diesen Peis jetzt schon für 'mögliche' Ereignisse gibt, die 'stattgefunden haben könnten', dann sollte man den deutschen ECHO-Preis gleich mit dem Pulitzer zusammenlegen. Wie schrieb gestern jemand? Wir erleben gegenwärtig die Grablegung einer ganzen Branche. Gemeint damit ist der Journalismus. Und damit stehe ich nicht allein. Die Klagen seriöser Medienwissenschaftler mehren sich doch täglich, daß Basics journalistischen Arbeitens einfach nicht mehr beherrscht werden. Nehmen wir nur die Sensationsmeldung über "Russische Cyberattacken" auf die (restliche) Welt. Bei ZDF-Kleber sogar eine Breaking News. Nur um dann, irgendwo im Text versteckt, feststellen zu müssen, daß diese Angriffe bereit 2015(!) begonnen haben. Was ist daran noch Journalismus? (Übrigens, genau auch die Frage, was daran Selbstreflexion ist, wenn solche Kritiken an den "Göttern des Stiftes" eben Gotteslästerung sind. Extrem ausgeprägt bei den ÖR.)
Papazaca 17.04.2018
4. Ausgezeichnete US-Medien und der Fake-News-Award
Wenn Trump später zu lebenslang Golfspielen verurteilt wurde, wird es die Medien, die dieser Präsident so oft beschimpft, immer noch geben. Auch die besten Medien wie die New York Times, der New Yorker oder auch SPON machen [...]
Wenn Trump später zu lebenslang Golfspielen verurteilt wurde, wird es die Medien, die dieser Präsident so oft beschimpft, immer noch geben. Auch die besten Medien wie die New York Times, der New Yorker oder auch SPON machen Fehler. Der Unterschied zu Trump ist, das diese Medien durch investigativen Journalismus wie bei Harvey Weinstein viel aufdecken. Trump versucht soviel wie möglich zu unterdrücken und sagt ab und zu auch die Wahrheit. Deshalb sollte Trump den Fake-News-Award bekommen, er hat sich diese Auszeichnung ehrlich verdient. Wobei mir auffällt, das ich Probleme habe, die Wörter Trump und ehrlich zusammen zu verwenden.
wurststurm 17.04.2018
5. @juba39
Sie haben kein einziges Wort eines dieser Berichte gelesen, stimmts?
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