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Kultur

Gegen Rassismus

Gute Laune durch Wissen

Noch immer sind viele Menschen mit heller Haut im Kolonialherren-Modus unterwegs. Gegen diesen Unsinn hilft nur Bildung.

DPA

Ein junger Asylbewerber aus Afrika demonstriert in Israel

Eine Kolumne von
Samstag, 09.06.2018   15:33 Uhr

Dass der Mensch ans obere Ende der Nahrungskette gelangt ist, das skrupelloseste und bösartigste Raubtier, ist eine Fügung, die einen fast an den Humor der Erde glauben lassen könnte. Die Obsoleszenz von Anbeginn voreingestellt, verachtet jeder den anderen. Hält sich für überlegen, einzigartig. Und damit fing das Elend an. Von dem, was Homo Sapiens mit ihren Geschwistern, den Tieren so anstellen, von Tintenfischen, die sie erschlagen, Affen, an deren Hirnen sie schrauben, Kühen, die sie fressen, weiter zu den Artgenossen.

Völker werten andere Völker ab. Sie werten andere aufgrund ihrer Pigmentierung, ihrer Fähigkeiten, Ticks, ihres Geschlechts, ihrer Hobbys ab oder sagen wir einfach: Der Mensch hasst sich selber so sehr, dass er geradewegs auf sein Aussterben hinarbeitet. Keiner hat etwas gelernt.

Die Pinken halten sich in der Regel den stärker pigmentierten für massiv überlegen. Vermutlich auf dem Gefühl basierend, den stärker Pigmentierten beherrscht, sich seine Bodenschätze und sein Land zu eigen gemacht zu haben.

Das, kombiniert mit dem im Menschen eingebauten Irrsinn, sich selber zu erhöhen und andere abzuwerten - quasi die genetische Schadware - liefert Pinkfarbenen bis heute den Grund, sich als Krone der Schöpfung zu betrachten. Was hinsichtlich der ästhetischen Aussage, die ein pinker Mensch mit sich machen kann, oft fragwürdig ist.

Wie bei vielen Serienmördern läuft bei mir, während ich arbeite, ständig der Fernseher, mit Tier- und Naturfilmen und mit Dokumentationen, die pinkfarbene Forscher, meist männlich, Krone der Schöpfung, ich erwähnte es, vom afrikanischen Kontinent, in Klammern südlicher Teil, angefertigt haben. Immer steht ein Hellhäutiger auf staubigen Straßen, auf denen einfache und herzensgute Frauen und Männer in lustiger Kleidung mit archaischen Instrumenten ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Wie pinkfarbene Menschen ihren Überlegenheitswahn zementieren

Sie tragen Kinder auf ihren Köpfen, zimmern Häuschen aus Bambus und Bananenblättern, treiben Handel und schleppen Wasser. Ganz so, wie Hellhäutige sich das Leben der angenommen Unterlegenen vorstellen. Was für weltoffene Kolonialherren da zum Zuge kommen. Der Tonfall in diesen Dokumentarfilmen, die oft auch in Dauerschleife seit dreißig Jahren wieder gesendet werden, gleicht dem in den Tierfilmen.

Da erklärt uns einer unterentwickeltes Leben. Und das wiederum, ohne den Einfluss der Medien überzubewerten, hilft den pinkfarbenen Menschen, seinen Überlegenheitswahn zu zementieren. Nicht nur, aber auch wegen dieser Berichterstattung hält sich das zur Abwertung erfundene Konstrukt der Rasse bis heute. Macht, dass in den USA stärker pigmentierte Menschen tödliche Angst vor Polizisten haben müssen, lässt Deppen in Deutschland weiße Hütchen tragen.

Beeinflusst die Berichterstattung der zugegeben albernen Monarchen-Hochzeit. Lässt selbst Leute, die es besser wissen, in Klischees agieren.

Nun wird die Dummheit, werden die Vorurteile, wird der Hass auf alles, was sich bewegt, nicht durch Information verschwinden. Aber ein wenig könnte man ja daran arbeiten. Jene, die noch wissen, wie man Bücher liest, könnten in den Büchern des Philosophen Mbembe auf jeder Seite einen Gedanken lesen, den ein pinkfarbener Mensch noch nie hatte.

Die Medien könnten ihre alten Kolonialherren-Dokus entsorgen und die Zuschauerinnen wirklich informieren.

Und das nicht nur, um die Leutchen zu erziehen, was eh sinnlos ist; nicht, um ihnen klar zu machen, dass der Ort der Geburt Zufall ist; sondern weil es interessant ist, was in der Welt passiert, weil Wissen Hoffnung und gute Laune macht und das Bewusstsein, dass man selber nicht die Vollendung der Evolution, sondern nur einer unter Milliarden ist, unglaublich entspannend wirken kann.

insgesamt 72 Beiträge
Drassanes 09.06.2018
1. Rassismus
Rassismus ist in keinem Fall entschuldbar und lässt sich auch nicht gegeneinander aufrechnen. Das erschreckende ist wie tief die Vorurteile auf allen Seiten verwurzelt sind. Befreien kann man sich davon nur selbst. Sprachlich [...]
Rassismus ist in keinem Fall entschuldbar und lässt sich auch nicht gegeneinander aufrechnen. Das erschreckende ist wie tief die Vorurteile auf allen Seiten verwurzelt sind. Befreien kann man sich davon nur selbst. Sprachlich fand ich den Artikel weniger gelungen. Statt von Pinken kann man doch ehrlicher von Eroberern, Unterdrückern und Verbrechern sprechen. Diese Greuel der Vergangenheit stehen den Holocaust in nichts nach, wurden aber bis heute nicht aufgearbeitet. Die Weissen sind hier in der Bringschuld.
Europa! 09.06.2018
2. Ja, ja, der Rassismus ...
Wenn Frau Berg und ihre Follower ihren Rassismus verleugnen, ist das völlig in Ordnung. Die übrigen 7 Milliarden werden ungern darauf verzichten.
Wenn Frau Berg und ihre Follower ihren Rassismus verleugnen, ist das völlig in Ordnung. Die übrigen 7 Milliarden werden ungern darauf verzichten.
dasfred 09.06.2018
3. Was will mir Frau Berg sagen?
Der pinke Mann hat ein Wissen. Der pigmentierte Mann hat ein anderes Wissen. Der eine weiß, dass er die Krone der Schöpfung ist, der andere weiß es nicht? Was ist Wissen und wem nutzt es, wofür wird es eingesetzt? Wer braucht [...]
Der pinke Mann hat ein Wissen. Der pigmentierte Mann hat ein anderes Wissen. Der eine weiß, dass er die Krone der Schöpfung ist, der andere weiß es nicht? Was ist Wissen und wem nutzt es, wofür wird es eingesetzt? Wer braucht Rassismus und wofür? Fragen über Fragen. Was macht die pinke Frau inzwischen. Wem gilt ihre Solidarität? Ihrer Rasse oder ihrem Geschlecht? Vom Mann wurde immer Schutz und Versorgung erwartet. Der beste Beschützer ist immer der, der sich an die Spitze stellt. Damit erklärt sich die Unterlegenheit aller anderen. Überall auf der Welt. Niemand will unterlegen sein. Kein Pinker, kein Brauner, keine Frau, kein Mann.
citizen01 09.06.2018
4. Frau Berg weiß, daß sich die Pinken überlegen fühlen. Hm.
Das scheint mir eher eine Anleihe aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zu sein, aber - mit ein paar Diffamierungen gewürzt - gut zu gebrauchen, wenn man glaubt, den Rest der Weißen (und Rosafarbenen) erziehen zu müssen.
Das scheint mir eher eine Anleihe aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zu sein, aber - mit ein paar Diffamierungen gewürzt - gut zu gebrauchen, wenn man glaubt, den Rest der Weißen (und Rosafarbenen) erziehen zu müssen.
andreasbs75 09.06.2018
5. Keine Sorge, die Dokus müssen Ihnen nicht peinlich sein
Ich kann Ihnen versichern, dass die Menschen in den Dokumentationen sich den "pinkfarbenen" Forschern ebenso überlegen fühlen wie umgekehrt. Das ganze ist einfach nur ein riesiges Schere-Stein-Paper Spiel.
Ich kann Ihnen versichern, dass die Menschen in den Dokumentationen sich den "pinkfarbenen" Forschern ebenso überlegen fühlen wie umgekehrt. Das ganze ist einfach nur ein riesiges Schere-Stein-Paper Spiel.
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