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Kultur

"Anti-Patriarchats-Bewegung"

Bitte die Hoden behalten

Viele halten #MeToo lediglich für einen Hashtag. Doch wenn selbst Ex-Trump-Berater Bannon darin eine Bewegung sieht, ist schon viel gewonnen auf dem Weg in eine Gesellschaft, die am Ende allen guttut.

DPA

#MeToo-Kundgebung in New York

Eine Kolumne von
Dienstag, 13.02.2018   16:08 Uhr

Man soll Arbeit, die Frauen erledigt haben, nicht Männern zuschreiben. Es heißt, das sei in der Weltgeschichte schon gelegentlich vorgekommen, aber so langsam bessern sich die Umstände.

Die Philosophin Agnes Heller wurde mal in einem Interview gefragt, ob sie glaubt, die Frauenbewegung sei auf dem richtigen Weg. "Die Frage stellt sich nicht", fand sie. "Die Frauenbewegung ist die bisher größte Revolution der Menschheit, und im Gegensatz zu allen anderen Revolutionen wird sie eines Tages vollendet sein."

Aber manchmal ist es dann doch erwähnenswert, wenn irgendwo ein Mann einen schon mal gedachten Gedanken für sich neu ergrübelt. Trumps Ex-Berater Steve Bannon hat festgestellt, dass es mit dem Patriarchat zu Ende geht.

"Mächtiger als Populismus"

Die "Anti-Patriarchats-Bewegung" werde 10.000 Jahre Geschichtsschreibung zunichtemachen, soll er dem Journalisten Josh Green gesagt haben, während er sich die Verleihung der Golden Globes im Fernsehen ansah. Beim Anblick der schwarzen Abendkleider, die viele Stars bei der Verleihung zum Zeichen ihrer Solidarität trugen, sei Bannon der Gedanke gekommen: "Das ist mächtiger als Populismus. Es ist tiefer. Es ist grundlegend. Es ist elementar."

Schön! Ehre, wem Ehre gebührt. Bannon mag ein elender Rassist sein, aber in dem einen Punkt hatte er wohl einen klarsichtigen Moment. Während andere immer noch lachen, dass #MeToo bloß ein Hashtag sei, spricht Bannon davon, dass hier eine Bewegung entstanden ist, die für Trump gefährlich werden könnte, und nicht nur für den. "Wenn man eine Guillotine in den Raum stellen würde, würden sie allen die Eier abschneiden", soll Bannon sinniert haben.

Süß, die Aufregung. Es ist alles noch neu für ihn. Aber vor allem ist es nicht so völlig selbstverständlich, dass ein Rechtsradikaler vom "Patriarchat" redet, das bekämpft wird. Leute, die - wie Bannon - nicht gerade feministisch sind, stehen dem Begriff üblicherweise eher skeptisch gegenüber.

Die Kanzlerin, "das Merkel"

Wenn die Rede davon ist, dass wir in einem Patriarchat leben, sehen einige darin einen Beweis dafür, dass Feminismus nämlich doch eine verdammte Ideologie ist. Wie kann man - so ein häufiger Einwand - in Deutschland davon reden, dass das Patriarchat immer noch da ist, wenn wir seit fast 13 Jahren eine Kanzlerin haben? Heißt Patriarchat nicht, dass die wichtigen Schaltstellen von Männern besetzt sind? Kann man den Begriff noch ernst meinen, in diesen Tagen, in denen wahrscheinlich auch die zweite der beiden größten Parteien Deutschlands eine Frau zur Chefin wählen wird?

Man kann. Erstens, allein schon in Anbetracht der Zeitpunkte, zu denen beide ihre Chance ergreifen konnten - als ihre Parteien von Männern vor die Wand gefahren waren. Und zweitens fällt etwas auf an der Art, wie über die Macht dieser Frauen gesprochen wird. Denn hinter jeder erfolgreichen Frau steht mindestens ein Mann, der es nicht aushält, dass diese Frau eine Frau ist.

Angela Merkel wurde, seit sie Kanzlerin ist, schon unzählige Male "das Merkel" genannt, oder, noch häufiger, "Mutti", als wäre das die einzige Rolle, in der Frauen etwas zu sagen haben könnten. Und über Andrea Nahles schrieb neulich erst der "FAZ"-Redakteur Jasper von Altenbockum: "Der einzige Mann in der SPD-Führung scheint Andrea Nahles zu sein." (Zwei Tage später folgte die Erklärung, warum er das für eine seriöse Analyse hielt.)

Nicht alle Männer fürchten sich

Dabei reicht es im Patriarchat natürlich nicht, irgendeine Art von Mann zu sein, um ganz nach oben zu kommen, und deswegen ist auch die Abschaffung des Patriarchats nicht für alle Männer gleich anstrengend. Sie ist tatsächlich für die allermeisten gar nicht gefährlich, denn "Patriarchat" bezeichnet keine Männerherrschaft, sondern kommt von "pater", was für den Vater steht (oder auch Stammvater oder Sippenoberhaupt), in dessen Machtbereich die Traditionen und Linien der Machtweitergabe männlich geprägt sind.

Das hieß früher, dass Eigentum und Rechte des Paters an den Sohn weitergehen, und heute, dass männliche Chefs zu häufig lieber andere Männer einstellen als Frauen, wenn sie nicht durch eine Quote an deren Existenz erinnert werden.

Steve Bannon weiß es noch nicht, aber die meisten Männer profitieren von der Abschaffung des Patriarchats. Es wird dann schwieriger sein, sich im Hotel-Bademantel auf eine Frau draufzuschmeißen, mit der man eigentlich etwas anderes machen sollte.

Aber, who cares? Die allermeisten Männer hatten das eh nicht vor, so weit ich das sagen kann. Männer werden, wenn dieser Drops gelutscht ist, genauso lange leben wie Frauen. Sie werden weniger Stress haben und seltener Opfer von Gewalt werden, sie werden öfter ihre Kinder sehen und wissen, wann deren Freunde Geburtstag haben.

Und vielleicht ist die Aufregung des Steve Bannon, so dunkel es ansonsten in ihm aussehen mag, auch einfach ein Funke freudiger Vorahnung davon, was alles möglich wäre in einer solchen Welt.

insgesamt 136 Beiträge
nickleby 13.02.2018
1. Warum dieser Eifer?
Wie erheiternd is es, Frau Stokowskis Kolumnen zu lesen. Sie sind fast immer inhaltslos, aber dafür umso wütender und angriffslustiger. Sie schwelgt in einem Vokabular, das sich in Injurien gefällt. Herabwürdigungen sowie [...]
Wie erheiternd is es, Frau Stokowskis Kolumnen zu lesen. Sie sind fast immer inhaltslos, aber dafür umso wütender und angriffslustiger. Sie schwelgt in einem Vokabular, das sich in Injurien gefällt. Herabwürdigungen sowie Schmähungen werden als Kennzeichen aufgeklärten Journalismus' präsentiert. Ob der Spiegel sich mit dieser Journalistin einen Gefallen erweist bleibt offen...
Newspeak 13.02.2018
2. ...
Bevor morgen alles Friede, Freude, Eierkuchen ist (Eierkuchen, klingt das nicht ein wenig seltsam, wo im Beitrag ueber Kastrationsphantasien oder -aengste gesprochen wurde?) muessen sich Frauen aber noch abgewoehnen, sich Maenner [...]
Bevor morgen alles Friede, Freude, Eierkuchen ist (Eierkuchen, klingt das nicht ein wenig seltsam, wo im Beitrag ueber Kastrationsphantasien oder -aengste gesprochen wurde?) muessen sich Frauen aber noch abgewoehnen, sich Maenner fuer die Erfuellung ihrer Beduerfnisse zu halten. Natuerlich nicht alle Frauen. Aber die Sorte junger Frau, die sich einen alten, reichen Mann angelt, um mit dessen Kreditkarte shoppen gehen zu koennen. Die Sorte Frau, die zuhause bleibt, aber nicht um Kinder grosszuziehen, sondern mit dem SUV vormittags zum Kaffeeplausch mit ihren Freundinnen zu fahren. Und es gibt viele SUVs in deutschen Grossstaedten, die von keinem Mann gefahren werden. Ja, wenn sich diese Dinge aendern, wird auch das Patriarchat Geschichte sein.
miriam_rosenstern 13.02.2018
3. Implantate
Liebe Frau Stokowski, Herr Bannon sieht die weiße Frau als neue Trägerin seiner Ideologie. Schließlich hat sich der von ihm installierte weiße Mann als nicht kompetent erwiesen. Der Kampf um die Frau ist immer auch ein Kampf [...]
Liebe Frau Stokowski, Herr Bannon sieht die weiße Frau als neue Trägerin seiner Ideologie. Schließlich hat sich der von ihm installierte weiße Mann als nicht kompetent erwiesen. Der Kampf um die Frau ist immer auch ein Kampf um das, was sie austrägt. Als Meister der Manipulation ist Herr Bannon immer auch der Meister der Implantation.
manque_pierda 13.02.2018
4. werte
Autorin, der Duktus "wenn der Steve Bannon uns schon als Feind sieht, dann haben wir genügend Krach gemacht" zeigt, wie sehr Sie und ihre virtuellen "Mitstreiter" sich in der eigenen Filterblase bewegen. Lt. [...]
Autorin, der Duktus "wenn der Steve Bannon uns schon als Feind sieht, dann haben wir genügend Krach gemacht" zeigt, wie sehr Sie und ihre virtuellen "Mitstreiter" sich in der eigenen Filterblase bewegen. Lt. allen wichtigen Meinungsforschungsinstituten und deren Trendbarometer rangiert das Thema "Sexismus" beim Normalbürger im niedrigen einstelligen Bereich in Deutschland. Das Sie und Ihresgleichen gerne gegen Steve Bannon und die Weinsteins und Wedels dieser Welt kämpfen, geschenkt und von mir aus, aber das ist for normale Menschen ein Randthema, nur Meinungsmacher, die nach Aufmerksamkeit heischen und neue S... durchs Dorf treiben müssen, finden dies so extrem wichtig und überhaupt über allem stehend. Witzig ist dabei, dass Steve Bannon genauso tickt, bloß von der anderen Seite her, aber letztlich mit gleicher Methodik. Verstehen Sie mich richtig, sexuelle Gewalt und Benachteiligung aufgrund von Geschlecht gehen gar nicht und niemand halbwegs normal sozialisierter Mann wird dies anders sehen. Diese Kampagne aber, die Vergewaltigung und persönlich als unangenehm wahrgenommenes Verhalten gleichsetzt in vielen Fällen, wird das Gegenteil bewirken und den Umgang der Geschlechter miteinander im offiziellen Kontext nachhaltig vergiften. Sex, Berührungen, Erotik und auch verbale Erregung machen uns als Menschen aus und ja, manche Männer und auch Frauen vergreifen sich ab und zu dabei, sind aber zumeist dennoch in der Lage, dies nach Gegenreaktion zu erkennen und sich zu korrigieren und für den Rest gibt es schon lange den Staatsanwalt. Sie und andere Aktivistinnen gefährden dies durch Ihre Hyperventilation und beklagen sich noch, wenn der "böse, weiße Mann" dann vielleicht entnervt noch etwas rechts außen wählt, während man Verhalten von Zuwanderern, was inakzeptabel ist, teilweise mit kulturrelativistischen Argumenten unter den Teppich kehren will, ja immer blöd, wenn erklärte Diskriminierungsopfer, Opfer und Täter im gleichen Spektrum sind. Kurzum, ich bestreite erheblich, dass das , was Sie als bessere Welt am Ende des MeToo-Pfades sehen, tatsächlich so ist. Das Gegenteil wird der Fall sein und genau das wird dann Menschen wie Steve Bannon freuen!
hmueller0 13.02.2018
5. Von Männern an die Wand gefahren
Sie haben aber schon gemerkt, dass ausgerechnet die beiden Damen, die sie als große Erneuerinnen bennen, die zu den größten an die Wand Fahrer und Fahrerinnen überhaupt zählen. Merkel und Nahles sind doch buchstäblich der [...]
Sie haben aber schon gemerkt, dass ausgerechnet die beiden Damen, die sie als große Erneuerinnen bennen, die zu den größten an die Wand Fahrer und Fahrerinnen überhaupt zählen. Merkel und Nahles sind doch buchstäblich der beste Beweiss, weshalb eine Quote - oder Frau als solche - nicht zwangsläufig alles besser macht. Diese Erkenntniss ist aber doch eigentlich Gleichberechtigung schlechthin - alle Geschlechter sind gleich viel Wert, gleich gut/böse gleich fähig/unfähig. Daher geht es auch nicht darum, das "richtige" Geschlecht in die entscheidenden Positionen zu bringen, sondern einfach die richtigen Menschen. Oder ist der Gedanke jetzt zu fortschrittlich?
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