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Kultur

Türkei

Altan-Brüder und vier weitere Journalisten zu lebenslanger Haft verurteilt

Deniz Yücel ist frei - doch sechs andere Journalisten sind von einem türkischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sie sollen angeblich am Putsch 2016 beteiligt gewesen sein oder Kontakte zu Fethullah Gülen unterhalten.

DPA

Ahmet Altan

Freitag, 16.02.2018   16:33 Uhr

Wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur vermeldet, hat ein Gericht in Istanbul sechs Journalisten zu lebenslanger Haft verurteilt, darunter Ahmet Altan, den ehemaligen Chefredakteur der Zeitung Taraf, seinen Bruder, den Journalisten und Wirtschaftsprofessor Mehmet Altan, sowie die Journalistin Nazli Ilicak.

Den Altan-Brüdern und Ilicak wird eine Beteiligung an dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 vorgeworfen. Zudem sollen sie Verbindungen zu dem in den USA lebenden muslimischen Geistlichen Fethullah Gülen haben, den die Türkei für den gescheiterten Putsch verantwortlich macht. Das Gericht fällte das Urteil, obwohl einer der Männer nach Anordnung des höchsten türkischen Gerichts freigelassen werden sollte.

Im Video: Deutschtürken über Deniz Yücel

Foto: SPIEGEL TV

Die Brüder Mehmet und Ahmet Altan sollen dem Urteil zufolge geheime Botschaften über eine Talkshow im Fernsehen einen Tag vor dem Putschversuch am 15. Juli 2016 ausgesendet haben. Auch der ebenfalls verurteilten Journalistin Nazli Ilicak werfen die Richter die Unterstützung des Netzwerks der Putschisten vor.

Der 65-jährige Mehmet Altan hat mehrere Bücher zur türkischen Politik verfasst, sein zwei Jahre älterer Bruder ist Romanautor und Mitbegründer der Zeitung "Taraf". Ebenso wie die 73-jährige Schriftstellerin Ilicak gehören sie zu den renommiertesten Journalisten des Landes.

"Schwarzer Tag" für die Pressefreiheit in der Türkei

Die anderen drei Angeklagten, der frühere Marketingdirektor der Zeitung "Zaman", Yakup Simsek, der "Zaman"-Graphiker Fevzi Yazici und ein Dozent der Polizeiakademie, Sükrü Tugrul Özesengül, wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, weil sie versucht haben sollen, die Verfassung abzuschaffen und die Regierung zu stürzen. Die heute verbotene "Zaman" gehörte zur Gülen-Bewegung.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach nach dem Urteil von einem "schwarzen Tag" für die Pressefreiheit in der Türkei. Anfang Januar hatte das Verfassungsgericht die Freilassung von Mehmet Altan angeordnet, da seine lange U-Haft seine Rechte verletze. Ein untergeordnetes Gericht in Istanbul weigerte sich jedoch, das Urteil umzusetzen. Nach scharfer Kritik der Regierung revidierte das Verfassungsgericht sein Urteil.

Foto: DPA

bsc/ap

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