Schrift:
Ansicht Home:
Kultur

Verlage

Zeitungsholding Hessen kauft "Frankfurter Rundschau"

Die "Frankfurter Rundschau" und die "Frankfurter Neue Presse" sollen unter das Dach der Ippen-Verlagsgruppe wechseln. Das Kartellamt muss noch zustimmen.

picture alliance/ DPA/ Boris Roessler
Freitag, 09.02.2018   11:37 Uhr

Gerüchte gab es schon länger, nun kam die offizielle Bestätigung: Wie die Frankfurter Fazit-Stiftung am Freitag mitteilte, werden die beiden Tageszeitungstitel an die Zeitungsholding Hessen (ZHH) verkauft. Eigentümerin der ZHH ist neben Verleger Dirk Ippen die MDV-Mediengruppe der Gießener Verlegerfamilie Rempel. Wie es in der Mitteilung heißt, muss das Kartellamt dem Geschäft zustimmen. Ein Antrag werde gestellt.

Die Fazit-Gruppe will sich den Angaben zufolge mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" künftig auf eine nationale Strategie konzentrieren. Zum Verkaufspaket gehört neben der FR und FNP mit ihren Regionalausgaben unter anderen auch die Frankfurter Societäts-Druckerei. Die neuen Eigentümer stünden für Kompetenz im regionalen Medienmarkt.

Verleger Dirk Ippen nannte den Eigentümerwechsel einen großen Vertrauensbeweis in die Zukunft der lokalen Zeitungsmärkte. "Es ist auch der Beginn einer engen Zusammenarbeit mit der FAZ", sagte Ippen. Im regionalen Markt bleibe die Vermarktung der Frankfurter Zeitungen in einer Hand.

Die Ippen-Gruppe baut ihr Mediengeschäft in Hessen damit weiter aus. Bislang verlegt sie dort unter anderem die "Hessische Niedersächsische Allgemeine" (HNA) in Kassel, die "Offenbach-Post" und die "Hersfelder Zeitung". Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen zudem eine Kooperation zwischen der HNA und der "Gießener Allgemeine" geschmiedet. Die Offenbacher Redaktion produziert seit 2016 den Mantelteil für den "Hanauer Anzeiger".

Ver.di fordert Erhalt aller Arbeitsplätze

Die Zeitungsgruppe von Dirk Ippen umfasst mehr als zehn Blätter mit einer Gesamtauflage von 800.000 Exemplaren. Dazu gehören unter anderem "Münchner Merkur" und "tz", "Westfälischer Anzeiger" am Stammsitz Hamm und die "Kreiszeitung" im niedersächsischen Syke.

Die Gewerkschaft Ver.di verlangte von den künftigen Hausherren bei FR und FNP den Erhalt aller Arbeitsplätze und eine Garantie, beide Titel unabhängig voneinander fortzuführen. Manfred Moos, Fachbereichsleiter Medien bei Ver.di Hessen sagte, dass es nun faktisch nur noch zwei Gruppen gebe, die sich den hessischen Zeitungsmarkt teilten: "Das macht die Lage für die wenigen verbliebenen kleineren Verlagshäuser schwieriger."

Die "Frankfurter Rundschau" hat bereits eine wechselvolle Entwicklung hinter sich: 2004 hatte die SPD-Medienholding DDVG die Tageszeitung für einen Euro samt Schulden übernommen. 2006 wurde die Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg Mehrheitseignerin, 2013 retteten "FAZ" und Frankfurter Societät das Blatt, nachdem es wenige Monate zuvor Insolvenz beantragt hatte.

Die Mitarbeiter wurden am Freitagvormittag über die Pläne informiert. Gerüchte über einen Verkauf kursierten in Frankfurt seit dem Herbst. Zu Kaufpreis, Mitarbeiterzahlen und weiterem Zeitplan machte die Fazit-Stiftung keine Angaben. Die verkaufte Auflage von FR und FNP weist die Mediengruppe nicht gesondert aus, nur im Verbund mit den Zahlen der FAZ-Regionalausgabe "Rhein Main Zeitung".

bsc/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP