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13.02.2008
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Madonna auf der Berlinale

Ich verfilme mich

Von Daniel Sander

Madonna in Berlin - die Stadt liegt ihr zu Füßen. Und das zurecht: Mit "Filth and Wisdom" präsentierte sie bei den Filmfestspielen ein so charmantes wie spaßiges Regiedebüt über das bestmögliche Thema. Sich selbst.

Wie schön, wenn sich auch die ganz großen Stars dieser Erde noch an den ganz großen Vorbildern orientieren können. Fellini, Godard und Visconti habe sie immer bewundert, lässt Madonna auf dem kleinen Presseblättchen zu ihrem Regiedebüt "Filth and Wisdom" verlauten. Und: "Ich hoffe, eines Tages mache ich etwas, das in die Nähe ihres Genies kommt."

So ist sie, und dafür muss man sie wohl schon lieben. Tiefstapeln liegt ihr einfach nicht.

Pünktlichkeit standesgemäßerweise auch nicht, und so lässt sie die tapfere Journalistenmasse, die sich mühsam in den Saal der Pressekonferenz gekämpft hat, natürlich eine halbe Stunde warten. Macht nichts. Die Anwesenden sind froh genug, überhaupt reingekommen zu sein. Und so brandet Applaus auf, als sie endlich durch die Tür schreitet, fast schon schüchtern, und für einen kurzen Augenblick könnte man fast meinen, sie wäre ganz verlegen ob der Aufmerksamkeit.

Fast.

Sie setzt sich, wirft einen prüfenden Blick auf die Menge, lächelt wissend und sagt schlicht "Hallo." Sie meint: "Vor euch habe ich bestimmt keine Angst."

Sie ist bestens in Form und gewährt den Journalisten eine höchst unterhaltsame halbe Stunde ihrer höchsten Kunst: die perfekte Selbstdarstellung. Eine unnachahmliche Mischung aus charmantem Witz und zickiger Arroganz.

Munter beantwortet sie die Fragen, ohne dabei allzu viel Erkenntnissreiches zu sagen. Sie habe das Regieführen genossen, weil es keine bessere Möglichkeit gebe, seine künstlerische Vision auszuleben. Vorschläge und Hilfe erfahrener Regiekollegen habe sie sich dankbar angehört, "doch am Ende gehe ich immer meinen eigenen Weg". Da hätte wohl auch niemand etwas anderes erwartet.

Jetzt ist sie also auch noch Regisseurin. Angesichts ihrer vorwiegend überaus unrühmlichen Vergangenheit als Schauspielerin ("Shanghai Surprise") konnte man sich schon die Frage stellen, ob das denn nun unbedingt sein müsse. Die allgemeine Erwartungshaltung vor der ersten Pressevorführung von "Filth und Wisdom" auf der Berlinale lag dementsprechend bei: Ist der Film nur schlecht oder so richtig grauenhaft?

Ein Meisterwerk ist er vielleicht nicht geworden, Madonnas 81-minütiger Erstling über eine lustige Dreier-WG in London. Es ist eben der Film einer Anfängerin.

Da sind gewisse dramaturgische Hänger hier und da nicht so schlimm, und den leichten Hang zu pseudo-philosophischen Weisheiten ("Erst wenn du in eine Zitrone gebissen hast, weißt du Zucker zu schätzen...") kann man auch noch verzeihen. Am Ende steht ein Eindruck im Vordergrund: Es hat Spaß gemacht. Wer hätte das gedacht?

Schon die Grundidee ist wohl zu gut, als das es wirklich hätte schief gehen können. Eine scheinbar simple Geschichte von der Suche nach dem großen Glück, hinter der ein schillerndes Selbstporträt lauert. Der ukrainische Musiker A.K. (Eugene Hutz) will mit seiner Folklore-Punk-Band ganz groß rauskommen, verdient sein Geld aber als eine Art männlicher Domina. Seine Mitbewohnerin Holly (Holly Weston) will eine große Tänzerin sein und schafft es doch nur in den nächsten Strip-Club. Juliette (VickyMcClure) träumt davon, afrikanische Waisen zu retten, und hilft stattdessen in einer Apotheke aus.

Man muss kein Hardcore-Fan sein, um da gewisse Ähnlichkeiten zu Madonnas öffentlicher Persönlichkeit zu erkennen. Der Film ist voll von kleinen selbstreferentiellen Hinweisen.

Im Kern hat Madonna einfach einen Film über Madonna gemacht.

Das klingt egoman und ist es vielleicht auch, steckt aber voll von so viel unerwarteter Selbstironie und gelungenen humoristischen Einlagen, dass sich der Hauch des Größenwahns schnell verflüchtigt. Und was ist schon faszininierender als zu versuchen, das unergründliche Phänomen Madonna zu ergründen? Die Fans werden begeistert sein, in jeder Szene den Geist ihres Idols zu suchen. Der Rest kann sich über die Musik von Eugene Hutz' Band Gogol Bordello freuen und sich über einige gelungene Witze amüsieren - allen voran über einen irrwitzigen und liebevollen Britney-Spears-Verweis, den man schöner kaum hätte einbauen können.

Und überhaupt kann man keinem Film böse sein, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Der rührendste Charakter ist der verzweifelte blinde Professor und ehemalige Schriftsteller Christopher Flynn (Richard E. Grant), der sich unfähig glaubt, seiner Krise zu entkommen, und dem sein größter Fan A.K. unermüdlich Mut zu machen versucht. Ein Spiegelbild des echten Christopher Flynn, Madonnas an Aids gestorbener Tanzlehrer und Mentor, der sie überhaupt erst überzeugt hat, nach New York zu gehen um ein Star zu werden.

Auf der Pressekonferenz sagt sie noch, dass sie darüber nachdenke, den Film einfach übers Internet zu verbreiten statt klassisch zu versuchen, ihn in die Kinos zu bringen. Das wäre schade.

Madonna, die Regisseurin, wird womöglich nie ein Star dieses Genres. Es könnte aber eine Freude werden, dabei zuzusehen, wie sie es versucht. Aus der wird noch was.

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