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14.02.2008
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Berlinale-Tagebuch

Kaltes Feuerherz

Von John Goetz

Viel Lärm um wenig: Auf der Berlinale wurde heute Luigi Forlanis Verfilmung des umstrittenen Bestsellers "Feuerherz" gezeigt. Ein paar Demonstranten protestierten, die Filmemacher wehrten sich gegen Vorwürfe, die Autorin schwieg. Und der Film? Ließ zu wünschen übrig.

Wenn man es nicht sowieso wüsste, würde man es auf der Berlinale schnell merken, dass man auf einem deutschen Filmfestival ist. Die Akkreditierung der Journalisten beginnt schon Monate im voraus, die Film-Verleiher haben in den Luxushotels rund um den Potsdamer Platz ganze Heerscharen von Personal untergebracht, die nichts anderes tun, als Journalisten zu "betreuen". Und ohne den entsprechenden, Einlass zu Vorführungen verheißenden Anhänger ("Badge") geht sowie nichts, aber was heißt hier ein Anhänger. Es gibt jede Menge davon. Jede Premiere, jede Party hat ihr eigenes Bändchen oder Plastik-Kärtchen. Es ist eine perfekte, straff durchorganisierte, abgeschirmte kleine Welt.

Bis zu diesem Donnerstag morgen jedenfalls war es so. Schon um halb neun Uhr heute morgen stand ein Grüppchen mit Flugblättern und und Plakaten vor dem Berlinale-Palast - und nein, es waren keine Rolling-Stones-Fans, die sich im Datum geirrt hatten. Es wurde demonstriert, und es war den acht Demonstranten mit ihrem Anliegen ernst, sehr ernst sogar.

"Feuerherz ist ein Schwindel", schimpft Abraham Mehreteab, "Warum bekommt so ein Lügenfilm Filmfördergelder?". "Feuerherz" ist einer der zwei deutschen Wettbewerbsbeiträge auf der Berlinale. Er basiert auf dem gleichnamigen Buch und Bestseller der Autorin Senait Mehari - und das ist auch schon das ganze Problem, denn an der Glaubwürdigkeit der Autorin und ihrer Geschichte gibt es schon seit geraumer Zeit immense Zweifel.

Mehari hatte darin ihre Erlebnisse als Kindersoldatin während der achtziger Jahre in Eritrea beschrieben. Das Problem: Gegen die Autorin laufen mehrere Verfahren. Eines davon wegen "übler Nachrede". Das Buch wurde 450.000 Mal in Deutschland verkauft und in viele Sprachen übersetzt - normalerweise ist so etwas ein Garant für eine ertragreiche Auswertung an der Kinokasse.

Doch "Feuerherz", ursprünglich von den Machern als "wahre Geschichte" angekündigt, wird von den Produzenten jetzt anders vermarktet. Nun heißt es, man habe sich von dem Buch lediglich "inspirieren" lassen, der Film sei ein unabhängiges Werk.

Auf der Pressekonferenz nach der Filmvorführung versucht die PR-Maschinerie denn auch, die erwartbare Diskussion möglichst abzubügeln. Die Produzenten versuchen sich zu distanzieren vom Buch aber gleichzeitig - wie können sie anders? - die Treue zu halten. "Wir gehen überhaupt nicht auf Distanz. Es ist eine wahre Geschichte, es geht hier um künstlerische Wahrheit." Fragen nach der Authentizität des Stoffes werden meist gleichlautend so beantwortet: "Lasst uns über den Film reden".

Okay. Reden wir also über den Film von Regisseur Luigi Falorni. Er ist langatmig geraten, sehr bemüht. Auch die bemerkenswerte Leistung der Laiendarsteller kann ihn nicht retten. Wegen der Kalamitäten um die Vorlage hat man versucht, beim Dreh besonders authentisch zu sein: Gefilmt wurde in eritreischer Sprache, mit eritreischen Darstellern - allerdings in Kenia. "Feuerherz" ist der erste Spielfilm Falornis, der in München studierte. Sein Dokumentarfilm "Die Geschichte vom weinenden Kamel" wurde für einen Oscar nominiert.

Nach der Pressekonferenz sind die Demonstranten noch da. "Der Film ist ein Raub meiner Kindheitsgeschichte", sagt Mehreteab. Senait Mehari, die Autorin der Buchvorlage, hatte offensichtlich keine Lust, sich den Klagen und Beschwerden zu stellen. Sie schritt am späten Nachmittag unter dem üblichen Blitzlichtgewitter über den roten Teppich - dort, wo die Öffentlichkeitsmaschine alles unter Kontrolle hat.

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