11.08.2011
Osama-Bin-Laden-Film
Rechter US-Politiker fordert CIA-Untersuchung
Hollywood-Regisseurin Bigelow: Ihr Bin-Laden-Film sorgt schon jetzt für Furore
Hamburg/Washington - Kathryn Bigelows Osama-Filmprojekt macht schon Furore, bevor überhaupt das Drehbuch geschrieben ist. Die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin ("Point Break", "The Hurt Locker") arbeitet gemeinsam mit dem Autor Mark Boal an einem Spielfilm, der sich mit der langen Suche nach dem Top-Terroristen beschäftigt. Der Film soll frühestens im Herbst 2012 in die Kinos kommen. Derzeit arbeitet das Team noch am Skript - und kann dabei auf die Unterstützung der Regierung Obama zählen.
Genau das regt den Republikaner Peter T. King auf: Es seien schon zu viele Informationen an die Öffentlichkeit gelangt über die Operation der Navy Seals, bei der Bin Laden im Mai getötet wurde, erklärte King, der Obmann des Ausschusses für Innere Sicherheit im Unterhaus des US-Kongresses ist. In einem Brief an die CIA und das Verteidigungsministerium verlangt King zu untersuchen, ob Hollywood Zugang zu geheimen Militäroperationen und verdeckt arbeitenden CIA-Mitarbeitern bekommen habe.
Anlass für seinen Brief ist ein Artikel der "New York Times"-Kolumnistin Maureen Dowd, die behauptete, die Filmemacher hätten "auf höchster Ebene Zugang zu der allergeheimsten Mission der Geschichte bekommen - und zwar von einer Regierung, die mehr Leute für Geheimnisverrat ins Gefängnis zu werfen versucht hat, als die Bush-Administration."
"Das war ein amerikanischer Triumph"
Das Weiße Haus bestreitet indes, dass es diesen Zugang gewährt habe: "Wir geben keine geheimen Informationen heraus", erklärte Regierungssprecher Jay Carney. "Aber wenn Leute an Artikeln, Büchern, Dokumentationen oder Filmen arbeiten, dann tun wir unser Bestes, um sicherzustellen, dass die Fakten korrekt sind." Das Team um Bigelow habe keine anderen Informationen erhalten als andere, die sich mit dem Thema befassen. Die Filmemacher hätten sich im Wesentlichen für die Rolle von Präsident Barack Obama bei der Jagd auf Bin Laden interessiert.
Bigelow und Boal erklärten in einem öffentlichen Statement: "Unser nächstes Filmprojekt über die Suche nach Osama Bin Laden ist seit vielen Jahren in Arbeit, und wir haben dafür die Hilfe von drei Regierungen in Anspruch nehmen können - die der Administrationen Bush, Clinton und Obama." Im Verteidigungsministerium sieht man ebenfalls keinen Anlass für Aufregung. "Wir haben Hilfe bei der Recherche des Drehbuches gewährt, so wie wir es auch bei anderen etablierten Filmemachern gemacht haben."
Der Republikaner King hält dagegen, dass in CIA-Kreisen Unmut über die Zusammenarbeit aufgekommen sei. Er verlangte unter anderem, dass das Militär und die CIA den Film vor dem Kinostart daraufhin überprüfen müsse, ob in ihm geheime Taktiken oder Quellen enthüllt würden.
Der Politiker aus New York gilt als Hardliner in Sachen innere Sicherheit, der auch vor islamophoben Aussage nicht zurückschreckt, um seine Position zu untermauern. 2004 behauptete er in einem Interview, das 85 Prozent der muslimischen Gemeinden von Fundamentalisten kontrolliert werden würden.
Kathryn Bigelow lässt unterdessen keinen Zweifel daran, dass sie das Herz am richtigen, nämlich am patriotischen Fleck trägt: "Ja, die gefährliche Arbeit, den meistgesuchten Mann der Welt zu finden, ist von Einzelnen im Dienste des Militärs und der Geheimdienste ausgeführt worden, die ihr Leben für höhere Güter und ohne Ansehen politischer Zugehörigkeiten aufs Spiel gesetzt haben", heißt es in dem gemeinsam mit Mark Boal verfassten Statement. "Das war ein amerikanischer Triumph, so heroisch wie unparteiisch, und es gibt keinen Grund zu vermuten, dass unser Film diesen enormen Sieg anders darstellen wird."
In der Tat: Wenn der Film so US-patriotisch wird wie der Ton dieses Schreibens, muss sich kein Konservativer in den USA Sorgen machen - höchstens die Filmkritiker müssen bangen.
twi/AP