23.03.2012
"Lola"-Nominierungen 2012
"Barbara" könnte bester deutscher Film werden
Berlin/Hamburg - Wäre es nach den Kritikern auf der Berlinale gegangen - Christian Petzold hätte für "Barbara" nicht nur den Silbernen, sondern den Goldenen Bären bekommen. In allen Kritiker-Polls des Festivals wurde der Film als absoluter Favorit gehandelt, und nun steht er auch bei den Nominierungen zum Deutschen Filmpreis ganz vorne: Für insgesamt acht Lolas ist das formvollendete Stasi-Liebesdrama mit Nina Hoss nominiert. Unter anderem in der Königskategorie Bester Film. Das gaben Kulturstaatsminister Bernd Neumann und die Deutsche Filmakademie am Freitag in Berlin bekannt.
Immerhin siebenmal steht Roland Emmerichs Shakespeare-Film "Anonymus" auf der Nominierungsliste, unter anderem ebenfalls als bester Film. Obwohl fast ausschließlich mit englischsprachigen Schauspielern besetzt, handelt es sich bei dem Historienspektakel um eine deutsch-britische Co-Produktion. Ebenfalls siebenmal nominiert ist Andreas Dresens Krebsdrama "Halt auf freier Strecke".
Damit ist für die Verleihung des Filmpreises am 27. April im Friedrichstadtpalast in Berlin ein interessantes Duell programmiert: Wer wird das Rennen machen - der moderne Autorenfilm à la Petzold und Dresen oder das ausschweifende Ausstattungsstück nach Emmerich-Art?
Dabei können sich auch drei weitere Produktionen Hoffnungen auf die Goldene Lola machen: die Tragikomödie "Dreiviertelmond" von Christian Zübert, das Endzeitdrama "Hell" von Tim Fehlbaum sowie das Neonazi-Porträt "Kriegerin" von David Wnendt.
Anwärter auf eine Lola als beste Schauspieler sind Steffi Kühnert und Milan Peschel, die in "Halt auf freier Strecke" eine Ehepaar spielen, das mit der Krebserkrankung des Mannes konfrontiert ist. Ronald Zehrfeld ist für seine Leistung an der Seite von Nina Hoss in "Barbara" als bester Darsteller nominiert, Sandra Hüller für "Über uns das All". Chancen auf eine Darsteller-Lola haben außerdem Alina Levshin für "Kriegerin" und Peter Schneider für seinen außergewöhnlichen Auftritt in dem Psychotiker-Drama "Die Summe meiner einzelnen Teile" - dessen Regisseur Hans Weingartner ist auch neben Christian Petzold und Andreas Dresen als bester Regisseur nominiert.
Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt knapp drei Millionen Euro Preisgeldern der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Bei der Verleihung 2011 haben vor allem Komödien abgeräumt. In Anbetracht von Themen wie Stasi, Neonazismus, Krebs und Psychose dürfte die Verleihung diesmal etwas ernster ausfallen.
cbu/dpa/afp

